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Cantiones Sacrae im Konzert mit dem Dresdner Kammerchor - Neue Schütz-CD erschienen

Cantiones Sacrae im Konzert mit dem Dresdner Kammerchor - Neue Schütz-CD erschienen

Manche Programme der Reihe "Konzerte in der Schlosskapelle" des Dresdner Hofmusik e.V. wünschte man sich dringend am namensgebenden Ort zu hören. Denn auch wenn der Raum ein rekonstruierter sein wird, hat doch der Ort selbst für die Musik von Heinrich Schütz eine ganz wesentliche Bedeutung.

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Gerade eben ist die vierte CD im Rahmen der Schütz-Gesamteinspielung durch den Dresdner Kammerchor unter Hans-Christoph Rademann erschienen: Sie widmet sich dem Werkzyklus der "Zwölf geistlichen Gesänge" - vierstimmige motettische Chorwerke von Heinrich Schütz, die der kurfürstlich sächsische Organist Christoph Kittel im Einverständnis mit dem Komponisten 1657 veröffentlichte. Carus 83.239

Einstweilen und so auch am Sonntag musste sich das Publikum mit dem "Ausweichquartier" Dreikönigskirche bescheiden, um einen Querschnitt aus den "Cantiones Sacrae" von Schütz zu hören. Die latei- nischen Motetten der 1625 im Druck erschienenen, umfangreichen Sammlung gehören zu den seltener aufgeführten Werken des sächsischen Hofkapellmeisters. Der Dresdner Kammerchor, der unter Leitung von Hans-Christoph Rademann schon länger an einer Gesamtaufnahme von Schütz' Kirchenkompositionen arbeitet, bot in diesem Konzert die rare Gelegenheit, nicht weniger als 28 der vierstimmigen Motetten im Zusammenhang zu hören. Den Basso continuo spielten Ludger Rémy (Orgelpositiv) und Frauke Hess (Violone).

Die große Konzentration, die das Programm verlangte, brachten die zahlreichen Zuhörer offenbar gern auf. Immerhin kann man diese Stücke, die sich mit der Wahl stark meditativer Texte aus der Bibel und aus Schriften von Kirchenvater Augustinus inhaltlich wie musikalisch von anderen Werken des Komponisten unterscheiden, nicht als unterhaltsame Abfolge von Chorstücken hören. Bemerkenswert war auch die Geschlossenheit, in der Hans-Christoph Rademann die Motetten unter einer Klammer zusammenführte.

Der Dresdner Kammerchor erwies sich als bestens präpariert und in den fein ausbalancierten Stimmgruppen geradezu ideal aufeinander bezogen. Rademann ließ den Chor weite Passagen sehr zurückgenommen und entspannt singen, was eine weite dynamische Palette möglich machte, an deren oberem Ende immer noch Reserven blieben und so keine stimmliche Enge den Klang störte. Das Hervorheben einzelner Worte in der Musik, ein Offenlegen der Polyphonie war damit in einer Weise möglich, die dem meditativen Charakter vieler der Texte besonders gut Rechnung trug. Eine Tücke dieser jedes stimmliche Risiko meidenden Interpretationsweise lag allerdings in der Nivellierung des stets und nicht unwesentlich in den Kompositionen vorhandenen emotionalen Anteils, der bei Rademanns akribischer Spurensuche nach allen Details deutlich zu kurz kam. Ein emphatisches, ein energisches musikalisches Zupacken, das Worten wie "verwundet", "verzaubert" oder "berauscht" (Motette "Vulnerasti cor meum") hätte entsprechen können, fehlte fast durchweg. In der Summe verkürzte Rademann dadurch die Expressivität der Motetten auf einen zu kleinen gemeinsamen Nenner. Umso einprägsamer blieben die Einzelheiten, etwa eine raffiniert verwendete "Bebung" der Stimme als Verzierung des Wortes "tremunt" (Motette "Supereminet omnem scientiam), die Mühelosigkeit der Intonation oder das lebendige und doch genaue Zusammenspiel der Stimmen.

Auch die zum Schluss gesungene Motette "Cantate Dominum canticum novum" vereinte noch all diese Vorzüge und zeigte den Dresdner Kammerchor nach diesem sehr umfänglichen Programm ganz frisch und unverbraucht in den Stimmen. So schloss sich Rademanns inhaltliche Klammer auch musikalisch.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.02.2012

Hartmut Schütz

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