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Chemnitzer Kunstsammlungen kombinieren Werke von Renoir und Schätze ihrer Textilsammlung

Chemnitzer Kunstsammlungen kombinieren Werke von Renoir und Schätze ihrer Textilsammlung

Zum Alltagswissen gehört es wohl nicht: Auch Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) hat es einmal nach Dresden gezogen. Anlass war eine bei den damaligen französischen Wagnerianern sehr geschätzte Reise zu den Bayreuther Festspielen.

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Pierre-Auguste Renoir. Monsieur und Madame Bernheim de Villers, 1910. Öl auf Leinwand, Paris, Musée d`Orsay, don de M. et Mme Bernheim de Villers, 1951.

Quelle: bpk / RMN / Hervé Lewandowski

Von denen hatte der Künstler, der den Komponisten in den 1880er Jahren sogar gemalt hatte, allerdings bereits nach drei Tagen genug (auch Wagner war von dem Porträt wenig begeistert gewesen, meinte er doch, darauf wie ein protestantischer Pastor auszusehen). So bestieg Renoir denn nach eigenem Bekunden am 21. Juli 1896 den Zug via Chemnitz Richtung Dresden. Ziel war die Gemäldegalerie - ganz speziell Vermeers "Bei der Kupplerin". Das Bild hatte er sich schon länger anschauen wollen, wie er in einem Brief schrieb. Er erwähnte dort zudem das Watteau-Gemälde "Fètes galantes" und zwei Rokoko-Baudenkmäler, darunter die Hofkirche, als bemerkenswert. Um mehr an Elbflorenz zu finden, war wohl die Zeit des Verweilens zu kurz, blieb er doch laut nachprüfbaren Unterlagen nur eine Nacht im damaligen Hotel Bellevue.

115 Jahre später nun hat Pierre-Auguste Renoir respektive seine Kunst in Chemnitz Station gemacht, womit die Stadt erneut für ein erstes Mal gut ist: Es ist die erste Ausstellung mit Werken des Künstlers in den neuen Bundesländern. Unter dem Titel "Wie Seide gemalt" heben die Chemnitzer Kunstsammlungen einen speziellen Aspekt heraus: Renoirs Vermögen, Oberflächen in besonderer Weise nachzuempfinden. Das gilt für Stoffe wie für die Haut seiner Aktmodelle. Im einstigen Zentrum bedeutender Textilproduktion rückt dies in ganz spezieller Weise in den Fokus, haben sich die Chemnitzer Kunstsammlungen doch in Ergänzung der Gemälde aus Privatsammlungen und europäischen Museen (unter anderem Musée d`Orsay, Paris, Nationalmuseum Stockholm, Belverdere, Wien) sowie des reichen Renoir-Grafikbestandes aus dem Saarlandmuseum Saarbrücken - zu sehen sind insgesamt 90 Meisterwerke - zu einem besonderen Touch entschlossen: Außer "seidiger" Malerei begegnet der Besucher "malerischen" Seiden. Während der eine Teil des Obergeschosses Renoir vorbehalten ist, werden auf dessen anderer Seite "Samt und Seide. Französischer Luxus - Stoffe aus der Epoche von Pierre-Auguste Renoir" ausgebreitet. Das Museum greift auf seine einzigartige Sammlung dieser Luxusgewebe aus der Zeit um 1900 zurück, die mit ihren opulenten Art-Nouveau-Dekoren wohl ebenfalls jeden verzaubern. Erhöht wird der Reiz dieser besonderen Textilschau durch kleine, dazwischen platzierte Renoir-Stillleben, die mit den charakteristischen Blumen- und Pflanzendekoren auf den Stoffen korrespondieren.

Dass der Maler dafür einen besonderen Blick hatte, war seiner Herkunft als Sohn eines Schneiders und einer Näherin zu verdanken. Mit der spezifischen Optik und Haptik, auch der Symbolkraft des Dekors und der Farbe war er so seit frühester Jugend vertraut. Seiden und Samte, das damalige handwerkliche Rohmaterial der Mode, standen damit am Beginn seiner künstlerischen Inspiration. Späte Gemälde wie "Monsieur und Madame Bernheim de Villers" (1910) oder das "Porträt der Dichterin Alice Vallières-Merzbach" (1913) zeigen dann in Vollendung die Fähigkeit, mit Pinsel und Farbe die Illusion schimmernder Seide zu erzeugen. Das gelang ihm wie kaum einem seiner Zeitgenossen. Er selbst äußerte, er schätze es eben, in seinen Bildern eine Wirkung "wie Seide gemalt" zu erzielen. Dies bezog sich auch auf die Haut der Frauen, die er - so die Antwort auf eine entsprechende Frage - gleichwohl am liebsten nackt malte. Diesen Aspekt der Oberfläche, wie man heute sagen würde, in Renoirs Malerei erstmals explizit herausgehoben zu haben, nehmen nun die Kunstsammlungen Chemnitz mit ihrer Schau für sich in Anspruch.

Der Künstler, der als Porzellanmaler und Gestalter von Fächern und Wappen seinen Weg begann, wandte sich in den frühen 1860er Jahren der freien Malerei zu - wohl auch nach Begegnungen mit Bazille, Monet und Sisley. Später lernte er zudem Courbet sowie Manet und Zola kennen, illustrierte die Zola-Novelle "Der Totschläger". Vor allem seit den 1870er Jahren - 1872 verkaufte er erstmals Gemälde an den führenden Kunsthändler Paul Durand-Ruel - kam der Erfolg zu dem Maler, der sich zunehmend vom Impressionismus löste. Nachdem seine Werke 1900 auf der Weltausstellung gezeigt worden waren, präsentierte 1901 auch Paul Cassirer in Berlin Gemälde Renoirs. In seinen späten Jahren - der Künstler litt unter starken rheumatischen Beschwerden, die ihn sogar zunehmend in den Rollstuhl zwangen - wurde seine Malerei, vielleicht auch, weil er nun vor allem in Südfrankreich lebte, noch sinnlicher, zeigte leuchtende Tönungen in Rosa, Rot und Orange.

Das einzige Gemälde des 1919 in Cagnes-sur-Mer verstorbenen Künstlers, das zur Sammlung der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehört, stammt dagegen aus der frühen, impressionistisch beeinflussten Schaffensphase. Es entstand 1871 im Kontext des vorzeitig wegen Krankheit beendeten Militärdienstes Renoirs und zeigt das "Bildnis des Capitaine Edouard Bernier", seines zeitweiligen Vorgesetzten. Das Werk war 1926/27 aus einer New Yorker Sammlung - Renoir Gemälde hatte 1913 auch auf der New Yorker Armory Show Erfolg - nach Dresden gekommen.

Bis 8. Januar, Di-So, einschl. Feiertage 11 bis 18 Uhr. 24. und 31. Dezember geschlossen; Führungen: Mi, Sa, So und Feiertage 16 Uhr

Kataloge: Pierre-Auguste Renoir. Wie Seide gemalt, 25 Euro (gleichnamige Broschüre 3 Euro), Samt und Seide. Französische Luxus-Stoffe um 1900, 18 Euro,

Der Druckgrafiker Pierre-Auguste Renoir - Werke aus dem Saarlandmuseum Saarbrücken, 15 Euro.

www.kunstsammlungen-chemnitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.12.2011

Lisa Werner-Art

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