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Brittens „Sommernachtstraum“ als Dresdner Inszenierung in bunter Woodstock-Adaption

Musiktheater Brittens „Sommernachtstraum“ als Dresdner Inszenierung in bunter Woodstock-Adaption

Einmal im Jahr wird das Kleine Haus zur Opernbühne. In Kooperation der Dresdner Hochschulen für Musik (HfM) und Bildende Künste (HfBK) mit dem Staatsschauspiel gibt dieses Jahr die neue Leiterin der Opernklasse, Barbara Beyer, ihr Regiedebüt in Dresden. Sie hat dafür Brittens „Ein Sommernachtstraum“ gewählt.

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Szene aus Barbara Beyers Inszenierung von Brittens „Sommernachtstraum“

Quelle: Ronny Waleska

Dresden. Einmal im Jahr wird das Kleine Haus zur Opernbühne. In der traditionellen Kooperation der Dresdner Hochschulen für Musik (HfM) und Bildende Künste (HfBK) mit dem Staatsschauspiel gibt dieses Jahr die neue Leiterin der Opernklasse, Barbara Beyer, ihr Regiedebüt in Dresden. Sie hat mit Benjamin Brittens „Ein Sommernachtstraum“ (1960) ein turbulentes wie musikalisch anspruchsvolles Stück gewählt, das junge Stimmen fordert, in der Inszenierung aber viele Freiheiten gewährt. Bitten soll es sich mit dem Text von Shakespeares gleichnamigem Drama nicht leicht gemacht haben: In all seiner Poesie wollte er ihn vertonen, musste ihn jedoch radikal kürzen. Die Dresdner Hochschulinszenierung findet zur Premiere am Abend vor Shakespeares 400. Todestag nun ganz bunte, aber auch ebenso radikale Bilder, um die Oper zu erzählen.

Der eifersüchtige Elfenkönig Oberon und seine Titania tanzen hier nicht im mystischen Sagenwald, sondern Cannabis rauchend und Heroin spritzend durch eine Hippie-WG. Barbara Beyer verwandelt alles Zauberhafte bei Shakespeare zum Drogenrausch – mit Puck als mystischer Dealerfigur. Ihre Inszenierung braucht keine Elfen, um ein Leben im traumwandlerischen Ausnahmezustand zu zeigen. Liebeswahn, Eifersucht und Verkupplungsversuche gehen auf die Wirkung von Rauschmitteln zurück und enden im bunten Chaos der Leidenschaften, während außerhalb der WG eine Gang aus sechs Rüpeln Aufstand und Einbruch in diese Traumwelt trainiert.

Die HfBK-Studentinnen Marie Hartung und Soojin Oh haben ein opulentes Bühnenbild entworfen, das ein gemütliches Wohnambiente hinter einem bunten Farbenspielvorhang in diffus vernebeltes Licht taucht. Die Kostüme wehen im Woodstock-Stil, weite Kleider, Schlaghosen und Stirnbänder sind die bunten Farbtupfer in diesem dem Delirium anheim gefallenen Zauberwald. Das passt tatsächlich gut zu Brittens Musik, die psychedelisch zirpend auch ironische Brüche zur italienischen Oper sucht, hin und wieder eine gewisse Feenleichtigkeit anschlägt – und zwischendrin zu einer flirrenden, fast filmischen Begleitmusik heranwächst.

Diesen malerischen Klangkontrasten verleiht das Hochschulsinfonieorchester unter der Leitung von Franz Brochhagen Plastizität und Lebendigkeit. Das studentische Ensemble ist dabei nicht nur gesanglich, sondern auch darstellerisch gefordert. Langweilig wird es jedenfalls in dieser Inszenierung nicht. Immer ist Bewegung auf der Bühne, auch wenn das Spiel oft nur im Rauschtaumel kreist. Marie Hänsel beschert als Titania zur Premiere starke Momente, lässt Leidenschaft und Verführung in ihrer Stimme aufflammen. In Erinnerung bleibt auch Carl Thiemts kecke Interpretation des etwas tapsig wirkenden Gurus Oberon. Gesungen wird auf Deutsch, jedoch kaum verständlich, was den Genuss trübt. Wer das Stück nicht schon kennt oder nicht die Handlung im Programmheft gelesen hat, der wird sich schwertun. Ein Problem, das auch Hochschulinszenierungen zuvor hatten und das mehr der fehlenden Möglichkeit zu Übertiteln am Kleinen Haus als den jungen Sängern anzukreiden ist.

Ungeachtet dessen gehört Barbara Beyers Regiedebüt zu den lebendigsten und unkonventionellsten Produktionen der Opernklasse in den vergangenen Jahren. Die Verlagerung der Handlung in die Hippieszene der 68er mag verrückt erscheinen, bleibt aber sowohl Britten als auch Shakespeare treu. Letztlich – und das ist das eigentliche Drama – thematisiert die Lesart mit dem (Ab-)Sturz in rauschhafte Zustände und Gewalt ja auch die Symptome einer perspektivlosen Jugend in einer modernen Gesellschaft. Sehenswert ist das allemal.

Benjamin Britten „Ein Sommernachtstraum“, im Kleinen Haus Dresden, weitere Vorstellungen am 30.4., 3.5., 10.5., 13.5., 25.5. und 27.5.

Von Nicole Czerwinka

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