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Blickesammler: Der Dresdner Fotograf Matthias Naumann

Blickesammler: Der Dresdner Fotograf Matthias Naumann

Matthias Naumann, Sozialarbeiter, Globetrotter, Bluesmusiker und ebenso leidenschaftlicher Fotograf, begleitet mit der Kamera seit fünf Jahren die Interkulturellen Tage, die der Ausländerrat Dresden jährlich Ende September in Absprache mit der Landeshauptstadt organisiert.

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Eines von Naumanns Porträts auf den Interkulturellen Tagen.

Quelle: Matthias Naumann

Sie sind ein Festival, das mit bunten Farben, Gesichtern und Tempera- menten beispielsweise mit seinem Straßenfest unübersehbar in die Stadt hineinwirkt und einem wachen Fotografen geradezu unerschöpfliche Motive liefert.

Naumann ist dabei in ständiger Bereitschaft. Die persönliche Sicht, mit der er sich seinem jeweiligen Gegenüber zuwendet, zieht auch den Betrachter mit ins Geschehen. Er schaut den Akteuren gern direkt ins Gesicht und provoziert damit unmittelbaren Blickkontakt. Ruft, während ihres fortgesetzten Spielens, Tanzens oder Musizierens ein kleines, besonderes Lächeln hervor, dass es unmöglich macht, sich dem intensiven Blickkontakt zu entziehen, den ein Trommler zu ihm, und durch die Linse auch zum Betrachter, aufgenommen hat. Die Hände trommeln weiter - doch nun scheinbar nur für uns.

In Augenblicken, in denen die Porträtierten wohl spüren, dass sie aufgenommen werden, aus ihrer Rolle jedoch nicht herausschlüpfen können oder wollen, kann sich in Sekundenschnelle ein Spiel wie ein Flirten entfalten, mit dem die Akteure ihre Kunst intuitiv an den richten, der sie mit augenscheinlicher Aufmerksamkeit verfolgt: So fixiert Naumann den Blick einer Tänzerin, den sie mit einem Auge nur durch die geöffneten, lockenden Hände wirft, der die Betrachter dennoch magisch berührt. Ähnlich die Wirkung der Bauchtänzerin, die, ganz in sich selbst versunken, doch der Kraft und der Anmut ihrer überaus weiblichen Bewegungen absolut sicher ist.

An anderer Stelle hält sich Naumann zurück, fängt Atmosphäre ein, um den Ablauf nicht zu stören. Vor einer Bühne nutzt er auch geschickte Zooms, die eine Nähe suggerieren, die man sonst per Distanz nicht hat. Prominenten, wie Siiri Sisak, der engagierten estnischen Sängerin, oder Déchén Shak-Dagsay, der Schweizer Mantra-Sängerin tibetischer Herkunft, widmet er die gleiche Aufmerksamkeit, wie einem kleinen Ballettmädchen in seiner Gruppe: Als stünden wir in der Bühnengasse, um ihr persönlich die Daumen für den Auftritt zu drücken, schaut sie sich um, sich ihrer eigenen Bedeutung für das Stück durch unser Nicken noch einmal zu vergewissern. Oder den Fußball-Jungs, deren lebhaftes Spiel ganz in der Gruppendynamik aufgeht, deren Schatten aber wiederum jeden einzelnen Spieler in seiner Position unterstreicht und deren Bild dennoch nicht auseinander fällt, sondern sich um den nicht sichtbaren Ball konzentriert, äußerlich eingefangen durch die Spielfeldumgrenzung.

Fast scheint es, als verzichte der Fotograf auf Farbe, je intensiver er sich auf die Dargestellten einlässt. Das heißt, da er digital arbeitet, tilgt er die Farben wissentlich aus den Aufnahmen, zugunsten der Konzentration auf die Züge der Porträtierten. Er stellt ihre Köpfe oder Figuren nicht frei, wie es im Atelier oft geschieht, sondern lässt den Zauber des Ambientes, das Lebendigkeit und Bewegung vermittelt, mehr oder weniger scharf als Hintergrundkulisse wirken. Farbe in seinen Bildern unterstreicht hingegen die Exotik von Kostümen, freudvolle Festtagslaune oder die schillernde Atmosphäre stimmungsvoll beleuchteter Events.

In einem Fall aber hebt er das Geschehen durch die Zartheit, ja, Transparenz der Farben entsprechend der unverbrauchten, klar gezeichneten, von Tanzkronen umrahmten Kindergesichter, geradezu ins Surreale. Solch eigentümliche Situationen in ihrer Schön- heit, die hier fast beklemmend wirkt, vor allem aber in ihrer unverstellten Authentizität bewusst zu machen, ist die Stärke von Matthias Naumanns Fotoarbeiten.

In einem Statement bekennt er: "Mich interessieren die Beziehungen zwischen den Menschen genauso wie individuelle Seelenzustände und die Erotik eines Körpers genauso wie dessen Zeichnung durch das Altern. Vor meinen Modellen habe ich viel zu viel Respekt, um sie billig und oberflächlich abzulichten." Die Würde und die Einmaligkeit all der Personen, auf die er aufmerksam macht, lässt dabei die Frage vergessen, wo nach einer gelungenen Aufnahme die fototechnische Arbeit, die Nacharbeit am Material beginnt. Denn Fotografie ist die Kunst, mehr zu zeigen, als man sieht.

Bis 19.9. Internationales Begegnungszentrum, Heinrich-Zille-Str. 6. Mo, Di u Do 14-18 Uhr. Nächste Interkulturelle Tage Dresden 21.9. bis 5.10.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.08.2014

Jördis Lademann

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