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Blinde erkunden die Körperwelten-Ausstellung in Dresden

Blinde erkunden die Körperwelten-Ausstellung in Dresden

Die Dresdner Körperwelten-Ausstellung hatte am Donnerstagabend außergewöhnlichen Besuch. Eine Gruppe von blinden und sehbehinderten Dresdnern durfte die Körper-Schau erkunden.

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Anfassen ausdrücklich erlaubt.

Quelle: Stephan Lohse

Und was sonst streng verboten ist, wurde hier möglich: Anfassen war ausdrücklich erlaubt.   Eine normale Führung durch die Schau mit plastinierten menschlichen Körpern gab es nicht. Die Führung der zehn Teilnehmer kam über den zweiten Raum nicht heraus. Dort allerdings erlebten die Besucher eine ganz andere und extrem intensive zweistündige Reise. Geführt von den zwei Medizinstudenten Lev Grinstein und Sophie Lengming tasteten sich die Dresdner anhand von echt menschlichen Körperteilen einmal durch den menschlichen Körper.   So erklärte Sophie Lengming den Besuchern die verschiedenen inneren Organe und deren Funktion - an echten plastinierten Organen. Erst schüchtern, dann immer mutiger griffen die Besucher zu, ertasteten den plastinierten Torso, erfühlten Lunge, Leber oder Magen. "Ganz schön schwer so ein Gehirn", meint ein staunender Teilnehmer. "Willst du schon mal das Herz haben?", geht eine Frage quer über den Tisch, auf dem die Organe drapiert liegen.  

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Einblicke in die restliche Körperwelten-Schau

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Ihr Kommilitone Lev Grindstein widmete sich derweil den menschlichen Knochen, ebenfalls an einem echten Skelett. "Es kann nichts passieren, die Präparate gehen nicht kaputt", versucht der Student im siebenten Semester den Besuchern die Scheu zu nehmen. Er und seine Mit-Studentin erklärten je eine Stunde lang die verschiedenen Eigenheiten des menschlichen Körpers. "Es ist ganz anders", beschreibt er den Unterschied zu normalen Führungen, die beide ebenso anbieten. Man müsse weniger Details erklären - die erfühlen die Besucher selbst, dafür müsse er viel beschreiben, um den Teilnehmern der Führung das zu schildern, was andere Besucher mit ihren Augen wahrnehmen. Die sind an diesem Abend schon gegangen. Die blinden Besucher haben den Raum ganz für sich. Im Rest des Hauses ist nach 18 Uhr bereits Ruhe eingekehrt.   So drückt Grinstein seinen Besuchern immer wieder echte Knochen in die Hand, erklärt anschaulich und interessant, welcher Knochen welche Eigenheit hat, lässt Nasennebenhöhlen oder Fußgelenke ertasten, die sonst gut bewacht hinter Glas liegen. Ein echtes Skelett, das an einer Strickleiter drapiert ist, wird ausführlich erkundet. "Wie Gummi fühlt es sich an", meint eine Teilnehmerin, "irgendwie putzig".   Tatsächlich ist die Wahrnehmung eine andere. So können die Besucher die Struktur und die Oberfläche des Herzens genau erfühlen, spüren die "schwammige" Lunge und wie sich die Struktur einer aufgeschnittenen Körperscheibe anfühlt. Zudem stellen die neugierigen Dresdner viele Fragen, die von den beiden Medizinstudenten ausführlich und anschaulich beantwortet werden. "Es ist sehr interessant", lobt die 32 Jahre alte Simone Helm. "Ich finde es besonders gut, dass wir auch Fragen stellen können."   "Es kostet erst ein wenig Überwindung", beschrieb Irmgard Henkel ihre Gefühle. Die 52-Jährige sieht nur noch hell und dunkel. Umso spannender war es für sie und die anderen, das zu ertasten, was Sehende mit ihren Augen wahrnehmen. "Das ist einmalig", freute sie sich über den Besuch, den die Körperwelten-Macher zusammen mit dem Dresdner Blindenverband organisiert hatten.

Die Körperwelten-Ausstellung in der Dresdner Zeitenströmung verzeichnete bisher rund 95.000 Bescher, teilten die Veranstalter mit. "Man merkt, dass auch in Dresden und Umgebung das Thema Körperwelten de breite Masse der Bevölkerung bewegt und anspricht", so Sprecher Daniel Niedrich. Die Schau läuft noch bis zum 4. Mai.

Stephan Lohse

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