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"Boulevardtheater ist spießig" - Regisseur Matthias Kitter vor der Premiere von "FlowerPower"

"Boulevardtheater ist spießig" - Regisseur Matthias Kitter vor der Premiere von "FlowerPower"

Matthias Kitter ist eigentlich im Fernsehen zu Hause, beruflich gesehen. Bei Programmen von Kurt Krömer und Markus Maria Profitlich führt er oft Regie. Nun hat er sich einer ganz anderen Herausforderung gestellt.

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Matthias Kitter

Er inszeniert "FlowerPower" in der Comödie. Über sein Dresden-Debüt, freundliche Sachsen und die Spießigkeit des Boulevardtheaters sprach er mit Torsten Klaus.

Frage: Ihr Dresden-Debüt also mit "FlowerPower". Sonst arbeiten Sie meist in Köln oder Berlin. Willkommen in der Randlage.

Matthias Kitter: Ich bin, das ist kein Spruch, absolut bekennender Dresden-Fan. Auch privat bin ich viel in der Gegend. Direkt nach der Wende, noch 1989, habe ich einen Dokumentarfilm für CNN gedreht, im Auftrag der Deutschen Welle - wie es in Dresden aussieht, direkt nach dem Fall der Mauer. Später war ich immer wieder in Dresden und habe dabei oft gedacht: Hier würdest du gern mal arbeiten. Sachsen sind für mich außerdem die freundlichsten Deutschen, ich mag den sächsischen Humor. Ich fühl mich hier einfach wohl.

Klingt, als wären Sie am richtigen Ort...

Das Angenehme hat sich einfach mit dem Nützlichen verbunden. Die Comödie hat als erste Bühne zugesagt, das Stück "FlowerPower" zu machen. Der Verlag hat den Text verschickt, er liegt bei einigen Boulevardtheatern in der Warteschleife. Sollte das Stück von Philipp Sonntag in Dresden Erfolg haben, dann wollen es alle nachspielen. Aber einer muss der Erste sein, und die Comödie hat da Mut bewiesen. Sonst sind die Theater vorsichtig, weil man auch nicht sicher sein kann, ob es ein Autor ist, der einen Publikumserfolg nach sich zieht. Es sind alles kommerzielle Bühnen, die in dieser Hinsicht kein Risiko eingehen.

Ist das auch der Hauptgrund für das, salopp formuliert, oft vermiefte deutsche Boulevardtheater?

Das Wort vermieft bringt es auf den Punkt. So sehe ich das auch. Das Boulevardtheater hat sich in den vergangenen 20 Jahren keinen Meter weiterbewegt. Es gibt natürlich einzelne positive Ausreißer wie das Theater am Kurfürstendamm mit "Männerhort", unter anderen mit Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst. Auch im Ruhrgebiet gibt es hier und da kleine Boulevardbühnen, die etwas schrägere regionale Stücke machen. Aber das Gros der Boulevardtheater gibt sich wie in den 70er, 80er Jahren. Da hat sich nichts verändert.

Verharren im Bekannten...

Es verträgt sich schwer mit der Tatsache, dass wir ein einer Medienwelt leben, mit anderen Sehgewohnheiten, einem sich ändernden Humorverständnis. Auch das Argument, ältere Zuschauer würden das Gewohnte weiter so haben wollen, stimmt nicht. Sie freuen sich auch mal über eine andere, frische Präsentation. Es ist ein Klischee zu meinen, man müsse immer operettig daherkommen.

Gibt's eine Chance auf jüngeres Publikum im Boulevard? Oder ist das ein frommer Wunsch?

Es ist ein ziemlicher Weg dorthin. Man wird lange brauchen, um dieses Genre wiederzubeleben, weil man einfach über viele Jahre viel versäumt hat. Junge Leute gehen lieber in Comedy-Shows, in Clubs, gucken sich Stand up-Comedians an. Aber ich glaube, die sind nicht verloren. Vor allem wenn man mit modernen Figuren und Stoffen kommt, die etwas mit ihnen zu tun haben. Es muss ja nicht immer der 70-jährige Unternehmer sein, der sich in seine 20-jährige Sekretärin verliebt. Seine Frau rächt sich, indem sie mit dem Chauffeur ein Verhältnis anfängt - und am Ende trifft sich alles im Schrank. Das ist grauenhaft, und so ist Boulevard gestrickt, nach wie vor. Die meisten Boulevardkomödien sind spießig.

Wo steht "FlowerPower"?

Es zeigt die Spießigkeit, ist aber selbst frisch. Wir haben dabei auch keine reinen Boulevardschauspieler, sondern hochkarätige Darsteller. Wir könnten das Stück genau so gut am Staatsschauspiel Dresden aufführen. Es trägt eine Gesellschaftssatire in sich, ist ein künstlerisches Produkt, nicht nur ein kunsthandwerkliches.

Wo liegt der Unterschied zu den Boulevardschauspielern?

Macht jemand sein Leben lang nur Boulevard und hat sich vom Stadt- oder Staatstheater verabschiedet, ist es ähnlich wie bei jemandem, der nur noch in seichten Vorabendserien oder in Heimatfilmen mitspielt. Irgendwann droht dann, und das ist sehr menschlich, eine Form von Selbstverliebtheit, Selbstgerechtigkeit. Man ertappt die Künstler dabei, dass sie glauben, die Leute kommen nur noch, um sie zu sehen, nicht mehr wegen des Stücks. Deshalb werben Boulevardtheater in der Regel mit den Namen und nicht mit den Inhalten.

Sie haben mit Kurt Krömer und Markus Maria Profitlich gearbeitet. Helfen oder behindern solche Erfahrungen bei der Inszenierung?

Timing, Präzision, die Art, einen Gag zu erzählen sind ähnlich wie im Fernsehen. Ich mach das wahrscheinlich rasanter, eben weil ich ein Fernsehmensch bin.

Premiere morgen, 20 Uhr, Karten unter Tel. 0351/86 64 10

www.comoedie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.11.2011

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