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Bewegungs- und Gedankenfluss: Ania Michaelis’ schlüssige "Parzival"-Inszenierung am tjg

Bewegungs- und Gedankenfluss: Ania Michaelis’ schlüssige "Parzival"-Inszenierung am tjg

Zu Beginn der Aufführung assoziiert das Halbrund der Bühne einen hellen, freundlichen Ort. Eine Art Halle mit "Pfeilern" und Durchblicken sowie einer stetig aufsteigenden Wegkonstruktion.

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Szene mit Charles Ndong, Alexander Peiler als Parzival, Isabell Giebeler und Gregor Wolf (v.l.).

Quelle: Klaus Gigga

Die Königin Herzeloyde ist offenbar bester Hoffnung, und es regt und bewegt sich spürbar neues Leben in der vor ihr ausgebreiteten weiten "Bauchrundung". Rückblickend wird erzählt vom stolzen Ritter Gahmuret (Gregor Wolf), und wir erleben im dichten, vieldeutigen Spiel, wie dieser leibhaftig in den Bannkreis der schönen Königinwitwe geraten ist - sie zieht ihn auf ihrem "Rock" wie eine "gefischte Beute" an sich heran. Beide lieben einander, doch das Glück währt nur kurze Zeit. Dann zieht er aus zu neuen Heldentaten, fällt in der Ferne, noch bevor sein Sohn Parzival geboren wird.

Die Regisseurin Ania Michaelis - seit August 2011 Oberspielleiterin vom TJG-Schauspiel/Puppentheater - hat den alten Parzival-Stoff auf der Großen Bühne vom Theater Junge Generation in sinnlich-verdichteter Art und Weise in Szene gesetzt. Und sie bezieht sich dabei auf den Theatertext "Human Being Parzival" von Bernhard Studlar, uraufgeführt vor zwei Jahren in Wien. Dieser Text ist frei entstanden nach dem mittelalterlichen Versepos von Wolfram von Eschenbach, auf das auch Richard Wagner mit seiner "Parzifal"-Oper zurückgreift. Studlar vermeidet es, zu ausschweifend von Personen und Geschehnissen der Sage zu berichten. Vielmehr ist mit Witz und Verstand herausgefiltert, wie es dem jungen Parzival dabei ergeht, Welt und Menschen zu erfahren, wie er lernt, Kraft mit Verstand zu paaren, Fehler zu begreifen, neue Chancen zu nutzen.

Herzeloyde (Ulrike Sperberg) hat zu Beginn versucht, ihren Jungen vor dem Ritterwahn in der Abgeschiedenheit des Waldes zu schützen. Doch sie kann Parzival (Alexander Peiler), als dessen Neugier geweckt ist, nicht mehr aufhalten. So steckt sie ihn in Narrenkleider, um zu verhindern, dass er von den Rittern ernst genommen wird, gibt ihm als Rat mit auf den Weg, dunkle Furten zu meiden, zu jedermann höflich zu sein, auf alte, erfahrene Leute zu hören und auch nicht zu zögern, von einer edlen Maid Gruß oder Ring zu erlangen. Als Parzival tatendurstig von dannen zieht, bricht es der Königin das Herz. Doch davon ahnt der junge Held bei seinem Aufbruch nichts.

Wie es Ania Michaelis in der choreografischen Mitarbeit von Ulrike Sperberg und mit wandlungsfähigen sieben Darstellern (darunter auch Charles Ndong und Gregor Wolf in mehreren Rollen) gelingt, die Geschichte heutig und trotz gestraffter Fassung schlüssig zu erzählen, überzeugt durchweg. Das Ganze hat einen Bewegungs-, Zeit- und Gedankenfluss, der auch Raum lässt, über das Geschehen nachzusinnen. Und wirkt mit der fantasievoll einfach gehaltenen Bühne sowie den schlicht-edlen Kostümen von Ulrike Kunze wie eine durchscheinende Raumkomposition, an der nicht minder Christiane Hommelsheim mit Video, Körper- und Stimmtraining beteiligt ist.

Ob nun gleich jeder Theaterbesucher und auch schon der Zehnjährige begreift, was sich hinter dem Gral verbirgt, warum die nicht gestellte Frage an Anfortas (Ulrich Wenzke) alle so traurig und zugleich wütend macht und was es bedeutet, wenn Parzival der Sigune (Isabell Giebeler) zu nahe kommt, ist wohl nicht so entscheidend. Wichtiger dürfte es sein, dass die Neugier an der Geschichte, die ja eine Vielzahl von Geschichten ist, entsprechend geweckt wird, und dann gibt es auch diverse Möglichkeiten, dem nachzuforschen. Zumal einem die Bilder der Aufführung, die lebendig gezeichneten Gestalten und Situationen gut in Erinnerung bleiben. Wie zum Beispiel die prägende Begegnung mit Gurnemanz, der Parzival die Kampfkünste und ritterlichen Tugenden lehrt. Und jene mit Trevrizent, der ihn zur Besinnung bringt - beide werden gespielt von Manuel Krstanovic. Da reift Parzival zum Manne, gewinnt letztendlich an Bewusstheit, dass er als Mensch und Ritter, als Mann und Gralskönig Verantwortung für sich und andere trägt. Das Premierenpublikum ist spürbar beeindruckt - es gibt viel Applaus für alle Beteiligten.

Gabriele Gorgas

nächste Aufführungen: heute 19.30 Uhr, morgen bis Donnerstag jeweils 10 Uhr

www.tjg-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2012

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