Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 18 ° Gewitter

Navigation:
Google+
Brahms-Aufführungen im Konzert des Dresdner Universitätschores

Brahms-Aufführungen im Konzert des Dresdner Universitätschores

Es war ein höchst erfreuliches Bild, was sich dem Betrachter in Dresdens Martin-Luther-Kirche bot: das riesige Choraufgebot unter der Leitung von Christiane Büttig weist in seiner überwiegenden Mehrheit junge Sängerinnen und Sänger auf.

Und dieser jugendliche Trend setzte sich im Orchester, der Sinfonietta Dresden, und im Publikum fort. Ab und an gibt es also doch einen Hoffnungsschimmer hinsichtlich der Verjüngung von Chören und Konzertpublikum!

Das musikalische Ergebnis dieses reinen Brahms-Programmes konnte sich wirklich hören lassen. Der Universitätschor Dresden e.V. ließ mit seinem jugendlichen, zumeist ausgewogenen und - trotz der Chormassen - schlanken Klang aufhorchen. Irgendwie schien es, als hätte sich der Chor auf ein musikalisches Abenteuer eingelassen, mit Neugier, nimmermüdem Engagement und solidem sängerischen Können. Gelegentliche Intonationswackler fielen kaum ins Gewicht. Christiane Büttig hielt die Fäden der Wiedergabe fest und umsichtig in der Hand, setzte auf unbedingten Ausdruckswillen der Beteiligten. Die 1983 in Dresden geborene Christiane Büttig ist seit Sommer vergangenen Jahres Leiterin des Universitätschores und damit Nachfolgerin von Maja Sequeira, die im Mai 2012 im Alter von nur 42 Jahren verstorben war.

Antike Schicksalstragik prägt Hölderlins Verse, die Brahms in seinem "Schicksalslied" op. 54 verwendete und denen er mit einem weit ausholenden, lichten Orchesternachspiel einen tröstlichen Ausklang gab. Die Sinfonietta Dresden zauberte fein differenzierte Orchesterfarben, und der Chor wusste durch sorgfältige Kontrastierung zu überzeugen - da die unendliche Sehnsucht nach der heilen Götterwelt, hier die Mühen und die Verzweiflung der menschlichen Ebene. Eine in sich geschlossene Wiedergabe von sehr gutem Niveau.

Inhaltlich am nächsten steht diesem Werk Brahms' "Deutsches Requiem". Denn auch hier gewinnt der Trost die Oberhand über die Schrecken des Todes - ein Gedanke, der im Interpretationsansatz von Christiane Büttig und ihrer Mitstreiter eine entscheidende Rolle spielte. Fast aufmüpfig stellte der Chor seine Frage "Tod, wo ist dein Stachel", mild und tröstend kamen die Seligpreisungen der Ecksätze daher. Es gab große dynamische Steigerungen des Chores und Ausdrucksstärke, Präzision und Markanz in den Fugen. Mit visionärer Kraft schleuderte er sein "Aber des Herren Wort bleibet in Ewigkeit" heraus. Und wie wunderbar klangschön kam der zentrale Satz des Requiems "Wie lieblich sind deine Wohnungen" zu Gehör, nicht rührselig, sondern besonders schlicht.

Auch im Requiem war die Sinfonietta Dresden ein gut reagierender, souveräner orchestraler Partner.

Mit der Sopranistin Anna Sohn und dem Bariton Johannes Wollrab erlebte man die solistischen Passagen in ordentlicher, wenn auch nicht herausragender Qualität. Ein Mehr an individueller Ausdruckstiefe wäre nicht schlecht gewesen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2013

M.Hanns

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr