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Billy the Kid, Pop-Ikone, Cyberpunk und Altrocker - Billy Idol gastiert morgen in der Jungen Garde

Billy the Kid, Pop-Ikone, Cyberpunk und Altrocker - Billy Idol gastiert morgen in der Jungen Garde

Der Videoclip zu "White Wedding" ist gut dreißig Jahre alt. Gerne schmunzelt man heute darüber oder hat die dazugehörigen Schlüsselmotive als ikonografisches Konzentrat der Popmusik der 1980er Jahre abgespeichert.

Der Billy Idol auf den Postern in den Teenager-Zimmern war Zeit seiner großen Hits immer ein Angebeteter, in den Plattenschränken der Kritiker, die sich über wichtige musikalische Einflüsse den Kopf zerbrechen, spielt(e) er kaum eine Rolle. Das wiederum hat etwas mit dem Impuls Idols zu tun, das zu machen, was er macht, und vor allem mit der Kunstfigur Billy Idol, die er erschuf. Hinter dieser steckt eine Geschichte, die zum einen typisch scheinen mag für einen Rockstar besagten Jahrzehnts und doch spätestens auf den zweiten Blick hochinteressant und durchaus ambivalent ist, wenn man sich dafür interessiert, wie Pop funktioniert beziehungsweise funktioniert hat. Auch, weil die Geschichte gar nicht musterhaft beginnt.

Billy, der eigentlich William Michael Albert Broad heißt und am 30. November 1955 in eine englische Vorstadt-Idylle hineingeboren wird, bekommt in der Schule "Trägheit" (träge englisch: idle) bescheinigt - und leitet daraus später in einem Wortspiel mit dem gleichklingenden Wort "idol" seinen Künstlernamen ab. Weniger träge ist er mit der Szene um Siouxsie And The Banshees und den Sex Pistols unterwegs.

Der Knackpunkt: Style und grobe Attitüde der Punkbands durchdringen Idol, doch die musikalische und inhaltliche Radikalität hinterlassen keine zu tiefen Spuren, denn Billys musikalisches Herz schlägt auch für Glamrock und nicht zuletzt für Sixties-Pop. Und obwohl Idol über viele Jahre und alle Maßen wild in der Agenda "Sex, Drugs & Rock'n'Roll" badet, ist es genau dieser Zwiespalt, der das, wofür Billy Idol heute steht, grundsätzlich prägte.

Schon als der hübsche Billy Ende der 1970er mit Generation X seine erste richtige Band gründete, war klar: Die Prämissen sind eigentlich catchy Popsongs und sexy Attitüde, Punk lediglich ein Vehikel - der freche Mittelfinger, die Nietengürtel, die Frisuren, der Takt beziehungsweise das eine oder andere Arrangement, ein Kokettieren mit dem Untergrund, nützlicher Formalismus. Ernsthafte Berührungsängste mit synthetischem Schmachtwerk hatte er nicht, wie gut die Hälfte seiner ausgesprochen ohrwurmigen Greatest-Hits-Sammlungen beweist - "Eyes without a face", "Sweet Sixteen" und andere.

Die Kunstfigur Billy Idol, Anfang der 1980er Jahre in New York angekommen, ist dort, wo die Videomotivik etwa von "Rebel Yell" und "Flesh for fantasy" kulminiert, das Abziehbild eines Sexgott-Punkrockers aus einem Hollywood-Comic, mit geballter Faust, kraus gezogener Lippe und irrem Hüftschwung. Lustig war das für Idol selbst zunehmend nicht mehr: Vier Hit-Alben, eine irre Drogenkarriere und ein Motorradunfall, seltsame Cameos in Filmen, das aus dem Rahmen fallende Album "Cyberpunk" (1993), das geradezu schon befremdlich unsynthetisch rockende Comeback-Album "Devil's Playground" (2005) und das hochgradig bizarre Weihnachtsalbum "Happy Holidays". Doch dazwischen und danach: eifriges Touren, gute Shows, eine gute Portion Selbstironie und keine Verleugnung von nicht mehr ganz so zeitlosen Songperlen.

In der Garde wird Idol morgen seiner fünfköpfigen Band auftreten, mit dabei natürlich auch: Gitarrist Steve Stevens.

morgen, 20 Uhr, Junge Garde; Tickets gibt es für 55,50 Euro im VV. und an der AK.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.07.2014

Niklas Sommer

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