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Chimaera und Barn Owl überzeugten im Dresdner Beatpol

Chimaera und Barn Owl überzeugten im Dresdner Beatpol

Der Beatpol bestuhlt? Was ist hier los? Ein klassisches Konzert? Nicht ganz. Diesmal spielen zwei Bands, die dem Postrock zuzuordnen sind, genauer: dem Drone. Wie der Name schon sagt, dröhnt es bei dieser Musikrichtung ordentlich, meist mit tiefer gestimmten Gitarren, meist mit sehr langsamen Rhythmen.

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Keine Angst: Die Sounds von Barn Owl sind nicht so düster wie die Beleuchtung.

Quelle: Dietrich Flechtner

Etwas, das sonst in Rock- und Popmusik unmöglich scheint, wird hier zur Regel: Die meisten Drone-Bands haben weder einen Sänger, noch einen Schlagzeuger. So auch Chimaera aus Dresden und Barn Owl aus San Francisco, die antreten, um den Beatpol zu erschüttern.

Chimaera tut es dem Publikum gleich und spielt bestuhlt, mit der Besetzung von drei Gitarren und einer Geige ein ungewohntes Bühnenbild für eine Band. Und trotzdem um einiges vielfältiger als die meisten Bands, die zusätzlich Gesang, Bass und Rhythmus-Instrument zur Verfügung haben. Die drei Gitarristen erschaffen bedrohliche Klangwelten, die sich mit klaren, sanften Stellen, getragen von der Geige, beißen. Die ganze Band ist trotz komplizierter Abläufe immer im langsamen Rhythmus der Musik und beherrscht gekonnt die präzise Verfremdung ihrer Klänge. Zum Höhepunkt ihres Konzerts wird dann auch eine Stelle, an der Gitarrist Richard Holzmann durch das Loopen seiner Gitarre ein Sound-Gewitter erzeugt und es über die Klangregelung an seinem Verstärker zu einem tiefen Donnergrollen entwickelt.

Chimaera selbst beschreiben ihre Musik als den Versuch, "in emotionaler Tiefe Flächen in Herzen zu pressen und dabei die Realität aus den Augen zu verlieren". Das klingt erstmal surreal. Sieht man die Band jedoch live, ergeben die Worte plötzlich einen Sinn, und ja - auch als Zuschauer kann man die Realität beim Hören dieser Musik aus den Augen verlieren. Erstaunlich: Das Konzert wird in einem Stück gespielt, wie eine große Sinfonie. Selbst als die Musiker schon von der Bühne gegangen sind, spielen die Gitarren noch weiter. Als ob die Musik gar nicht menschengemacht sei, sondern direkter Ausdruck der Instrumente selbst.

Bis dann schließlich doch der letzte Ton verklingt, und Barn Owl die Bühne des Beatpol betreten.

Evan Caminiti und Jon Porras stehen auf der Bühne jeweils hinter einem Tisch, auf dem alle möglichen elektronischen Geräte verstaut sind. Was genau sich dort befindet, ist unmöglich zu erkennen. Jedenfalls kein Laptop, bloß Analoges. Wie zwei Magier zaubert das Duo aus diesen Geräten unglaublich wohlklingende Sounds. Durchgängig sind die beiden mit konzentriertem Blick am Umstecken von Kabeln und am Drehen von Reglern, immer auf der Suche nach dem perfekten Klang.

Zu Anfang ist dieser noch recht ruhig, doch das ändert sich bald. Schicht um Schicht beschwören die zwei Magier eine Wall Of Sound, die immer lauter, immer bassiger und fieser wird. Zu sägenden Synthesizern gesellen sich verzerrte Gitarrensounds und viel White Noise. Die richtige Art, die Musik von Barn Owl zu hören, ist mit geschlossenen Augen. Dann produziert das Gehirn Bilder, Assoziationen. Und die sind meist düstere Zukunftsvisionen. Zum Leben erwachte Maschinen, schreiende Bagger, krächzende Flugzeuge, wütende Kettensägen. Zu dieser Science-Fiction-Vision passt auch, dass sich Caminiti und Porras extrem ähnlich sehen; beide haben längere schwarze Haare, einen Dreitagebart und das gleiche Hemd an - sie könnten Klone sein. Die eindringliche Musik, die Zukunftsvisionen, die zwei unheimlichen Hauptdarsteller - und das alles gehüllt in blauen Nebel. Einfach magisch.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.04.2013

Falk Ulshöfer

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