Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Charakterdarsteller Rudolf Donath ist verstorben

Abschied Charakterdarsteller Rudolf Donath ist verstorben

Der Schauspieler Rudolf Donath ist am Sonntag im Alter von 83 Jahren verstorben. Das teilte seine Familie mit. Damit verliert Dresden einen seiner prägendsten und beliebtesten Bühnenprotagonisten. Eine der bekanntesten Rollen Rudolf Donaths war sein Artus in Christoph Heins „Die Ritter der Tafelrunde“, das 1989 uraufgeführt wurde.

Eine der Paraderollen Donaths (l.) war der „Artus“ in Christoph Heins „Die Ritter der Tafelrunde“, das 1989 im Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt wurde.

Quelle: DNN

Dresden. Der Dresdner Schauspieler Rudolf Donath ist am Sonntag im Alter von 83 Jahren verstorben. Das teilte seine Familie mit. Damit verliert die Landeshauptstadt einen seiner prägendsten Bühnenprotagonisten. Eine seiner Paraderollen hatte Donath als Artus beim Stück „Die Rittern der Tafelrunde“ nach Christoph Hein, das 1989 in Dresden unter der Regie von Klaus Dieter Kirst uraufgeführt wurde.

Vor seiner Bühnenkarriere führte Donath ein verschlungener Weg durch verschiedene Berufszweige, unter anderem Porzellanmaler, Pressezeichner und Rundfunksprecher. Von 1960 bis 1996 spielte er dann als festes Ensemblemitglied im Staatsschauspiel Dresden über 100 Premieren, danach kehrte er noch einige Male als Gastdarsteller zurück. Seine Bühnenkarriere begann er neben Katja Kuhl in Georg Kaisers „Nebeneinander“.

Seine letzte Premiere im Staatsschauspiel Dresden gab Donath 2001 im Alter von fast 70 Jahren bei Tschechows „Kirschgarten“ als der alte Diener Firs, ebenfalls in der Regie von Klaus Dieter Kirst, der in einem Nachruf nun Abschied von seinem langjährigen Weggefährten nimmt:

„Sein Tod – erwartet und befürchtet in den letzten Tagen – trifft schwer. Zu stark drängt sich seine Persönlichkeit ins Gedächtnis, werden Erinnerungen wach an unzählige Proben, Premieren und Vorstellungen, denke ich an heftige Konflikte, leidenschaftliche Diskussionen über die Kunst und das Leben, an beglückende Begegnungen im Beruf und persönlicher Art. Ein großer Dresdner Schauspieler hat uns verlassen. Groß war seine Begabung, groß seine Haltung in den wechselvollen Zeitläuften seines Lebens, groß waren seine Kraft und Disziplin und groß seine Ausstrahlung von der Bühne. Über 50 Jahre war er dem Staatsschauspiel verbunden, spielte weit über hundert Rollen und behauptete seine Position in der ersten Reihe des Ensembles. Dieses Ensemble war für ihn der unverzichtbare Boden einer gedeihlichen schauspielerischen Arbeit. Rudolf Donath verkörperte auf sympathische Art die Einheit von eigenem künstlerischen Anspruch und Verantwortung für das Ganze einer Aufführung. Hochtalentiert überzeugte er durch sein realistisches Spiel, dem jede naturalistische Attitüde fremd war. Er hatte eine klangvolle, tragende Stimme und eine bestechende Artikulation. Die akustischen Tücken des damaligen Großen Hauses waren für ihn nie ein Problem.

Er beherrschte souverän alle Formen des sprachlichen Ausdrucks, er konnte Verse ebenso wie eine beiläufige Alltagssprache überzeugend rüberbringen, weil beides von ihm als Kunstform verstanden wurde. Realismus und Form waren bei ihm auf selbstverständliche Weise miteinander verbunden. Weder forcierte Künstlichkeit, noch beliebiges Understatement waren ihm eigen. Eigen waren ihm der Respekt vor der Dichtung und ihre geistige Durchdringung als Impuls für alles Spielerische. Die Zuschauer ließen sich gefangen nehmen von seinem wahrhaftigen, seinem lebendigen Spiel, seiner Authentizität. Dazu gehörte seine kräftige, männliche Ausstrahlung, er wirkte ehrlich und sympathisch. Beste Voraussetzungen – im dialektischen Sinne – für seine Rollen auch als Gauner, Verbrecher und Verräter. Rudolf Donath ließ sich nicht festlegen. Er war im Komischen und Tragischen zuhause, spielte Knechte und Könige.

1960 kam er – fast noch ein Anfänger – nach Dresden. Ich kam 1964, und in der „Stuart“-Inszenierung von 1965 begegneten wir uns erstmalig in der Arbeit. Er spielte den fanatischen, zu jeder Gewalt bereiten Mortimer, ich war der gerade von der Theaterhochschule kommende, alles besser wissende Regieassistent. Das konnte nicht gut gehen, es ging auch nicht gut. Interessant fand ich diesen Schauspieler trotzdem und besetzte ihn groß in meinen ersten eigenen Inszenierungen. Paul Werner in der „Minna“, Graf Dunois in der „Jungfrau“, Knecht Matti im „Puntila“ und den Zettel im „Sommernachtstraum“. Es war nicht einfach mit uns, auf einem langen Weg mit etlichen Umkehrungen entdeckten wir gleiche Überzeugungen und legten die Grundlage für gemeinsames Theatermachen über 40 Jahre.

Ich konnte mich auf ihn verlassen.

Ich habe gern mit Rudi – so nannten ihn seine Freunde – probiert. Er war gut vorbereitet, konnte seinen Text und war auf unaufgeregte Weise unbequem und inspirierend. Als „Mann von draußen“ verband sich die Integrität seiner Person mit einer überraschenden intellektuellen Schärfe, die seinen späteren Sprung ins Charakterfach und auf die Königsebene vorbereitete. Bei den Proben an diesem sowjetischen Stück begann auch jene politische Dimension unserer Arbeit, die dann bei späteren Inszenierungen so entscheidend wurde. Mit Burleigh („Stuart“) und Hagen („Nibelungen“) hatte eine Entwicklung zum großen Charakterschauspieler begonnen, die dann ihren vorläufigen Höhepunkt in der Darstellung des Artus in den „Rittern der Tafelrunde“ fand. Unvergesslich dieser König, der im Eingeständnis seines historischen Versagens echte Größe erlangt und dadurch überzeugend seinen Glauben an die Möglichkeit einer besseren Welt verteidigt. Die uns verbindende Auffassung von der aufklärerischen Funktion des Theaters fand hier ihren aufregendsten, theatralischen Ausdruck. Das Theater nahm die geschichtliche Entwicklung vorweg und erreichte dadurch schönste Bestätigung.

Die Wende stieß ihn nicht vom Thron. Er spielte Orgon („Tartuffe“), Onkel Wanja, einen hochmoralischen Kurfürsten im „Homburg“ und den alten König Lear. Und dann als sein vorläufiges Satyrspiel den Dorfrichter Adam im „Zerbrochnen Krug“. Der König von Husum als großartige Fallstudie eines in seiner Feigheit brutalen Machtmenschen. Und auch an seine Arbeiten bei Film und Fernsehen sei gedacht, jene als Regisseur seien nicht vergessen. Neben der Schauspielerei inszenierte er Stücke von Gorki, Rosenow, Goethes „Urfaust“, Dürrenmatts „Alte Dame“ und mit einem riesen Erfolg zweimal „Harold und Maude“.

Als er nach vierjähriger erfolgreicher Arbeit in Frankfurt/Main 2001 nach Dresden zurückkehrte, spielte er in meiner „Kirschgarten“-Inszenierung die kleine Rolle des Dieners Firs. Sie wurde in Donaths Darstellung zu einer Hauptrolle. Der alte Diener als König einer untergehenden Traumwelt der Schönheit, Menschlichkeit und Poesie.

Von Krankheit gezeichnet, aber voller Energie und künstlerischer Unruhe wollte Rudolf Donath weiterarbeiten. Auf dem Theaterkahn probierten wir zusammen den „Panther“. Hier zeigte er nochmal den ganzen Reichtum seines schauspielerischen Könnens. In dieser Rolle verabschiedete er sich 2010 von der Bühne. Es tat weh.

Sechs Jahre tapfer ertragener Krankheit folgten. Mit Respekt und Hochachtung denke ich an die Würde, mit der er all die sich daraus ergebenden Einschränkungen ertrug.

Nun stehen wir etwas ratlos herum und können es nicht glauben, dass es ihn nicht mehr gibt. Was bleibt ist die Erinnerung an eine spannende Zeit, die wir mit diesem Mann erleben durften. Und das ist viel.“

Klaus Dieter Kirst hat als Regisseur seit 1965 mit Rudolf Donath zusammengearbeitet.

Von sbu

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr