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Cäthe schöpft auch im Dresdner Beatpol aus vielen Quellen

Konzert Cäthe schöpft auch im Dresdner Beatpol aus vielen Quellen

Cäthe alias Catharina Sieland war im Beatpol. Als Sängerin zeigte sie sich, auch über die Texte ihres Albums „Vagabund“, melancholisch, verletzlich, sogar trotzig. Eine Mischung, die ihr ausgesprochen gut steht.

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Archivbild

Quelle: Kempner

Dresden.  Jede Zeit hat so ihre Namen und Bezeichnungen. Früher ging man zu Tante Emma (um einzukaufen), ins Maxim (um sich ganz intim zu amüsieren), zum DSC (um Fußball zu gucken). Heute hingegen bewegt man, je nachdem was ansteht, seinen A... in Richtung Netto, Alten Schlachthof oder Dynamo. Waren früher Wilhelms und Friedrichs auf dem Schulhof omnipräsent, so sind es zeitweise Kevins und heute Ben und Jonas. Wenn man nun heute in die Runde wirft, dass man zu einem Konzert einer Frau geht, die Cäthe heißt, so dürften die meisten Mitmenschen denken, man würde den Gesangskünsten einer älteren Dame mit Dutt und Krückstock lauschen. Fußball-Fans wird noch Tante Käthe in den Sinn kommen, wie Rudi Völler ob seiner weißen Haartracht irgendwann genannt wurde.

Cäthe, einfach Cäthe, mit C statt K, aber trotzdem voll retro und eingestaubt klingend, ist aber nur der Spitzname von Catharina Sieland, die mit Band einen steilen Aufstieg hinlegte und nun im Beatpol vorbeischaute. Der Saal war gut gefüllt. An Leuten, die auf emotionale, engagierte Musik stehen, die sich aus bluesig-knarzigem Rock und 80er-inspiriertem Deutsch-Pop zusammensetzt, ist derzeit wahrlich kein Mangel. Wer sich eine Vermengung von Nina Hagen und Janis Joplin mit Inga Rumpf und Anna Loos vorstellen kann, der ist in etwa bei Cäthes Sound angekommen. Chansons und Udo Jürgens haben Sieland früh geprägt, auch das sind Einflüsse, die aus ihren eigenen Kompositionen unschwer herauszuhören sind. Ebenso die Phase, als sie mit Gisbert zu Knyphausen das Duo Braut und Degen bildete, das auf melancholische Lieder spezialisiert war.

Die Texte Cäthes, die aus vielen Quellen schöpft, sind kleine, aber feine Beobachtungen, schildern scheinbar banalen Alltag und zielen doch aufs große Gefühl. In dem Lied „Vagabund“ heißt es: „Du erinnerst mich an ein Kind, das nicht schlafen will / Deine vielen Füße streunen Richtung Fluss / Was für ’ne wilde weite Welt, selten hältst du still / Und dann auch nur, dann auch nur weil du musst.“ Berührend auch folgende Gedankenkette in dem Lied „Señorita“: „Meine Schwester ist ein depressiver Schwan... meine Schwester ist ein kostbarer Diamant... Oh Señorita, lass dir deine Leichtigkeit nicht nehmen“. Verletzlichkeit, Melancholie, unbeugsamer Trotz, die ganze Palette an Irrungen und Wirrungen des Lebens findet sich in Cäthes Songs.

Die Stimme, die im Kern also ziemlich oft autobiografisch klingende Texte transportiert, kann sich absolut hören lassen. Cäthe singt klar, deutlich, direkt, mit Durchzug. Kraftvoll. Hier und da setzt sie aber auch auf leise Töne, mäandert munter und locker und dabei immer authentisch wirkend zwischen Philosophischem, sympathischer Trotzigkeit und romantischer Verträumtheit hin und her. Und mag auch manche Metapher rätselhaft sein, die zwischen Kontemplation und Euphorie wechselnde Performance zieht in den Bann.

Bei dem Lied „Junge aus Sand“, das von einem Strandausflug erzählt und bei dem Cäthe auf einem Hocker sitzt und auf der Gitarre klampft, singen vor allem die Frauen im Saal leise mit. An Ansagen ist nichts zu vermelden. Cäthe räumt ein, dass da vielleicht was kommen müsste, aber sie lässt die Zuhörer wissen: „Was soll ich jetzt sagen? Ich habe keine schlauen Sätze parat.“ Man ist dankbar über soviel Selbstreflexion, umgehend schießt einem der Gedanke durch den Kopf: „Wenn wenigstens mal ein Gast in einem Polit-Talk so ehrlich (zu sich selbst und anderen) wäre.“

Das Cover des Albums „Vagabund“ zeigt Cäthe mit Schlapphut, im Beatpol ist sie unbehütet, das schwarze Outfit kontrastiert mit dem blonden Haar. Sobald es mal nicht ruhig wird, bewegt sich Sieland mehr als manche Maid in einer Aerobic-Stunde. Cäthe hüpft, dreht sich um die eigene Achse, reckt die Hände in die Luft, kreiselt mit Becken und Hüften...

An dieser Stelle noch ein Wort zur Künstlerin, die im Vorfeld zu begutachten war: Phela. In den Liedern dieser Sängerin geht es um Liebe, aber auch um die um die gelegentliche Zwiespältigkeit, ja Vergänglichkeit der (trauten) Zweisamkeit. Zeilen wie „Ich bin einsam, sobald Du bei mir bist. Dein Atem zu schwer für uns zwei“ zeigen, dass nicht immer Schmetterlinge im Bauch kribbeln. Man merkt, dass die Künstlerin mal Geige lernte, das Klangbild ist stark davon geprägt, dazu gesellen sich Cello- und Syntie-Kläng. Die 25-Jährige spielt am 18.2. (zusammen mit TV-Noir-Mastermind Tex) in der Scheune. Unbedingt hingegen!

Von Christian Ruf

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