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Carena Schlewitt und ihre Vorstellungen für das Festspielhaus Hellerau ab 2018

Neue Intendantin Carena Schlewitt und ihre Vorstellungen für das Festspielhaus Hellerau ab 2018

Die künftige Intendantin Carena Schlewitt hat in Dresden erste Vorstellungen für das Europäische Zentrum der Künste vorgestellt. 2018 soll sie Dieter Jaenicke an der Spitze des Festspielhauses Hellerau ablösen. Unter 23 Bewerbern galt die 55-jährige geborene Leipzigerin mit den wallenden blonden Haaren als klare Favoritin.

Carena Schlewitt

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Ruhig, aber verbindlich spricht die künftige Hellerau-Intendantin über ihre Biografie und ihre Vorstellungen, das Europäische Zentrum der Künste betreffend. Unprätentiös und affektfrei tritt Carena Schlewitt auf, die 2018 Dieter Jaenicke an der Spitze des Festspielhauses Hellerau ablösen soll. So hat es eine Findungskommission von Künstlern, Kulturmanagern, Stadträten und der Kulturverwaltung einstimmig empfohlen. Unter 23 Bewerbern galt die 55-jährige geborene Leipzigerin mit den wallenden blonden Haaren als klare Favoritin. Der Stadtrat muss die Personalie voraussichtlich zu Beginn des kommenden Jahres noch formal bestätigen, eine entsprechende Vorlage will das Kulturrathaus im November erarbeiten.

Carena Schlewitt ist von der späteren DDR geprägt, studierte Theaterwissenschaften an der Berliner Humboldt-Uni. Nach Abschluss arbeitete sie von 1985 bis 1993 an der Ostberliner Akademie der Künste. Dann zog es sie in die freie Szene, konkret ans Berliner Podewil-Palais, das in der DDR als Klubhaus diente und dann Sitz mehrerer Bühnen und Kulturinitiativen wurde. Einen ersten Ausflug unternahm sie 1999 nach Düsseldorf als stellvertretende künstlerische Leiterin am Forum Freies Theater. Den Berliner Theaterzusammenschluss zum HAU, das für „Hebbel am Ufer“ steht, begleitete sie 2003 und blieb dort bis 2008 wiederum als stellvertretende Leiterin. Volle Verantwortung übernahm sie danach in Basel an der „Kaserne“, wo sie nach neun Jahren nunmehr einen Wechsel für sich anstrebte und sich auf die Hellerauer Ausschreibung hin bewarb. Die Theaterfrau initiierte außerdem einige Festivals und saß in den Jurys mehrerer Wettbewerbe.

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) wirkte bei der Vorstellung Schlewitts am Freitag im Rathaus sichtlich entspannt und erleichtert. Zum einen darüber, dass eine unumstrittene und kompetente Persönlichkeit gefunden wurde, zum anderen darüber, dass mit dieser schnellen Einigung der Stadt eine mögliche Vakanz an der Spitze des Europäischen Zentrums der Künste erspart bleibt. Begründungen für die klare Entscheidung deutete sie nur an. Das Profil der Kaserne Basel und des Festspielhauses Hellerau sei ähnlich, und die ostdeutsch-sächsischen Bezüge der Kandidatin hätten auch eine Rolle gespielt.

Eineinhalb Jahre vor Amtsantritt präsentierte die künftige Intendantin noch kein fertiges Konzept. Sie stellte aber klar, dass sie „Hellerau nicht komplett neu erfinden“, sondern auf der guten Basis aufbauen wolle. Das betreffe auch die ästhetische Positionierung des Ortes unter den Dresdner Bühnen. Mit den Anfechtungen von SPD und AfD konfrontiert, die Hellerau ein zu elitäres Publikum und eine zu geringe Breitenwirkung vorwerfen, bekannte sich Carena Schlewitt zum „Experimentierhaus“ und zum „Labor“. „Wir dürfen das Profil nicht vereinfachen, sonst wäre es nicht mehr Hellerau“, sagte die designierte Intendantin. Gemessen an der schwierigen Vorstadtlage seien die Zuschauerzahlen nicht schlecht. Die Einwerbung von Drittmitteln und Sponsorengeldern werde in Dresden ebenso eine Aufgabe bleiben, wie sie in Basel etwa ein Drittel des Etats so finanzieren konnte.

Der in der Ära Jaenicke dominierende Tanz soll in Hellerau auch weiterhin an erster Stelle stehen. Wie sich Akzente zu anderen Sparten hin verschieben könnten, ist noch unklar. Es fällt aber auf, dass Schlagworte wie „Vielfalt“, „Dialog mit den Künsten“ oder „Crossover“ eine wichtige Rolle spielen, wenn die kommende Intendantin über ihre Vorstellungen spricht. Es geht um Verknüpfungen, in Dresden in die künstlerischen und wissenschaftlichen Einrichtungen hinein, internationale Verknüpfungen, und es geht um Wechselwirkungen zwischen den Kunstformen. Also Tanz und zeitgenössische Musik, Tanz und Architektur, Hellerau und die Barockstadt Dresden. Auch partizipative Formate erwähnt Frau Schlewitt. Thematisch wird sie auch schon relativ konkret und nennt spontan unsere Streit- und Transformationsgesellschaft, die Flüchtlingsintegration. Mit dem zu sanierenden Ostflügel hofft sie wie Dieter Jaenicke, dem Traum von einem Künstlerdorf näher zu kommen. Und das Areal, das sie noch im ruinösen Zustand der 1990er Jahre kennen lernte, solle auch im Sommer bespielt werden.

Von Michael Bartsch

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