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Brüderlich: Turner Codie und David-Ivar Herman Dune im Thalia

Brüderlich: Turner Codie und David-Ivar Herman Dune im Thalia

Es hat eben gepasst! Die reichhaltige Spielstätten-Auswahl für Rock, Pop, Folk und Artverwandtes in Dresden führt immer wieder neu zur beruhigenden Erkenntnis, dass alles zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten auf den Punkt zusammenkommt.

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Solistenfolk ohne Beziehungsstress: Turner Codie und seine E-Gitarre machten im Thalia den Auftakt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Während am vergangenen Freitag beispielsweise in der Dreikönigskirche mit Myrra Ros und Arstidir am isländischen Hör-Folk gearbeitet wurde und sich dafür auch das rechte Publikum gefunden hat, operierten im nicht weit entfernten Thalia zwei Singer/Songwriter an ihren Ecken und Kanten. Turner Cody und David-Ivar Herman Dune sind in dieser Stadt so etwas wie alte Bekannte, liebevoll in die Arme Genommene. Zwei Männer, die seit Jahren regelmäßig hierher kommen, dabei alle möglichen Konstellationen ausprobieren und sich dabei wunderbar unangestrengt flexibel zeigen. Sie sind wahrhaftige Freunde, Kumpel, der Amerikaner würde sagen: Buddys. Da es das Genre Buddy-Movie längst gibt und das Thalia nun mal ein Kino ist, lief an diesem Abend ein solcher Film. Freilich, ein Hörfilm...

Sie haben brüderlich geteilt. Wo man im Vorfeld an ein Duokonzert denken und sich aufs spritzige Ballwerfen zwischen beiden Künstlern freuen konnte, zeigte sich bald, dass genau das an diesem Abend nicht vorgesehen war. Turner Cody eröffnete mit einem 45-Minuten-Set, danach gehörte die nicht vorhandene Bühne David-Ivar Herman Dune. Nein, falsch: Sie gehörte Black Yaya. Denn Dune hat ein neues Alter Ego gefunden. Sieht darin aus wie ein mexikanischer Wanderarbeiter, hat sich das Gesicht überm schwarzen Bart weiß gemalt, Gemälde von Steve Keene an die Leinwand gestellt, zwei Positionsleuchten links und rechts seines Mikroständers aufgebaut, die er nacheinander angeschaltet und damit Zwielicht ins Dunkel des Saales gebracht hat. "Black Yaya ist der Nachwuchs von Zorn und Donner, Wut und List, gnadenlosem Kampf und Erlösung." Klingt auf der Website schlimmer, als es hernach wirklich ist. "Paint A Smile On Me" ist denn auch der erste milde Song (und ein schönes Video gehört dazu - Black Yaya ist tot und bekommt ein Smiley vor den Kopf). "Gimme A Gun" folgt, der schon im Studio in der Akustik-Version so klang wie im Thalia: Gitarre, Mundharmonika, diese eigene Stimme, die jahrelang das frohe Schaffen von Herman Dune (zuvor Düne) geprägt hat. Eine Band, die David zunächst mit Bruder André betrieben hat und seit sechs Jahren alleine weiterführt - mit Gästen, man sagt auch Dunstkreis dazu, zu dem immer auch Turner Cody gehört.

Beide Künstler sind Meister darin, ihren in Songs gemeißelten Shortstorys immer neue Gesichter zu geben. Live und auf CD können sie das Material mühelos aufpumpen. In Großbesetzung mit Bläsern? Kein Problem. Aber, und das ist das Bewundernswerte, sie können es auch schrumpfen lassen, ohne die dichten Maschen der Geschichten zu verlieren, ohne ins aufgesetzte Schrammeln oder in ausgestellte Attitüde zu verfallen. Black Yaya greift nur einmal zur Elektrischen und legt einen sperrigen Stolperstein in den Raum, um sich mit dem Banjo vor allem selbst zu beruhigen: "Tell Me Something I Don't Know" von der vorletzten Herman-Dune-Platte. Man könnte mitsingen.

Turner Cody blieb vollends nüchtern. Eine E-Gitarre reichte ihm aus, um sich von den besten Stücken der letzten Jahre und der neuen Platte "Last Of The Big Time Spenders" (nur im Netz) zu bedienen. Von "Back In The Land Of The Living" bis "Au Revoir", Solisten-Folk ohne Beziehungsstress, Motto: Ich weiß nicht viel von Musik, weiß nicht viel von Whisky, aber ich weiß jede Menge von dir.

Turner Van Pelt Kniffin, so Codys voller Name, wurde, 1999 aus Boston kommend in Brooklyn sesshaft geworden, zum Anti-Folk-Weltreisenden. 1999 hatten sich im fernen Europa auch Herman Dune gegründet...

Wenn es so passt wie im Thalia und Turner noch seinen französischen Freund David an der Seite hat, dringt automatisch der Geist von urbanen Open-Mic-Nächten im Szeneviertel durch - und es ist völlig egal, ob vor der Tür New York, Paris, Berlin oder eben Dresden gespielt wird.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.09.2013

Andreas Körner

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