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Bildschriftbilder von Heinz Ferbert und Porzellanskulpturen von Renate Pozo in der Galerie Felix

Bildschriftbilder von Heinz Ferbert und Porzellanskulpturen von Renate Pozo in der Galerie Felix

Betritt man die Ausstellungsräume der Loschwitzer Galerie Felix, so teilt sich von der Kalligrafie Heinz Ferberts ausgehend ein durchgehender Schwung mit, der sich auf die Skulpturen der polyglotten und weitgereisten Keramikerin Renate Pozo harmonisch überträgt.

Diese Stimmung lädt zum Betrachten ein: Das Auge wird angeregt und beruhigt zugleich. Der Raum wird zum Motor der Meditation. Für Ferbert begann die Beschäftigung mit chinesischer Kalligrafie auf einer Reise in die USA im Jahr 1996. In Chinatown (New York City) kaufte er zwei chinesische Zeitungen, deren Schriftbild ihn von Anfang an faszinierte. Studien folgten, alte chinesische Schrift-und Sinnzeichen wurden notiert. Ferbert lernte die chinesische Sprache, auch das Sprechen. Seit 2003 wurde die chinesische Schrift zum Zentrum der künstlerischen Arbeit in der Aquatinta und Mischtechnik sowie in einer Kombination aus Grafik und Malerei. Nun zeigt Lieselotte Sanoja Ferberts kalligrafische Exkurse und Träume gemeinsam mit Porzellanskulpturen der deutsch-venezolanischen Künstlerin Renate Pozo.

Heinz Ferbert aus dem Ort Wantewitz bei Coswig wagt sich auf ein bereits intensiv bearbeitetes Terrain. Chinesische Kalligrafie in der europäischen Kunst ist an sich keine Neuheit, besonders im Barock, dem Zeitalter der Chinoiserie. Aber auch deren Einfluss auf van Gogh und Gauguin und schließlich die abstrakten Expressionisten ist hier zu nennen. Ferbert benutzt die Überlieferung und konfrontiert sie mit einer uralten europäischen Technik, der Aquatinta-Radierung. Die Radierung (hier mit einer kleinen Bohrmaschine spiegelverkehrt in die Metallplatte gebracht) schließt ein spontanes, schnelles, aber auch meditatives Ergebnis aus, anders als der aus der Dynamik der Bewegung kommende Pinselschwung der Chinesen, der aus der Hand direkt ins Bewusstsein dringt.

Ferbert erfindet neu, vertieft seine Schwarz-Weiß-Drucke und Rot-Schwarz-Drucke mit altchinesischen Schriftzeichen, in denen bereits Figurales angelegt oder wenigstens angedeutet wird (Vogel, Katze, Hund, Rhinozeros und Pferd). Ferbert betont den Bildcharakter, die ästhetische Seite der chinesischen Schrift ("die Originalität der Linien, Formen, Strukturen-ihre Anordnungen auf der Fläche"). Ihn reizen dabei aber auch der Ausdruck einer Lebenshaltung, der kulturelle Kosmos, der im Schreiben von Zeichen Magie und Philosophie zusammengefasst und von Ferbert aus Faszination umgedacht wird. Über die angedeutete, fast abstrakte Figur im Kanon der altchinesischen Zeichen schlägt Ferbert eine Brücke zur europäischen Kunst und vertieft ihre angedeutete Gegenständlichkeit zum Piktogramm. Die Beifügung von Sanden in seine Grafik und Malerei, die Ferbert aus allen Erdteilen zusammengetragen hat, ist ein Verweis auf das Vanitas-Motiv ("gleichsam in den Sand geschrieben"), das er "außerdem als Sinnbild für die schnelle Erreichbarkeit und Austauschbarkeit aller Orte weltweit, für die Globalisierung und deren Folgen" versteht (H.F.).

Lieselotte Sanoja kennt die Künstlerin Renate Pozo seit über 30 Jahren. In ihrer Galerie in Caracas stellte sie bereits erstmals 1984 aus, dann folgten weitere Ausstellungen mit Keramik, darunter Arbeiten mit Raku und Glas, jüngst aber Porzellan. 2002 verließ sie das Land nach Teneriffa und 2009 ging die Künstlerin nach Frankreich (Cannes), wo sie sich inzwischen wohlfühlt und ein schönes geräumiges Atelier besitzt. Die in der Ausstellung zum Teil in Vitrinen präsentierten Porzellanskulpturen haben eine ganz eigene, fast transzendente Aura. Immer kehrt dabei die geschwungene Form des japanischen Tempeldaches wieder, aber auch die abakusähnlichen Aufreihungen von sternförmigen Scheiben aus Porzellan. Aufgesockelt auf schwarzgebrannten Ton, als Schlaufenformen ineinander verwickelt oder turmartig aufgebaut, manchmal auch zart mit blauer Farbe bemalt, leben die Skulpturen durch ihren stark in sich gekehrten Ausdruck, ruhig und fest, aber nicht unsensibel.

In ihren jüngsten Arbeiten, bei denen sie vorwiegend Porzellan als Material verwendet, wird der Bezug zur japanischen Kultur und Kunst besonders deutlich: Auch ihre Arbeiten tragen Titel, in denen es um Traum und Meditation geht und die einen philosophischen Hintergrund nicht verleugnen. Eine besondere Serie ist die dreiteilige Assemblage "Au fil du temps" (Im Wandel der Zeiten), in der sie dem Geheimnis des Lebens in der Zeit auf der Spur ist, das sie in ihrem eigenen Leben zu ergründen sucht: Eingeschreint in Metalleinfassungen reihen sich Porzellanblättchen wie Zähne aneinander und erinnern an eine Art Kalender vorzeitlicher Kulturen.

bis 31. Mai, Galerie Felix, Pillnitzer Landstraße 7, geöffnet Di-Fr 15-18, Sa/So 11-13 Uhr, Kontakt: 0351/ 32 25 57 27, 0160 215 68 42

www.galerie-felix.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2015

Heinz Weißflog

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