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Chinesische Kalligrafien und Schriftbilder in den Deutschen Werkstätten Hellerau

Der die Mitmenschlichkeit schätzt... Chinesische Kalligrafien und Schriftbilder in den Deutschen Werkstätten Hellerau

Die Künstler Heinz Ferbert (Dresden) und Jian Tan (Ganzhou) sind nicht nur durch die chinesische Kalligrafie miteinander verbunden. Sie stehen in einem ständigen Austauschprozess der Kulturen, der alle beide beflügelt.

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Heinz Ferbert: Gesicht

Quelle: Repro

Dresden. Die Künstler Heinz Ferbert (Dresden) und Jian Tan (Ganzhou) sind nicht nur durch die chinesische Kalligrafie miteinander verbunden. Sie stehen in einem ständigen Austauschprozess der Kulturen, der alle beide beflügelt. Großes Interesse für das Fremde und Andere trägt diese Beziehung von beiden Seiten. Dabei interessiert sie nicht die oft flache Exotik der Medienmaschinen, sondern die andere Kultur mit ihren Wurzeln und ihr übergreifender Geist, so fremd sich die Menschen auch sind. Konfuzius und Goethe begegnen einander hier in den Kalligrafien und Schriftbildern der beiden Künstler in einer beeindruckenden Ausstellung im Bruno-Paul-Haus des Gebäude-Ensembles Deutsche Werkstätten Hellerau. Heinz Ferbert lernte den jungen Chinesen Jian Tan (geb. 1986) während der Vorbereitung einer Ausstellung in der Galerie Felix (Loschwitz) kennen und fing Feuer für den studierten Germanisten, der fließend Deutsch spricht und sich in die deutsche Kultur verliebt hat, Goethes Faust zitiert und auch die Mentalität der Deutschen zu verstehen sucht. Eine Gratwanderung. Ferbert bat ihn, in seiner geplanten Einzelausstellung in Hellerau mit ihm auszustellen. Zwei Dutzend Arbeiten von Tan, seinem Vater (Tuscheschriftbilder) und Ferbert künstlerisch-bildhafte Schriftfigurationen) sind nun dort zu sehen.

Von Haus aus ist Jian Tan Kalligraf in langer Überlieferung und Familientradition. Großvater und Vater lehrten ihn diese Kunst. In China gilt die Kalligrafie immer noch als höchste Kunstform, wenngleich an den chinesischen Schulen heute nur noch wenig davon zu spüren ist. Schreiben und Schönschreiben dient der ästhetischen Erziehung der Kinder und Jugendlichen dort, aber auch hierzulande. Angesichts internationaler Versuche, die Schreibschrift abzuschaffen, wäre das Verschwinden dieser Kunst eine Katastrophe für die Weltkulturen. Chinesische Hauptschriftarten sind die Kanzleischrift (aus der Tang-Dynastie) und die Siegelschrift, die vor 2000 Jahren unter dem ersten chinesischen Kaiser Quinshihuangdi entstand, sowie die der Poesie und der echten Kunst vorbehaltene Kursivschrift, in der auch zahlreiche altchinesische Gedichte geschrieben sind. Das Schriftzeichen (Wort oder Idiom) besteht aus zwei Teilen: aus dem links angeordneten Radikal (eine Art Konsonant) und dem rechts daneben geschriebenem Phonetikum (eine Lautangabe). Für das Schreiben mit Pinsel und Tusche auf Bambuspapier sind Fluss und die schwungvolle Bewegung der Hand wichtig, besonders in der Kursivschrift, die Tan mühelos "im Fluss-Schreibend" demonstrierte. Die in der Ausstellung gezeigten Kunst-Handschriften gehen zum Teil auf die 4000 Jahre alten Bronzeinschriften zurück, wirken etwas fester und archaischer als die modernen Schriftbilder und sind nur vom Spezialisten zu identifizieren. Die roten Stempel, individuelles Zeichen des Autors (eine Art Signatur) schmücken das Blatt oben (Kopf) und unten (Fuß), das wie ein menschlicher Körper aufgefasst ist. Übrigens: Man liest das Chinesische von oben nach unten und von rechts nach links.

Heinz Ferbert (geb. 1954) kam 1996 mit der chinesischen Schrift in Kontakt und schuf Collagen mit zunächst dekorativem Charakter. Durch die Bekanntschaft mit Chinesen und auf einer China-Reise kamen ihm Zweifel an dieser im Westen weit verbreiteten modischen "Rezeption". Ferbert konzentrierte sich zunehmend auf die echte Kalligrafie und die piktogrammartigen Tierdarstellungen, fast vergessene Zeichen aus der archaischen Schrift Chinas, die zu figuralen und bildhaften Kürzeln verdichtet wurden. Ferbert schreibt keine Kalligrafien im herkömmlichen Sinne, sondern bedient sich einer zeitaufwendigen Tiefdrucktechnik, der Aquatinta; manche von ihnen sind mit Pigmenten und Sanden bearbeitet und tendieren zur Malerei. Sand ist dabei Sinnbild des Vergänglichen und der Austauschbarkeit. Im Experiment mit asiatischen Zeichen entsteht ein künstlerisches Konglomerat, das aus echten Zeichen und Fantasieformen besteht und das Schriftbild zum Bild umformt.

Zwei in Gold gefasste, über Eck gehangene Blätter von Jian Tan bilden das geistige Zentrum dieser geglückten Ausstellung und beziehen sich auf Aussprüche von Konfuzius, darunter das rechte Blatt mit der Sentenz, die wie ein zeitbezogenes Manifest der beiden Künstler zu verstehen ist: "Der Mensch, der die Mitmenschlichkeit schätzt, liebt die anderen Menschen."

bis 23. Dezember. Bruno-Paul-Haus des Gebäude-Ensembles Deutsche Werkstätten Hellerau, Moritzburger Weg. Geöffnet wochentags 16-18 Uhr, am Wochenende 10-18 Uhr und nach Voranmeldung bei Frau Kaden unter 0351/ 88 38 201. Am 5. Dezember um 19.30 Uhr findet eine Finissage statt.

Heinz Weißflog

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