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Bewegender Thomas-Brasch-Abend mit Anna und Katharina Thalbach im Schauspielhaus Dresden

Bewegender Thomas-Brasch-Abend mit Anna und Katharina Thalbach im Schauspielhaus Dresden

Der Tod des Dichters Thomas Brasch (1945-2001) hat nicht nur bei seiner Lebensgefährtin Katharina Thalbach und ihrer Tochter Anna eine Lücke hinterlassen. "So viel Kraft, Poesie und Tiefe wie er hat niemand von den heutigen Nachwuchsautoren", meint Anna Thalbach.

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Hatten sichtlich Freude daran, Thomas Braschs Texte "den Leuten um die Ohren zu hauen": Anna (l.) und Katharina Thalbach.

Quelle: Dietrich Flechtner

"Und so lange niemand kommt wie er, müssen wir den Leuten seine Texte um die Ohren hauen."

Das haben die beiden Schauspielerinnen jetzt im ausverkauften Dresdner Schauspielhaus getan. Auf ebenso mitreißende wie bewegende Weise haben sie uns Zuschauer etwas von der Energie und dem Ideenreichtum dieser Ausnahmepersönlichkeit vermittelt. Ein Abend, bei dem wir sowohl dem Menschen Brasch wie seinen Texten nähergekommen sind. Ein inszeniertes Porträt, bei dem Mutter und Tochter ganzen Einsatz von Stimme und Körper zeigten. Nur keine Halbheiten - die hat Thomas Brasch stets verachtet.

Sein Talent war enorm, doch seine Ansprüche an sich und andere waren stets höher - das zum Beispiel war an diesem Abend zu erfahren. Wie er bis zuletzt an seinen Texten feilte. Was Katharina Thalbach schon mal in schiere Verzweiflung stürzen konnte, wenn er ihr dreieinhalb Stunden vor der Premiere von "Mercedes" 1983 im Züricher Schauspielhaus noch anderthalb Schreibmaschinenseiten Monolog in die Hand drückte. Sie hat uns das noch einmal gezeigt: diese Abfolge von Wortwiederholungen und Bedeutungsveränderungen, diese treibende, alles fordernde Sprachenergie. Wie sie nach dem letzten Wort atemlos zusammensackte - so etwa muss das damals gewesen sein. Ein unbedingter Kunstwille, der ihn auf nichts Rücksicht nehmen ließ.

Auch wie er privat gewesen ist, war von Anna Thalbach im anschließenden Gespräch mit MDR-Figaro-Moderator Thomas Bille zu hören. "Ein Vater mit Haut und Haar." Nicht immer verantwortungsvoll. Doch bereit zu stundenlangen Gesprächen mit der Tochter. "Dabei haben wir viel gelacht und uns Geschichten ausgedacht." Das wilde Fabulieren hat er geschätzt und gekonnt. Das hat uns Anna Thalbach mit diesem Märchen von Marilyn Monroe und dem goldenen Schlüssel bewiesen, das er ihr zum 8. Geburtstag geschenkt hat.

Hemmungslos verspielt konnte er sein, gleichzeitig von tiefem Ernst. Als Katharina Thalbach das Märchen von Kasperle und Sophokles vortrug, musste selbst Anna neben ihr Tränen lachen. Das konnte er zusammenbringen: Klamauk und Tragödie.

Im letzten dieser fünf Märchen lässt er den Tod als einen Knittelverse sprechenden fremden Herrn auftreten, der von Überlegenheit in Verzweiflung abkippt, weil niemand ihn mehr ernst nimmt. Schließlich geht er zum Theater. Sein Opfer, das er sich ausgesucht hatte, triumphiert: "Der Tod ist abgeschafft, es lebe die Kunst!" - und Anna Thalbach riss die Arme hoch. Der Höhepunkt des Abends.

Wie bei ihm noch in der kleinsten Geschichte ein Drama steckt, welche Spannungen sich in den Dialogen entladen, das war wunderbar zu erleben, wenn die beiden mit verteilten Rollen lasen. Bei den Gedichten bewiesen sie ausgezeichnetes Gespür für Rhythmus. Viel von Braschs utopischer Sehnsucht und seiner abgrundtiefen Verzweiflung konnten wir in Katharina Thalbachs Stimme hören: wenn sie jauchzte, rau klang, brüchig, zerbrechlich.

Werden Thomas Braschs Texte mit dem Schwinden der Erinnerung an die deutsche Teilung vergessen werden? Nein, meint Katharina Thalbach: "Er hatte diese Wildheit des anarchischen Denkens. Das werden auch spätere Generationen entdecken."

iDer Abend ist auf MDR Figaro am 3. März, 16.05 Uhr, nachzuhören.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.02.2013

Tomas Gärtner

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