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Cage und seine Jünger: 3. Kammerabend der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Cage und seine Jünger: 3. Kammerabend der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Die Kammerabende der Sächsischen Staatskapelle Dresden bieten mit ihren auserlesenen Programmen immer etwas Besonderes. Und das wissen Mitwirkende wie Konzertbesucher gleichermaßen zu schätzen.

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Johanna Roggan und Maik Hildebrand als Tänzerpaar in der Uraufführung "Jiddu".

Dass sich beim 3. Kammerabend der Spielzeit - gewidmet dem 100. Geburtstag von John Cage - einige Besucher bereits nach der Pause verabschiedeten, mag wohl daran gelegen haben, dass die Klangwelt des musikalischen Aufrührers nicht unbedingt jedermanns Sache ist. Doch in der Tradition der Aufführungsreihe steht sie allemal, und auch in der Qualität der Ausführenden bot sich ganz offensichtlich kein Grund zur Klage.

Zum Auftakt gab es mit "In futurum" den 3. Satz der Pittoresken von Erwin Schulhoff aus dem Jahre 1919. Damals lebte der Komponist in Dresden, wo seine Schwester Viola an der Kunstgewerbeakademie studierte. Das launige Werk - es besteht im Notenbild komplett aus Pausen - stellten die beiden Schlagzeuger Christian Langer und Dominic Oelze vor, doch zu hören war (wie eben vorgegeben) kein Ton. Dafür wurden die in den Raum gesetzten Klöppelschläge reichlich dekorativ im Hintergrund der Bühne visualisiert. Was es aber nicht zwingend gebraucht hätte. Ein Musikstück, dem der Klang abhanden gekommen ist, dürfte schon Konzept genug sein.

Ein dadaistischer Einstieg also. Danach musste Cage schon fast gemäßigt erscheinen. Und Langer (Stellvertretender Solopauker und Schlagzeuger der Sächsischen Staatskapelle) sowie Oelze - beide haben das Programm konzipiert - nutzten gemeinsam mit der Pianistin Johanna Zmeck am präparierten Klavier sowie mit Rafael Molina Garcia, dem dritten im Schlagzeuger-Bunde, die selbst geschaffene Gelegenheit, Werke des lustvoll mit Raum und Klang spielenden Meisters aus den Jahren 1936 bis 1944 nuanciert auszukosten.

Mit "Jiddu" von Hartmut Dorschner für zwei Schlagzeuger, zwei Tänzer und interaktive Projektion gab es an diesem Abend auch eine Uraufführung, und Dorschner weiß natürlich, dass er sich mit dem Cage-Kosmos nicht so einfach messen kann. Doch immerhin hat er es auf die große Bühne der Semperoper geschafft, und ein vielseitiger, einfallsreicher Künstler ist er allemal. Zudem waren in die Aufführung mit Johanna Roggan und Maik Hildebrandt zwei Tänzer sehr unterschiedlicher Art einbezogen, deren eher zurückgenommene Bühnenaktion sich durch die interaktive Projektion zu einer sehenswerten medialen Präsenz verwandelte. Diese bewegten Bilder wurden von Hartmut Dorschner und Matthias Härtig quasi gesteuert, und das hatte so seinen Reiz. Wie überhaupt dieser Kammerabend in seiner Besonderheit. Und da musste man auch gar nicht die Flucht ergreifen.

Gabriele Gorgas

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2013

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