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Bonnie Tyler bringt mit ihren Hits den Schlachthof zum Beben

Greatest Hits-Tour Bonnie Tyler bringt mit ihren Hits den Schlachthof zum Beben

Da ist sie wieder. DieReibeisenstimme, wie wir sie schon seit den 1970-er Jahren kennen und wie sie mit konstanter Regelmäßigkeit bis heute immer wieder aus dem Äther schallt. Im Alten Schlachthof bewies Bonnie Tyler auf ihrer Greatest Hits-Tour, dass sie zurecht als „walisische Rockröhre“ bezeichnet wird.

Bonnie Tyler machte ihrem Ruf als „walisische Rockröhre“ im Alten Schlachthof in Dresden alle Ehre.
 

Quelle: Andreas Weihs

Dresden.  Da ist sie wieder. Die vermeintlich von Whiskey und Zigaretten – in Wahrheit aber „nur“ durch eine verschleppte Genesung nach einer Stimmband-Operation – aufgeraute Reibeisenstimme, wie wir sie schon seit den 1970-er Jahren kennen und wie sie mit konstanter Regelmäßigkeit bis heute immer wieder aus dem Äther schallt. Die Sängerin, der diese einzigartige Stimme gehört, wirkt wie ein ewiger Jungbrunnen, besonders agil natürlich auf der Bühne. Sie trägt seit Ewigkeiten eine blonde Mähne, die mal gelockt war und heute glatt ist, Lederklamotten und einen langen schwarzen Umhang. Im Alten Schlachthof bewies Bonnie Tyler auf ihrer Greatest Hits-Tour, dass sie zurecht als „walisische Rockröhre“ bezeichnet wird und machte dem alle Ehre.

Da ist sie wieder. Die vermeintlich von Whiskey und Zigaretten aufgeraute Reibeisenstimme, wie wir sie schon seit den 1970-er Jahren kennen und wie sie mit konstanter Regelmäßigkeit bis heute immer wieder aus dem Äther schallt.

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Dabei war es wirklich nicht schwer, das Publikum in den Party-Modus zu bringen. Schon der Opener „Have You Ever Seen The Rain“ brachte Stimmung ins Haus, kein Wunder, handelt es sich doch um einen bis heute zeitlosen Hit, dessen eingängige Melodie wohl jedem immer noch im Ohr klingt. Dann wird etwas gesammelt, bevor es mit dem Bee-Gees-Cover „To Love Somebody“ gehörig rockt und „Lost In France“, ihr erster Riesenhit von 1977, zu hören ist. Hier bleibt die Stimmungsbremse im Publikum nur noch halb angezogen, die ersten Fans stehen auf, singen und klatschen mit. Die Mitmach-Bremse löst sich vollends, als die Sängerin „It’s A Heartache“ anstimmt. Da gibt es kein Halten mehr, der ganze Saal steht und grölt gemeinsam mit der Rockröhre auf der Bühne den bekannten Refrain.

Die Tyler ist gut bei Stimme, sie ächzt und kracht, klingt kratzig schön und so, als hätte man ihr eben noch mit grobem Schmirgelpapier die Stimmbänder geputzt und überall ein paar Kanten hinterlassen. Auf diesem unebenen, holprigen Weg wollen die Töne nach außen. Was ankommt, ist purer Rock’n’Roll. Die 65-Jährige ist gut gelaunt, plaudert viel zwischen den Liedern, lacht und scherzt sich durch ihr Programm. Zu hören sind viele frühe Erfolge, Hits, die man leicht mitsingen kann, der Bogen spannt sich aber bis hin zum immer noch aktuellen Album „Rocks & Honey“ von 2013. Die Fans im Saal lassen sich begeistern und gern mitnehmen auf diese Reise, die die Vergangenheit mit der Gegenwart, mit der Moderne, verbindet. Bei Dieter Bohlen allerdings scheiden sich die Geister. Das spürt auch die Tyler, als doch einmal ein Buh-Ruf an ihr Ohr dringt, stellt aber sofort klar: Ich mag Dieter Bohlen. Schließlich schrieb er ihr „Bitterblue“ auf den Leib und sorgte damit für einen passablen Hit im Jahr 1991.

Die gesanglichen Stärken der Bonnie Tyler liegen zweifelsfrei in den Balladen. Hier kommt das Rauchige in ihrer Stimme voll zur Geltung. Besonders schön passt das zusammen bei den epischen Werken von Jim Steinman, der auch schon Meat Loaf zu Hit-Ehren schrieb. Die Songs wie „Holding Out For A Hero“ und vor allem „Total Eclipse of the Heart” sind wie kleine Rockopern und erzählen Geschichten. Fulminant arrangiert kommt auch „Faster Than The Speed Of Night“, angereichert mit einem treibenden Klavierlauf von John Young, sowie einem überschäumenden, jaulenden Gitarren-Solo aus den gelenkigen Fingern von Matt Prior. Natürlich stellt sie auch Ed Poole am Bass und Alex Toff am Schlagzeug gebührend vor, die hart für den erdigen, energetischen Sound arbeiten. Für sich selbst bedient sich die Sängerin eher im Understatement. Als alle Musiker genannt sind, heißt es nur noch: „My name is Bonnie Tyler.“

Obwohl das Programm mehr eine Reise in die Vergangenheit ist, zurück in die Hochzeit des Pop der Siebziger und Achtziger, kommt keine Nostalgie auf. Dafür wurden die Songs viel zu sehr in das Heute transponiert, total entstaubt und aufpoliert. Nicht zuletzt eine Leistung der vier Musiker, die schon viele Jahre an der Seite der Waliserin stehen.

Die Zugaben stehen ganz im Zeichen der Wurzeln von Bonnie Tyler. Im Janis-Joplin-Cover „Turtle Blues“ läuft Gitarrist Prior zur Höchstform auf, spielt sein Instrument hinter dem Kopf und zupft die Saiten mit seinen Zähnen. Zu Ike & Tina Turners „River Deep, Mountain High“ hat sie schon als Kind mit der Kleiderbürste vor dem Spiegel geübt und „Simply The Best“, einst für sie geschrieben und kommerziell gefloppt, wurde nur zwei Jahre danach zum Riesenhit für Tina Turner. Manchmal klappt’s halt nicht und Pech hat man auch noch. Die Tyler sieht das aber nicht so verbissen, kann darüber nur lächeln.

Denn auch sie hat eine beispiellose Karriere hingelegt und konnte am vorgestrigen Abend mit dem Auftritt im Schlachthof vollends überzeugen.

Von Andreas Weihs

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