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Bilder einer Familie - der Loschwitzer Künstlerfamilie Hofmann - sind in der Feuerwache ausgestellt

Bilder einer Familie - der Loschwitzer Künstlerfamilie Hofmann - sind in der Feuerwache ausgestellt

Der Vorstandsvorsitzenden des Vereins Alte Feuerwache Loschwitz e.V. Gabriele Schluttig ist die Idee für eine Ausstellung über die Künstlerfamilie Hofmann zu danken, die, seit vielen Jahren im Künstlerhaus lebend und arbeitend, das kulturelle Leben von Loschwitz bis heute mitbestimmt.

Aus Anlass des 700-jährigen Bestehens des Ortsteils am Blauen Wunder in diesem Jahr findet eine Ausstellung mit Bildern der fünf namhaften Künstler in der Alten Feuerwache statt.

Gabriele Schluttig lernte die Hofmanns im Künstlerhaus bei Aktzeichenkursen kennen und machte besonders in der vereinseigenen, offenen Lithowerkstatt beim Drucken mit Peter, dem Jüngsten der Familie, Bekanntschaft. Nach Absprache mit dem "Ältesten", Veit Hofmann, fanden verschiedene Atelierbesuche statt. Der Galeriebeirat engagierte sich für das Projekt und kuratierte die Ausstellung, die einen Überblick über das Schaffen von Werner, Veit, Jan, Peter und Paul Hofmann gibt, darunter Collagen, Zeichnungen und Objekte über den Zeitraum von 1926 bis heute.

Veit Hofmann erklärte in einem Statement die Rolle der Kunst in seiner Familie: "Unsere Familie ist über drei Generationen durch den Geist der Kunst miteinander verbunden. Das Bedürfnis nach schöpferischer Tätigkeit und geistiger Freiheit ist uns immanent. Wir leisten uns die daraus folgenden materiellen Unsicherheiten. Da gibt es die sieben mageren und die sieben fetten Jahre... Unsere zwei Söhne sind nicht nur meine Kinder, sondern auch meine Künstlerfreunde. Als freier Künstler trägt man ein geheimes Wissen weiter, welches sich mit ratonalem Verstand nicht erklären lässt..."

Der Großvater

Werner Hofmann (1907-1983) arbeitete zunächst nach dem Akademiestudium als Gebrauchsgrafiker für seinen Lebensunterhalt. Als Künstler machte er erst nach dem Krieg von sich reden. Politisch war er zuvor in der Künstlervereinigung ASSO (1929-32) tätig und musste 1937 Hausdurchsuchungen durch die SA über sich ergehen lassen. Im Krieg verfasste er als Soldat 60 aufwendig illustrierte Briefe an die Familie, die sich im Militärhistorischen Museum Dresden befinden. Seit 1936 wohnte er mit seiner Familie im Künstlerhaus Loschwitz.

1949-52 war er Dozent an der Hochschule für Werkkunst Dresden und gründete in dieser Zeit mit Otto Griebel die ABF, deren erster Direktor er bis 1954 war. Werner Hofmann ist in der Ausstellung mit Farbzeichnungen (1926-1980) vertreten, die von einer skurrilen Komik geprägt sind: Neben Figürlichem (einem Kopf, der mit einem Baum verwachsen scheint, oder dem sitzenden alten Mann mit Stock) wurden auch abstrakt-geometrische Themen behandelt. Farbige Wortspiele drehen sich um den Begriff des Fruchtbarkeitsgottes "Pan".

Der Vater

Veit Hofmann (geb. 1944 im Künstlerhaus) nahm in seiner Kunst eine geradlinige, kompromisslose Entwicklung. Von 1967 bis 1972 studierte er bei den Professoren Gerhard Kettner und Herbert Kunze an der HfBK Dresden. In den 70er Jahren gehörte Veit Hofmann zu den DDR-Avantgardisten und arbeitete besonders zum Thema "Tanz" gemeinsam mit Helge Leiberg (er war zur Vernissage extra aus Berlin angereist). Bekannt geworden ist er in dieser Zeit auch durch seine Möbelobjekte, Buchobjekte und Editionen, vor allem aber mit seinen Rauminstallationen.

Nach der Wende richtete er sich ein Atelierhaus im ungarischen Pannonhalma ein, wohin die ganze Familie jedes Jahr im Sommer fährt. In der Ausstellung zeigt Veit Hofmann neben seinen für ihn typischen Collagen auch großformatige Holzschnitte zum Thema "Marsmensch" (1998), "Metamorphosen" (2002), "Gorgogne" und "Seraphim".

Der Onkel

Der Bruder von Veit, Jan Hofmann, wurde 1950 im Alten Fährhaus in Loschwitz geboren und studierte an der HfBK Dresden Theatermalerei, arbeitete danach an den Bühnen von Erfurt, Weimar und Gera als Theatermaler. Sein Lebenswerk besteht in der Einrichtung eines Puppentheaters in Gera. Seit 2000 richtete er mehrere Ausstellungen in Dresden, Jena, Gera und Berlin mit Ausstattungen für "Menschentheater", Ballett und Oper aus. 2001 führte er seine erste Oper mit Marionetten auf (Händels "Aci, Galatea und Polifermo"), 2004 eine Gliederpuppenaufführung "Der Freischütz" von Weber. In der Ausstellung sind neben dem Pferd aus "Riquet und Mirabelle" eine Seiltänzer-Marionette und das Bühnenmodell zu "Zar Saltan" von Puschkin zu sehen.

Die Söhne Peter und Paul

Paul Hofmann (geb. 1975 in Dresden, Kindheit im Künstlerhaus) und Peter Hofmann (geb. 1978) erlebten das vielfältige Künstlerleben im Haushalt der Künstlerfamilie hautnah mit all seinen Verführungen und Reizen: "Ich hatte alle Freiheiten, und das war wunderbar! Wer hat beispielsweise schon Gelegenheit, als sieben- oder achtjähriger Dreikäsehoch vor einem bezaubernden Aktmodell Platz zu nehmen und zu zeichnen", schreibt Peter Hofmann. Paul Hofmann, er studierte 1999-2005 bei Prof. Max Uhlig und Prof. Lutz Dammbeck an der HfBK, leistet sich jetzt eine Auszeit von der Kunst und absolviert seit 2013 eine Lehre als Winzer. Peter Hofmann studierte zur gleichen Zeit wie sein Bruder an Dresdens Kunsthochschule. Der immer aktive Künstler erweist sich mit seinen Arbeiten vor Ort auch als versierter Zeichner.

Im Statement von Veit Hofmann heißt es abschließend: "Die Zukunft wird entscheiden, ob unsere geistigen Kinder als Kunst Bestand haben. Vielleicht werden unsere Enkelkinder trotz der äußeren Schwierigkeiten, die sie schon kennen, unsere schöne Familientradition weiterführen."

Bis 28. Juni. Alte Feuerwache Loschwitz e.V., Fidelio-Finke-Str. 4, Tel. 0351/267 86 26 So-Do 12-18 Uhr und nach Vereinbarung. Am 21. Juni, 11 Uhr, gibt es ein Künstlergespräch zwischen Veit und Peter Hofmann.

www.feuerwache-loschwitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.06.2015

Heinz Weißflog

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