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Bonfire Night in Dresden: Die Deutsch-Britische Gesellschaft

Bonfire Night in Dresden: Die Deutsch-Britische Gesellschaft

Zündeleien am nationalen Regierungsgebäude sind in Deutschland eher ein Thema für Geschichtsstunden im Guido-Knopp-Duktus. In England suggeriert der Umgang mit derlei Themen eine etwas kathartischere Herangehensweise, denn den ans Datum des 5. November 1605 gemahnenden Vers "Remember, remember, the fifth of November" kennt dort jedes Kind.

Man kommt in der Regel alljährlich an diesem Tag in den Abendstunden zusammen, trägt (nicht erst seitdem es die Occupy-Wall-Street-Bewegung medienwirksam praktiziert hat) die Maske mit den spitzbübischen Gesichtszügen des legendären Attentäters und Verschwörers Guy Fawkes, um die erfolgreiche Vereitelung von dessen Missetat zu feiern und die Bedrohung gleich noch einmal nachhaltig zu exorzieren - die Verbrennung von Fawkes-Puppen bildet den Höhepunkt der "Bonfire Night". Einen Hauch von diesem Spektakel dürfen nun auch die Dresdner erfahren, wenn die Deutsch-Britische Gesellschaft Dresden e.V. sich am kommenden Dienstag ab 18:30 Uhr an der Lagerfeuerstelle Drachenschänke trifft, um mit Glühwein und Feuerwerk die historische Schwarzpulver-Kabale ans Elbufer zu bringen.

Zugleich dürfte sich dabei eine gute Gelegenheit bieten, Kontakte zur anglophilen Szene Dresdens zu knüpfen - Erfahrungen aus dem Vorjahr belegten laut Anna-Maria Gramatté, der Vorstandsvorsitzenden des Vereins, dass gerade die jährliche "Bonfire Night" einige in Dresden ansässige Briten mit Heimweh anlockt, die ihr Brauchtum vermissen oder sich gern bei einer Tasse Tee auf Englisch unterhalten wollen. Seit mittlerweile vier Jahren bietet der Dresdner Verein allen an der britischen Kultur Interessierten Gelegenheit zum Austausch, u.a. stehen Exkursionen zum Colditzer Schloss, zur britischen Botschaft in Berlin sowie Konzerte auf dem Programm.

Die Tradition einer Deutsch-Britischen Gesellschaft datiert aus den Nachkriegsjahren, als in der alten Bundesrepublik zum Zwecke der Aussöhnung zwischen den vormaligen Kriegsgegnern eine der Verständigung zwischen Deutschland und Großbritannien verpflichtete Initiative mit regionalen Niederlassungen ins Leben gerufen wurde, die im Lauf der kommenden Jahrzehnte u.a. zu Tagungen lud und Verständnis für Leben und Kultur im jeweils anderen Land förderte. Die überregionale Struktur des Vereins wurde zwar später aufgegeben, doch zugleich gründeten sich die regionalen Untergruppen neu, und auf Initiative des Dresdner Anglisten Michael Müller entstand auch in Dresden ein eigenständiger Verein, der seit 2009 den gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Austausch zwischen Großbritannien und Deutschland in den Mittelpunkt rückt. Dabei widmet sich die Deutsch-Britische Gesellschaft Dresden nicht allein der v.a. im Umkreis der Frauenkirche betriebenen, für Dresden so wichtigen Versöhnungsarbeit mit der Partnerstadt Coventry, sondern versteht ihre Tätigkeit auch in die Zukunft gerichtet und am tagesaktuellen Geschehen orientiert. So unterstützt der Verein in ideeller und materieller Form Veranstaltungen, die zwischen den Kulturen vermitteln, war u.a. im Rahmen der diesjährigen Musikfestspiele mit ihrem Empire-Schwerpunkt präsent, förderte die Doppelausstellung "ENGLANDIA" von John Yeadon (Coventry) und "Tanzt!" von Jean Kirsten (Dresden) in der JohannStadt Halle und hat Tagungen am Institut für Anglistik und Amerikanistik der TU Dresden unterstützt. Ein langfristiges Projekt besteht in der Erarbeitung einer interaktiven Dresden-Karte, die einen möglichst vollständigen Überblick über die historischen britischen Spuren in Dresden liefern wird - wer weiß schon noch vom 1874 gegründeten "Dresden English Football Club", dem ersten eingetragenen Fußballverein in Deutschland?

Bei der Deutsch-Britischen Gesellschaft Dresden freut man sich im Übrigen über jeden interessierten Besucher. Im Rahmen der öffentlichen Treffen, die in der Regel am ersten Mittwoch jedes Monats im Café "England, England" in der Martin-Luther-Straße stattfinden, wird stets ein britischer Themenschwerpunkt ausgerufen, der vom traditionellen Pub Quiz bis zur Diskussion tagespolitischer Fragen reichen kann. Nicht jedes Mal landet am Schluss ein historischer Staatsfeind auf dem Scheiterhaufen, aber dabei sein lohnt sich in jedem Fall.

http://www.dbg-dresden.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.11.2013

Wieland Schwanebeck

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