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Celtic Woman beschwor im Kulturpalast die keltische Folklore

Celtic Woman beschwor im Kulturpalast die keltische Folklore

"There is no beauty here, just the stench of wine and beer" heißt es im Lied "Lost Patrol" der schottischen Gruppe Big Country. Keine Schönheit hier, nur der Gestank von Wein und Bier wird also kon- statiert.

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Lisa Lambe, Susann McFadden und Chloë Agnew (v.l.) sowie die Geigerin Màiréad Nesbitt verzauberten den Kulturpalast.

Quelle: Dietrich Flechtner

Tja, das ist bei einem Kon-zert von Celtic Woman natürlich anders, wie sich jetzt auch beim Auftritt am Dienstag im Kulturpalast bestätigte.

Keine Spur von Ausdünstungen geistiger Getränke, dafür aber eben viel geradezu engelhafte Schönheit. Ob die Sängerinnen Lisa Lambe, Susann McFadden und Chloë Agnew oder die Geigerin Màiréad Nesbitt: Sie, ja selbst die Background-Sängerinnen, könnten jederzeit auf den Laufsteg wechseln, sich einreihen in die Klumschen Klone, wie sie der Germanys Next-Topmodel-Hokuspokus gebiert.

Aber nun gut: Es ist ja nicht so, als ob alte bärtige Zausel, deren Kehlen von hochprozentigem Uisge-Beatha (Lebenswasser) gegerbt wurden, das alleinige Anrecht darauf hätten, irisch/schottische Folklore spielen zu dürfen.

Vorzugsweise treten die keltischen Damen in weich fließenden Kleidern auf, gehen allerdings nicht einfach, sondern bewegen sich wie Models auf dem Cat-Walk.

Pompös arrangierte Musik der Marke "Rosamunde Pilcher"

Jeder Schritt, jedes Schwingen der Arme wirkt einstudiert. Dazu wird in einer Tour gelächelt und lieb-jungmädchenhaft gestrahlt, mehr als nur einmal kommt der Blick zum Einsatz, den Frau so drauf hat, seit sie als Mädchen gelernt hat, wie man Vati um den Finger wickelt. In einem einzigen Lied - das nun mal sad, also traurig ist, wird vom Dauer-Lächeln ein bisschen Abstand genommen.

Schon das Licht auf der Bühne ist eine Romantik-Performance für sich. Und auch die überwiegend pompös arrangierte Musik der Marke "Rosamunde Pilcher für die Ohren" beschwört das ganz große Gefühl, ist ein Appell an die heile Hab-euch-lieb-Welt.

"Believe" heißt das neue Album der keltischen Grazien, die einmal im reichen Fundus der gälischen Folklore plünderten und im Laufe des Abends Klassiker wie "Danny Boy" oder auch "Amazing Grace" zu Gehör bringen. Ebenso sind Musical- und Popsongs Teil der Show, wie etwa Rod Stewarts "Sailing" oder Chris de Burghs "A Spaceman Came Travelling", die allerdings beide ein letztlich doch allzu tiefes Bad im gärendem Kuschelsumpf nehmen.

Dudelsackspieler wandert durch den Kulturpalast

Letztlich ist es dem dumpfen Klang der Trommeln zu verdanken, dass der Spaceman nicht in purer Süßlichkeit absäuft. Das halbe Dutzend Begleitmusiker versteht sein Handwerk ausgezeichnet. Immer umjubelt: der Dudelsackspieler, der gelegentlich auch auf Wanderschaft durch das zum Abriss freigegebene Ambiente des Kulturpalastes geht.

Die Stimmen der keltischen Feen sind sehr hell, sehr klar, wirklich gut. Agnew wartet sogar mit einem berührenden "Ave Maria" auf, beendet es mit einem sittsamen Knicks mit gesenktem Kopf. Immer wieder darf es zwischendurch auch mal wilder zugehen. Ensemble-Urgestein Màiréad Nesbitt, ohne die die Show nicht das wäre, wofür sie steht, hopst und wirbelt trotz hoher Absätze wie ein Derwisch über die Bühne, wirft die Beine kokett in die Höhe, geigt mal links, dann wieder rechts.

"Wollen sie eine gute Sait?", war man anfangs gefragt worden. Klar. Die Anzahl an Zeitgenossen, die eine Frage wie diese verneint, dürfte außer in Taliban-Kreisen zu vernachlässigen sein. Letztlich hatte das Publikum durchaus eine gute Zeit, erhob sich nach dem auf den britischen Inseln populären Abschiedslied "The Parting Glass" zum Finale wie ein Mann von den Sitzen, jubelte und klatschte. Mission accomplished. Mission erfüllt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.06.2012

Christian Ruf

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