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Bewegungen im Labyrinth: Malerei und Grafik von Roland Staab in der Galerie Mitte

Bewegungen im Labyrinth: Malerei und Grafik von Roland Staab in der Galerie Mitte

Roland Staabs Bilder sind nicht abstrakt, sie haben immer etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Sie sind "lesbar als etwas Körperliches" (R.S.), das mit Feder, Kohle oder Pinsel auf dem Blatt, der Glasplatte oder der Leinwand modelliert wurde.

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Roland Staab: "Geflügelter", Tusche auf grundiertem Karton, 2009.Repro: R. Staab

In der jüngsten Ausstellung in der Galerie Mitte gibt es vor allem Tuschearbeiten auf aquarelliertem Karton, Monotypien, Collagen, Aquarelle und nicht zuletzt einige kleine, kostbare Acrylbilder, Kleinodien, die sich dem Raum wie Signalzeichen mit ihrer farbigen Leuchtkraft darbieten.

Die vorliegende Auswahl zum 65. Geburtstag, den Staab vor wenigen Tagen feierte, beschränkt sich auf wenige Werkgruppen aus dem reichhaltigen Œuvre des Künstlers, darunter vor allem die Monotypien: Sie wirken wie freie Improvisationen der Musik, auf die man genau hinhören muss, weil sie keinem zwingenden Schema unterworfen sind. Zunächst ist die Arbeit an ihnen nicht zielgerichtet, hat ihren Ausgangspunkt in der inneren Bewegung im Labyrinth seiner Empfindungen, die der Künstler auf der Glasplatte psychografisch nachvollzieht und den Zufall dabei immer einbezieht. Hier spürt man den gelegentlichen Einfluss von Hercules Seghers, dessen Bewegungsformen an Linie und grafischem Duktus deutlich werden. Die Monotypie "Bärtiger" ist ein Beispiele für die suchende Hand des Künstlers, die in der Rundung des bärtigen Kopfes ihre Erfüllung findet. Assoziationen drängen sich auf, die durch den Titel konkretisiert werden. Die Reihung von fein strukturierten Monotypien kulminiert im ersten Raum der Galerie mit einem bewegten, stakkatohaften, tänzerischen Flächen-und Linienspiel ("Eule"). Wie Bewegungsspuren äußern sich besonders die Tuschen ("Bacchus"), an denen die Arbeit mit dem Format zu spüren ist. Bei dieser glückvollen Arbeit umkreist Staab mit der Feder oder dem japanischen Pinsel das Geviert des Bildträgers kreisförmig und schafft flächige Figurationen, die wie Ungetüme, Schimären, seltsame Mischwesen, manchmal blockhaft, manchmal eher leichtfüßig daherkommen.

Unter dem Thema "Köpfe" entstand eine vielzählige Serie fantasievoller Porträts imaginärer Personen, die in ihrer Art für das Werk von Roland Staab charakteristisch sind. Das Schwanken zwischen freien und konkreten Formen ist dabei typisch, die in ihrer Unentschiedenheit wie ein Zwischenzustand anmuten. Die Fantasie des Betrachters ist gefordert, das Sicheinsehen und Wiederauftauchen aus der Illusion. Die Collage "Zwischen Tür und Angel" im Kabinett verdeutlicht das auf allegorische Weise, das Suchen, dessen Sinn das Suchen selbst ist: die halbgeöffnete Tür als Symbol der Situation des Künstlers, der immer zwischen Realität und ihrer subjektiven Spiegelung und Aneignung hin und hergeworfen steht.

Einige kleine gestische Verspieltheiten sind die Tuschen auf Karton "Katzenlandschaft" (2009), die Monotypien "Puppenspieler" (2012) und "In sich versunken" (2012), die auf poetische Weise mit einer außergewöhnlichen Komposition neue Vorstellungen auslösen. Höhepunkt ist die "Riesin", eine Collage von 2002, bei der ein zartes Lineament kompakte farbige Flächen-Formen zusammenhält. Die Acrylarbeit auf Papier "Engel und Teufel" zeigt zwei skurrile, voneinander abgeteilte Gestalten in blauer Kontur auf weiß-gelbem Grund. Tierdarstellungen sind auch Teil der Ausstellung, wie "Gezähmtes Viech" (Monotypie, 2012), nicht ohne augenzwinkerndem Humor. Im Grunde aber gibt der Künstler keine näher bestimmbaren Verweise auf Reales, entzieht sich einer Erklärung. Innere Spannungen und die über die malende oder zeichnende Hand sich artikulierende Gestaltfindung des Unbewussten scheinen ihm wichtiger zu sein. Die labyrinthische Verdichtung zu kryptischen Formen lässt die Farbigkeit oft zurücktreten zugunsten eines oft grafisch bestimmten Bildaufbaues. Graziles und Kompaktes schwingen zusammen in einer unerforschlichen Abgründigkeit und Weltentfremdung. Heinz Weißflog

bis 15. September, Galerie Mitte, Striesener Straße 49, geöffnet Di-Fr 15-19, Sa 10-14 Uhr, Kontakt: 0351/ 459 00 52

www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.08.2012

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