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Brasilianischer Import - Ronaldo Breve fasst in Dresden Fuß

Brasilianischer Import - Ronaldo Breve fasst in Dresden Fuß

Wenn Ronaldo Breve im Sommer mit seiner Gitarre auf den Dresdner Elbwiesen hockt und mit seiner relativ hohen Kopfstimme portugiesisch zu synkopisch, brasilianischen Rhythmen singt, als säße er unter der Sonne des Zuckerhutes am weißen Strand, wünscht man sich nichts sehnlicher als einen kühlen Caipirinha und endlich wieder einmal einen Tag hitzefrei.

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Ronaldo Breve am Elbestrand: Der Sänger spielt in der Saison bereits zahlreiche Konzerte. Aber im Winter sieht es noch mau aus.

Quelle: Andreas Weihs

Breve singt vom Leben in seiner Heimat, dem beschwerlichen Leben der Armen in den Favelas, von der Umweltverschmutzung in den Städten, aber natürlich auch von der Liebe: "Mein Sohn, pass auf, diese Welt hat kein Mitgefühl - Mein Sohn, säe die Wahrheit und ernte das Glück", erinnert er sich in "Palafitas" - portugiesisch für Pfahlhäuser - an die mahnenden Worte seiner Mutter, die bis heute als Kinderfrau und Hausangestellte bei einer reichen Familie arbeitet.

Von seinem Elternhaus in einer Pfahlhaussiedlung an der brasilianischen Atlantikküste bis nach Elbflorenz war es für den lateinamerikanischen Musiker ein weiter Weg. Die Musik mit der Muttermilch aufgesogen hatte er zunächst nicht: "Mein Vater war ein begnadeter Gitarrenspieler. Selber zum Saiteninstrument gegriffen habe ich allerdings erst mit 17", erinnert sich der in Rio Aufgewachsene und fügt hinzu, "bis dahin hatte ich nichts anderes als Fußball im Kopf".

Doch genauso exzessiv, wie der heute 35-jährige die Ballsportart betrieb, wendete er sich der Pop-Musik seiner Heimat - der Música Popular Brasileira -, seinen musikalischen Vorbildern Djavan, Milton Nascimento und NaNá Vasconcelos, wie auch seiner eigenen Kunst zu. In Breves Heimatland stellte sich der Erfolg schnell ein: "Ab der Jahrtausendwende konnte ich mich durch Auftritte in Bars über Wasser halten und war bei einer NGO als Fotograf sowie als Gitarrist und Frontmann in verschiedenen Bands tätig. Vorher habe ich von der Arbeit in einer Reifenwerkstatt bis zum Pizzabäcker alles gemacht, wofür es Geld gab."

Der größere kommerzielle Durchbruch folgte dann im Jahr 2012 mit der Formation "Boombalanço". Die unter anderem mit dem Song "Na Swingueira" in den Bars von Rio einen kleinen Hit landeten und eine Aufnahme mit sechs Liedern herausbrachte.

Doch Breves Zeit in Brasilien neigte sich dem Ende zu. Schon Jahre vorher lernte er in Rio die Deutsche Doreen Mehner kennen, die dort an der Deutschen Schule unterrichtete. 2010 kam ihr erster Sohn Leo zur Welt. 2012 folgte Tim. Das Paar beschloss, nach Deutschland überzusiedeln und schlug 2013 seine Zelte in Dresden auf.

Breve macht auch in Deutschland weiter Musik. Gründet in Dresden neben der Band Boombalanço in neuer Besetzung mit Du Bras und Sessao zwei weitere Bands und tritt auch solo auf. Noch im Jahr der Umsiedlung spielt der Brasilianer unter anderem auf dem Karneval der Kulturen in Berlin, auf dem Folk-Roots-Weltmusikfestival in Rudolstadt (TTF) sowie auf dem bekannten Folk- und Weltmusikfestival Folklorum bei Görlitz. 2014 ging es zum internationalen Kleinkunstfestival in Usedom und erneut zum TFF. Bald spielt der Brasilianer auf dem Stadtfest und während des Folklorum-Festivals bei Bautzen. Ein Konzerttermin auf dem Hechtfest, das Ende August stattfindet, ist noch nicht bestätigt.

"Ich spiele hier in Deutschland viele Konzerte für wenig Geld. Davon kann ich nicht leben", muss Breve feststellen und hat dabei das Problem schnell ausgemacht: "Mein Deutsch ist noch nicht gut genug. Ich brauche jemanden, der für mich das Booking übernimmt. Darüber hinaus würde ich gerne ein Album aufnehmen", hofft der Musiker auf bessere Gagen. Insbesondere außerhalb der Saison sei es schwer, an Auftritte zu gelangen, so Breve, der hofft, bald auch in Deutschland seine Brötchen mit seiner Musik zu verdienen.

Ronaldo Breve spielt am 17. August um 14.30 Uhr auf dem Stadtfest Dresden an der DVB Wohlfühloase am Postplatz. Am 6. September nimmt er um 13.30 Uhr auf der Waldbühne am Folklorumfestival auf dem Gelände der Kulturinsel Einsiedel teil.

ronaldobreve.jimdo.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.08.2014

Hauke Heuer

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