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Bühne, aber kein Theater: der Club der schwulen Bürger im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden

Bühne, aber kein Theater: der Club der schwulen Bürger im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden

Schon mal Homo-Bingo gespielt? Da gibt's statt Zahlen in Kästchen Begriffe aus der Welt der Schwulen. Tja, und bei dem wenig Interpretationsspielräume zulassenden Begriff "Analakrobat" stand die Siegerin in Reihe eins fest.

Klingt komisch, war aber so - beim abendlichen "Schattengeflüster" des Clubs der schwulen Bürger im Kleinen Haus, entstanden unter der Leitung von Norman Schaefer.

Neun Männer haben sich Gedanken gemacht, was es heißt, schwul zu sein. Besonders in Dresden, aber das Lokalkolorit spielt dann glücklicherweise doch keine dominante Rolle. Die Bearbeitung dieses Themas geht natürlich nicht ab ohne Ausritte ins Parodistische oder Selbstironische. Nur ist das, auch wenn der Vergleich gewagt ist, nicht ganz einfach, spätestens seit Matt Lucas in "Little Britain" verkündete, er sei der einzige Schwule im Dorf - und jeden Widerspruch mit dem gnadenlosen Totschlagargument abschmetterte: Das sei genau die homophobe Einstellung, die man von den Bewohnern seines Kaffs erwarten könne.

Doch zurück zur Bühne und der dortigen Show. Denn die wurde geboten, nicht nur beim Homo-Bingo. Schon der eingangs gespielte Song "Dancing Queen" schob den Abend in eine Richtung, die den Klischees einerseits huldigte, sie andererseits auch konterte - so mit einer späteren Metalvariante des Abba-Klassikers. Die Eindrücke, die in rund 70 Minuten entstanden, sind klar mit diesem gegenläufigen Spiel zu verknüpfen. Am Anfang die provokante Frage ans Publikum, was es sich denn erwarte - etwa eine Art Fleischbeschau? Oder der spätere Ausbruch gegen das ungeschriebene "Jede Frau sollte einen schwulen Freund haben"-Gesetz. Und sonst? Immer wieder eingeschobene Statistiken der beteiligten Männer: Würde es eine Pille geben, die hetero mache - drei von ihnen würden sie nehmen. Und sieben seien glücklich. Was eine wirklich beneidenswerte Rate ergibt.

Der rote Faden allerdings findet sich nicht. Das Ganze ist ein Patchwork aus Bestandsaufnahmen, Erinnerungen und Erwartungen. Ab und zu lugt die politische Dimension des Themas Homosexualität hervor, sie wird jedoch plakativ entlang parteipolitischer Linie verhandelt. Nur einmal, als der Satz fällt, dass man in Russland dafür verhaftet würde, was man hier tue, öffnet sich kurz ein Tor hin zu Möglichkeiten, die das "Schattengeflüster" sonst leider nicht einmal streift. Es bleibt eine Art Revue, ohne dass sie sich dazu bekennen würde.

Ein Abend übers Schwulsein. Der dann ernst wird, wenn die beiden Älteren, Reinhard Heinze und Wolfgang Schiwek, über ihr Leben, ihr Coming-out und die damit einhergehenden Folgen sprechen. Der witzig wird, wenn man bekennt, schon mal bei einem Dynamo-Spiel gewesen zu sein, aber nicht händchenhaltend - das wäre "Kamikaze". Doch reicht dieser Livestream der Befindlichkeiten? Dem Publikum, das sei gesagt, gefiel es ausnehmend gut. Doch Theater ist das nicht. Dazu fehlt eine ganze Menge.

nächste Aufführung: 12. Februar, 20 Uhr

www.staatsschauspiel-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.02.2013

Torsten Klaus

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