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Bigband nur aus Senioren

Bigband nur aus Senioren

Manchmal hat man einfach das richtige Bauchgefühl. So wie Herbert Martin vor fünf Jahren. "Ich dachte mir damals, dass es bestimmt noch mehr Menschen in Dresden gibt, die wie ich früher gern Musik gemacht haben.

Doch wie es so ist: Als Berufstätiger legt man das Instrument immer öfter beiseite. Liebäugelt zwar noch damit, spielt aber so gut wie kaum noch." 2007 beschloss Herbert Martin, sich einen langgehegten Traum zu erfüllen. Er rief die "Bigband 50 plus" ins Leben, in der seitdem Dresdner zusammenkommen, die auch im höheren Alter die Liebe zur Musik nicht verloren haben.

"Unser fester Kern besteht inzwischen aus 17 Leuten", sagt Martin. Im wirklichen Leben arbeitet er als Elektrotechniker an der TU Dresden, spielte früher außerdem leidenschaftlich Klavier. Seit einem Unfall kann er allerdings seine Finger nicht mehr schnell genug bewegen. "In der Bigband mitspielen kann ich aufgrund dieser Behinderung leider nicht, aber das hindert mich ja nicht, eine Bigband für andere zu organisieren", sagt Martin.

Die Truppe ist bunt besetzt. In der ersten Reihe sitzen traditionell die Saxofonisten, dahinter kommen Posaunen und Trompeten. Auch Schlagzeug, Kontrabass, Cello und Klavier machen den Klang der Band mit den rüstigen Musikanten aus. Als musikalischen Leiter konnte Herbert Martin einen echten Profi gewinnen. Denn Tomasz Skulski ist Diplom-Musiker, er machte seinen Abschluss an der Dresdner Musikhochschule. "Ich finde es sehr gut, dass Tomasz bei jeder Probe die Latte immer ein wenig höher legt. So behalten unsere Bandmitglieder ihren Anspruch."

Wer viel probt, will irgendwann auch zeigen, was er so drauf hat. Die "Bigband 50 plus" tritt deshalb regelmäßig öffentlich auf. "Wir gaben schon ein Konzert im Rahmen der Musikmesse im Ostragehege und spielen seit 2011 einmal jährlich auf dem Lingnerschloss", berichtet Martin stolz. "Für den Abend auf dem Lingnerschloss haben die Besucher nur für uns richtig Eintritt gezahlt. Und wir dürfen wiederkommen. Es scheint dem Publikum also gut gefallen zu haben."

Der größte Vorteil einer Bigband ist aus Sicht von Herbert Martin die Vielfalt. "Wir sind unheimlich flexibel", sagt er. So sei es zum Beispiel möglich, eigentlich untypische Instrumente für solch eine Gruppe, wie eine Querflöte, zu integrieren oder ein Cello kurzerhand zum Bass umzufunktionieren, indem man es zupft. Doch obwohl bei den Musikern der "Bigband 50 plus" die Freude an der Musik im Vordergrund steht, quälen Herbert Martin Nachwuchssorgen: "Wir suchen händeringend neue Trompeter. Unser letzter musste aufhören, weil er Probleme mit den Zähnen hatte." Wichtig sei, dass Interessierte nicht nur Noten lesen, sondern ihr Instrument auch einigermaßen gut spielen können. Vielleicht entdeckt so mancher betagter Dresdner über die Bigband sogar eine ganz neue Seite an sich selbst. So wie Renate Rosol. Die 75-Jährige ist eigentlich Klavierpädagogin, sorgt nun aber hinter dem Schlagzeug für lautere Töne. "Unsere Bandmitglieder wollen auch im hohen Alter fit bleiben", weiß Martin. "Und gemeinsames Musizieren macht in jedem Fall die grauen Zellen munter, schließlich müssen sie sich ihren richtigen Einsatz und viele andere Dinge merken."

Die "Bigband 50 plus" probt alle zwei Wochen immer montags ab 20 Uhr im Haus der Kathedrale (Dompfarramt); Informationen erteilt Herbert Martin unter Tel. 2 19 68 00; Internet: www.bigband50plus.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2012

Christoph Stephan

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