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Chelsea Wolfe spielt im Beatpol Dresden

Chelsea Wolfe spielt im Beatpol Dresden

Das erste Konzert der Chelsea Wolfe aus Sacramento/Kalifornien stand am Ende unter keinem wirklich guten Stern. Unter keiner guten Sonne, kann man so nicht schreiben, denn mit der Sonne hat es die junge Frau nicht so sehr. Sie kam 2012 auf ihrer überhaupt ersten Europa-Tour ins Thalia, hatte ihre aktuelle CD "Apokalypsis" sowie zwei Musiker dabei - und kam mit all dem nie richtig klar.

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Nach einem ersten Auftritt 2012 im Thalia kommt Chelsea Wolfe in diesem Jahr wieder nach Dresden in den Beatpol.

Quelle: PR

Oder umgekehrt. Die Wolfe tauchte nicht in ihre sehr eigene Welt der Worte und Töne ein, sie kippte darin ab. Mit geschlossenen Augen, vibrierender Stimme und einem gehöri- gen Maß Unwirklichkeit schien sie nur da zu sein, wenn Musik erklang. In den Liedpausen wäre sie am liebsten geflüchtet. Was sie dann irgendwann auch tat. Fegte mit gesenktem Haupt und verlaufenem Kajal im Gesicht durchs Thalia-Foyer und verkroch sich im Bandwagen. Schade eigentlich.

"Doom Folk" oder gar "Drone Metal Art Folk" hat man das schon genannt, was Chelsea Wolfe macht. Irgendwas mit "Gothic" war auch stets dabei. Die Musikzeitschrift Spex titelte gar "Blümchen des Bösen". Sie selbst fühlt sich von Nick Cave, Neil Young und Antony Hegarty, David Lynch und D.H. Law- rence sowie Black Sabbath beeinflusst. Von Ingmar Bergman sowieso! Sie sei "an Ideen über das Ende interessiert, zudem beschäftigen mich die Fragen nach der Einfachheit von Liebe und Leben und der gesamte anhängende geistige Bereich. Bipolare Gefühle, die sich in der Kombination von Wirklich- keit und Idealismus ausdrücken, einer Mischung aus schön und hässlich, bru- tal und lieb, traurig und hoffnungs- voll."

2009 erschien von ihr "The Grime And The Glow" als erstes Signal, gefolgt von besagter "Apokalypsis"-CD, die beide ziemlich "spooky" waren, schwer an der Kruste nagend, von dräuenden Gitarren, Rhythmen und Sounds umspült, mit Blei um den Notenhals und mit einer Inbrunst gesungen, die von Existenzialität zu künden weiß und jener waidwunden Seele, die Auftritte kippen lassen kann. Cat Power kennt das ja auch. Sie war nach ihrem abgebrochenen Konzert im einstigen Star Club nie wieder in der Stadt.

Chelsea Wolfe kommt jetzt wieder. Bei ihr läuft das scheinbar anders. Als man sich schon Sorgen machen musste um die junge schwarze Dame, klingelten die Russian Circles an und beschäftigten sie für vokale Stücke ihres eigentlich instrumentalen Postrocks. Schaurig war's auf "Memorial", aber eben auch schön. Die gemeinsame Tour sah noch keinen Dresden-Termin, die Circles kamen allein. Jetzt aber ist Chelsea Wolfe wieder da - und hat ihre im Vorjahr erschienene großartige neue CD "Pain Is Beauty" (Sargent House) zur Hand. Und wieder eine Band im Gefolge: Deafheaven. Die waren - eben - 2013 an ihrer Stelle mit den Russian Circles im Beatpol, wobei besonders Sänger George Clarke bei den Anwesenden Spuren hinterlassen hat: Das tonale Ebenbild von Munchs Gemälde war unter uns, das Crescendo eines Gewitters. Erschütternd gut. Die Seelenverwandtschaft zu Chelsea Wolfe ist kein Geheimnis.

Es gibt mindestens noch eine andere Verwandte im Universum: Mit ihrem im Oktober erscheinenden neuen Album "Taiga" hat Nika Roza Danilova alias Zola Jesus einen großen Schritt in Richtung Pop gemacht. Sie ist ja ebenfalls eine junge Frau, der der Dunkelhut bestens steht. Chelsea Wolfe war mit ihr auf Tour, vielleicht hat das für Färbungen gesorgt, denn auch Wolfes "Pain Is Beauty" greift in besonderen Momenten nach der Geste, nach von Streichern wundersam umflirrten Atmosphären, nach griffigen Klavieren, klaren akustischen Gitarren, nach - ja! - Pop. Und das ist sehr gut! Schwermut bekommt eine neue Lesart, die Endzeit ist etwas nach hinten verlegt, es gibt noch zu tun auf Erden.

Viele Songs der Platte haben das Flüchtige, Skizzierte, das Lamento verloren und sind in Kraft und Struktur aufgegangen. Chelsea Wolfes Stimme ist facettenreicher und raumgreifender geworden. Sie leuchtet jetzt in Ecken, in denen sie einst nur kauerte. Und wieder einmal ist es die famose Radiostation KEXP in Seattle, die uns im Netz eine kaum besser zu leistende Video-Vorankündigung für das Dresden-Konzert liefert: Eine halbstündige Live-Session im Trio mit Violine.

Chelsea Wolfe scheint gefestigt. Sie hat mit Regisseur Mark Pellington ("Arlington Road", "The Mothmans Prophecies") am Film "Lone" geschrieben, der im Herbst uraufgeführt wird. Er drehte mit ihr im leuchtend roten Kleid auch das gerade veröffentlichte Video zu "The Wave Have Come". Und das Dresden-Konzert ist einer von nur zwei Deutschlandterminen einer kleinen Europa-Tour durch 13 Länder. Mrs. Wolfe reist exzessiv - drinnen und draußen.

Chelsea Wolfe & Deafheaven, Sonntag, 21 Uhr, Beatpol

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.08.2014

Andreas Körner

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