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Bülent Ceylan begeisterte in der Dresdner Messehalle

Salamisten gegen Salatisten Bülent Ceylan begeisterte in der Dresdner Messehalle

So sieht sie mitunter aus, die Islamisierung des Abendlandes: So wie ein Muezzin zum Gebet ruft, so heißt kurz vor dem Auftritt von Bülent Ceylan eine Stimme die Zuschauer „Herzlich willkommen“, bittet, die Handys auszuschalten, gibt den Leuten überhaupt ein paar fromme Wünsche mit auf den Weg. Später dann werden deutsche Schlager angestimmt.

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Bülent Ceylan

Quelle: dpa (Archiv)

Dresden. So sieht sie mitunter aus, die Islamisierung des Abendlandes: So wie ein Muezzin zum Gebet ruft, so heißt kurz vor dem Auftritt von Bülent Ceylan eine Stimme die Zuschauer „Herzlich willkommen“, bittet, die Handys auszuschalten, gibt den Leuten überhaupt ein paar fromme Wünsche mit auf den Weg. Später dann werden deutsche Schlager angestimmt, auch in Gebetsruf-Manier; den Karat-Hit „Über sieben Brücken musst du gehen“ findet Ceylan sogar ausgesprochen passend zur Flüchtlingsdebatte.

„Kronk“ lautet der Titel seiner Show, es gibt vieles in deutschen Landen, was der „Monnemer“, der also aus Mannheim stammende Komiker mit deutsch-türkischen Wurzeln, als „krank“ erachtet. Dass er Merkel plötzlich sympathisch findet, ist allerdings nicht krank, das schimmert dann schon durch. Krank ist eher, dass sich das Klima erwärmt und die Frauen immer noch kalte Füße haben.

Und sehr eingehend widmet sich Ceylan jenen Leuten, die in einer Stadt, aus der ein Stollen kommt, der ohne Zutaten aus dem Morgenland ziemlich fade schmecken würde, so gern am Montag „Wir sind das Volk“ rufen. Aber auch mit all jenen (Deutsch-)Türken im Land, die Erdogan gewählt haben, immerhin zu 60 Prozent, fremdelt er. Nach einem Erdogan-Witz zählt er „Einundzwanzig, zweiundzwanzig“, um dann hart und rasant fortzufahren: „Kein Kopfschuss!? Weitermachen! Hier gibt’s wohl keine Türken im Saal?“

Nicht nur in der Zotenecke

Ja, Celyan kennt trotz oder gerade wegen seines „Migränehintergrunds“ (in seiner Rolle als „Monnemer Türk“ gelingt ihm wahrscheinlich mehr in Sachen Integration und Multikulti-Miteinander als so manches hehre Kunst- oder Theaterprojekt) eher keine Tabus, was Witze über andere Nationalitäten angeht. Den Mann am Mischpult lässt er mal eben im „Herrenrassenton“ wissen: „Pole, mach mal Licht!“. Und wer’s noch nicht wusste – griechisches Monopoly funktioniert wie folgt: „Jeder Spieler leiht sich solange Geld von der Bank, bis alle verloren haben.“


Der Rahmen für sein jüngstes Programm, mit dem er auf Tournee ist, mag neu sein. Seine Protagonisten sind aber alle wieder dabei. Der erwähnte Harald, aber auch Hasan, der anatolische Hengst mit Glitzerkette und Kamm im Hosenbund, der jetzt ins Fitnesscenter geht. Da bleibt keine Zote unausgesprochen, wenn der testosterongesteuerte und einem übertriebenen Körperkult frönende Macho, dessen Gehirn nur unwesentlich größer ist als seine Testikel, im Zuge seiner Fleischbeschau den Damen im engen Sportdress zeigen will, „wo der Hantel hängt“. Als das Gejohle im Saal ohrenbetäubend wird, freut er sich: „Ich wusste, der Osten ist versaut!“

Keine Ceylan-Show ohne Songs

Doch Ceylan nur in die Zoten-Ecke zu stellen, wäre falsch. Witz ist für ihn ein probates Mittel zur Demaskierung von Idiotie. Entsprechend nutzt der Mannheimer die Gelegenheit, die Themen der Zeit anzusprechen: auch den Facebook-Wahn, dem vor allem Jugendliche verfallen – „Früher bist du doch auch nicht 30 Mal am Tag zum Briefkasten gerannt.“ Der Spagat zwischen schlüpfrigem Slapstick und Sendungsbewusstsein gelingt dem munter mit Dialekten spielenden Komiker. In einem Moment prangert Ceylan Rassismus an, im nächsten zeigt er, wie „kronk“ es ist, beim Sex sein Handy zu checken und eine SMS zu schreiben.

Eine Show von Ceylan ist dabei nie komplett ohne den einen oder anderen Song. „Nimm’ ein Kind an die Hand“ ist der Titel einer berührenden Ballade, die versichert, dass der Kleinste manchmal der Größte sei, und die die Hoffnung nährt: So „kronk“ ist die Gesellschaft doch nicht, auch wenn sich so mancher im Saal vielleicht fast „kronk“ gelacht hat.

Für Nazis hat Heavy-Metal-Fan Ceylan nicht so sanfte Töne parat: „Arsch der Welt“ heißt der Song zum Finale in gewohnter Bülent-Rammstein-Headbanger-Manier. Da weht dann wieder die pechschwarze lange Mähne, um die den „Monnemer Türk“ so manche Frau beneidet. Letztlich hat der 40-Jährige sich und seinen Fans erfüllt, was er zu Beginn als Credo ausgegeben hat: „Wir dürfen uns von den Scheiß-Terroristen nicht das Lachen nehmen lassen!“

Von Christian Ruf

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