Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Betongarten: Franziska Hesse und Klara Meinhardt in der Dresdner Galerie Am Damm

Betongarten: Franziska Hesse und Klara Meinhardt in der Dresdner Galerie Am Damm

Einer der Zaungäste in der Ausstellung "Betongarten" ist der "Fox". Er äugt dem Besucher schon durchs Schaufenster entgegen, während er zugleich aufmerksam und scheu auch Witterung im Innenraum aufzunehmen scheint: Ein ausgestopfter Rotfuchs, wie er gern als weidmännische Trophäe zur Schau gestellt wird.

Links: In eine Betonplatte hat Klara Meinhardt eine orange aufleuchtende Mittelmeermuschel eingeschlossen. Rechts Franziska Hesse. o.T. Mischtechnik /Papier.

Quelle: Einladungskarte

Die junge Dresdner Künstlerin Klara Meinhardt, Absolventin der Hochschule für Bildende Künste (HfbK) und momentan Meisterschülerin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig, hat sein Fell, bis auf Schwanz und Pfoten, weiß überstrichen und den dadurch extrem schmal wirkenden Rumpf mit einer Fuchs- und einer Marderkopfstola, wie sie vor hundert Jahren Mode waren, umwickelt. Daneben stehen gegossene Betonblöcke, in und auf denen Fellfetzen verschiedener Größe und Struktur kleben - makabere Objekte, die den makaberen Umgang des Homo sapiens mit Vulpes vulpes, Mustelidae und Accipitridae versinnbildlichen. Denn auch ein kleiner Habicht, hinter dem noch zwei rote Punkte mit herablaufenden Farbspuren zu sehen sind, blickt aus dem Nebenraum herüber. In eine weitere Betonplatte ist eine orange aufleuchtende Mittelmeermuschel eingeschlossen und stilisiert reliefierte Pflanzenkeimlinge.

Während Klara Meinhardt, die "zur Umsetzung ihrer bittersüßen Ästhetik" neben Baumaterialien und textilen Fundstücken auch vorgefertigte Präparate ehemals lebender Wesen in ihre Objekte und Installationen einbezieht und damit bis an die ethischen Grenzen der Kunst geht, vertraut Franziska Hesse auf die Klassiker Malerei, Zeichnung und Objektkunst. Auch ihr geht es um das Verhältnis von Mensch und Natur, doch sie ist bereit, auch in den von engen Einzäunungen parzellierten "Kleingartenvereinen" der Städter die Sehnsucht nach einem naturnäheren Leben zu sehen. Ihre vitalen Mischtechniken auf Papier zeigen, wie kraftvoll sich auch dort die wechselnden Jahreszeiten mit ihren charakteristischen Farben und Strukturen bemerkbar machen.

Der Kontrast von eng Bebautem, üppig Wucherndem oder exakt Beschnittenem bringt malerische Spannung großer Farbflächen gegenüber spröder linearer Spontaneität. Vor freier Landschaft hingegen erhalten ihre Mischtechniken, wie auch die impulsiven Grafitzeichnungen lockere Großzügigkeit und expressive Kraft. Franziska Hesse, die in Crivitz bei Schwerin aufgewachsen ist und 2009 das Diplom an der HfBK erwarb, schafft mit ihren lebensbejahenden Arbeiten ein stabiles Gegengewicht gegen die Provokationen des Betongartens, gemäß einem Wort Professor H. Peter Adamskis: "Es gibt keine Antworten, nur Fragen, und diese Fragen kann man (-) künstlerisch vergegenwärtigen."

Jördis Lademann

Galerie am Damm, Körnerplatz 10, bis 21. Juli. Di.- Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. nach Vereinbarung (11-14 Uhr). 20. Juli, 20 Uhr: Finissage mit der Lesung "skurril bis ernst" von René Seim, Micul Dejun

Sommerpause der Galerie, 21. Juli bis 6. August.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.07.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr