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"Bewegtbilder" in Dresden: Die deutsch-amerikanische Konzeptkünstlerin Maria Nordman lädt zur Interaktion im Albertinum

"Bewegtbilder" in Dresden: Die deutsch-amerikanische Konzeptkünstlerin Maria Nordman lädt zur Interaktion im Albertinum

Die Eingangshalle des Albertinums zeigt sich seit gestern stark verändert. Zahlreiche weiße kastenartige Gebilde auf Rollen, die jede Ortsveränderung mitmachen, fallen zuerst ins Auge.

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Maria Nordman (in weißer Kleidung) präsentierte gestern ihre Ausstellung im Albertinum Dresden.

Quelle: M. Rietschel

Sie "besetzen" für fast zwei Monate den großen Raum zu etwa zwei Dritteln. Alles, was dieses Arrangement stören könnte, ist entfernt. Zunächst weniger auffallend ist die neue Lichtsituation: Die elektrische Beleuchtung ist ausgeschaltet. Auch der Schreiberin war das zunächst nicht aufgefallen, zumal der gestrige Pressetermin am Schließtag stattfand. Und auch ein Zweites bedurfte des Hinweises von Hartwig Fischer, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: An der Decke fehlen die seitlichen Glaspaneele. So fällt das Tageslicht ungehindert ein.

Dies ist ein Nebeneffekt der sommerlichen Ausstellung "Standing Pictures" (der deutsche Titel lautet "Bewegtbilder"), mit der eine Reihe von zukünftig alljährlichen Künstlerinterventionen an diesem Ort eingeläutet wird. Schöpferin der "Bewegtbilder" ist die deutsch-amerikanische Künstlerin Maria Nordman, die 1943 in Görlitz geboren wurde, in Frankreich aufwuchs und seit 1953 in den USA lebt. Hinter der in Dresden eingerichteten Arbeit wie überhaupt hinter ihrem Schaffen steht ein auch philosophisch durchdrungenes Konzept vom Menschen als Teil eines Ganzen, das ihn trägt und das er im besten Fall demgemäß gestaltet. Ideal der Künstlerin ist eine offene, achtsame Gesellschaft, die nicht gegen, sondern im Einklang mit der Natur, ja der Erde und den kosmischen Kräften, darunter das Licht, ihre Lebensräume gestaltet. Wohl bedingt durch ihr eigenes Erleben in Metropolen wie Los Angeles hat die Künstlerin vor allem die Städte im Auge, wo der Zusammenhang zur Natur, das Bewusstsein über das Eingebettetsein in sie, am stärksten verloren ist. Ihre Filme, Skulpturen, Zeichnungen, ihre Bücher, Lectures und Interventionen, die in Interaktion mit unterschiedlichsten Menschen entstehen, sieht sie als Bausteine zu dem, was sie "Geo-Aesthetics" nennt.

Die "Bewegtbilder" ihrerseits sind ein Element, um dies Menschen bewusst zu machen. Denn mit den oben beschriebenen weißen Kästen und ihrer Wahrnehmung ist es im Albertinum nicht getan. Vielmehr bergen diese ein Geheimnis, das der Besucher ihnen "entlocken" muss. In ihnen befinden sich gerahmte Zeichnungen und Collagen, mit Laser bearbeitete Glasplatten, manchmal zum Spiegel werdend, ähnlich wirkende gelochte Metallplatten, dünne Steinplatten mit ihren Jahrmillionen alten Mustern und anderes. Während die Zeichnungen sowohl kosmische als auch mehr oder weniger konstruktive Motive haben, erinnert anderes an die natürliche Grundlage des Lebens und wieder anderes zeigt Schriftblöcke aus unterschiedlichsten Zusammenhängen. Alles zusammen läuft inhaltlich auf "unser Haus" - die Erde - und die auf ihr existierende Menschheit mit ihren produktiven aber auch zerstörerischen Kräften hinaus, wobei Nordman die ersteren im Sinne eines Ideals und der Aktivierung dafür zuvorderst interessieren.

Der Ausstellung ist faktisch eine Art Experimentier- und Anregungsfeld für die Besucher. Dazu gehört, dass all die Rahmen in den Kästen herausgezogen werden können und sollen, worauf am Eingang verwiesen wird. Und auch die erwähnte Abschaltung des elektrischen Lichts gehört zum Konzept der Künstlerin. Vielleicht wird ja so manchem bewusst, wie stark die Reizüberflutung auch durch ein Übermaß an künstlichem Licht heutzutage ist. Das unterschiedlich einfallende Tageslicht drückt dem Ganzen ebenso einen besonderen Stempel auf wie die Besuchereingriffe in die Konstellation der weißen Kästen und ihres Inhalts. Deren "Endzustand", an dem auch noch Studenten der HFBK gemeinsam mit der Künstlerin arbeiten werden, wird zur Finissage allen vor Augen stehen.

bis 7. September (Finissage), täglich 10 bis 18 Uhr (außer Mo)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2014

Lisa Werner-Art

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