Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Google+
Besucherschwund bei Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hält an

Jahresbilanz Besucherschwund bei Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hält an

Der Besucherrückgang in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hat sich 2015 fortgesetzt. Mit rund 2,31 Millionen Gästen kamen etwa sechs Prozent weniger als im Jahr zuvor, wie Verwaltungsdirektor Dirk Burghardt am Mittwoch sagte.

Der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Hartwig Fischer

Quelle: dpa

Dresden. Das Bedauern war Dirk Burghardt gestern deutlich anzumerken. Er hätte seinem scheidenden Museumschef Hartwig Fischer gern eine Rekordzahl mit auf den Weg gegeben, zumindest jedoch eine bessere. Die Realität aber sieht anders aus. Knapp 2,32 Millionen Besucher hatten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) 2015 verzeichnet, was einem Minus von etwa 160 000 Gästen oder mehr als 6,5 Prozent entspricht. „Diese Zahlen entsprechen nicht unserem Anspruch“, räumte Burghardt, Kaufmännischer Direktor der SKD, auch unumwunden ein. Die Einbußen betrafen die meisten SKD-Museen, darunter die Porzellansammlung sowie das Historische und das Neue Grüne Gewölbe. Die Türckische Cammer musste mit nur noch gut 158 000 Gästen einen Schwund von fast 83 000 verkraften.

Hinter dieser generellen Entwicklung verbirgt sich ein klarer Trend. Bereits bei der Auswertung der Statistik vor einem Jahr hatte sich gezeigt, dass die SKD schon 2014 ein Besucherminus von gut 100 000 oder rund 4 Prozent hinnehmen mussten.

Damals wie heute gibt es für die klaren Einbußen vor allem ein Erklärungsmuster: deutlich weniger Gäste aus russischsprachigen Ländern. „Diese Entwicklung sehen wir ungefähr seit März 2014“, sagte Burghardt. Im Vergleich zum Vorjahr seien 2015 etwa 85 000 Gäste weniger aus diesen Ländern in die SKD gekommen. Allein beim Rückgang der Zahlen in der Gemäldegalerie Alte Meister von etwa 68 000 binnen Jahresfrist entfallen laut Burghardt davon 62 000 auf russischsprachige Besucher.

Das Defizit könne aber nicht allein an den Umständen und Folgen des Ukraine-Konflikts festgemacht werden, fügte er an. Eine naheliegende und durchaus veritabel erscheinende Begründung ist dagegen die anhaltende Wirtschaftskrise, vor allem in Russland, die viele potenzielle Besucher eben nicht mehr einfach in den Flieger nach Dresden steigen lässt, wie das noch vor wenigen Jahren der Fall war.

Überhaupt sehen sich die SKD mit einer Entwicklung konfrontiert, der rasch gegengesteuert werden muss. Denn unter den ausländischen Gästen wurde lediglich aus China und Großbritannien ein Plus registriert. Und national kamen weniger Besucher aus wichtigen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Berlin, Bayern oder Baden-Württemberg. Das habe mit den „Montagsumzügen“ zu tun, wie Burghardt mit Blick auf die regelmäßigen Pegida-Demonstrationen in Dresden mutmaßte – sowie mit dem nationalen und internationalen Medienecho darauf.

Das sind alles andere als einfache Begleiterscheinungen dieses Jahres, das mit dem Weggang von Hartwig Fischer an die Spitze des British Museum in London sowieso schon von einer maßgeblichen Personalie dominiert ist. Fischer übernimmt die englische Spitzeneinrichtung Anfang April. Gestern saß er wohl letztmalig auf dem Podium einer offiziellen SKD-Pressekonferenz.

Sachsen Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) wünschte Fischer jedenfalls noch einmal viel Erfolg, äußerte, ebenfalls wiederholt, ihr Bedauern und sprach von einem „Riesenverlust“. Eine Findungskommission zur Klärung seiner Nachfolge sei eingerichtet, sie hoffe auf ein Ergebnis „bis zum Jahresende“. Bis dahin übernimmt, wie zu vermuten stand, Dirk Syndram als Interimschef den Museumsverbund.

Fischer widmete sich indes des inhaltlichen Jahresrückblicks sowie seiner finalen Vorschau für 2016. So zog er für die 1. Nationale Sonderausstellung zum 500. Reformationsjubiläum, „Luther und die Fürsten“ im Torgauer Schloss Hartenfels, eine Erfolgsbilanz: Rund 75 000 Besucher kamen, darunter etwa 8000 Schüler. Die Neubesetzung diverser Direktorenposten bezeichnete er als eine „Internationalisierung des Hauses“. Das bewusste Engagement für Weltoffenheit in der Stadt sei hinzugekommen.

Beim Dauerthema Ankäufe konnte Fischer ein Zwischenfazit ziehen, dem ein Versprechen folgte: Nach dem Erwerb von Werken von Kokoschka und Kirchner, „wichtigen Ankäufen für die Abteilung Expressionismus“, sagte er: „Der nächste Ankauf wird bereits vorbereitet.“ Zudem habe man aus der Sammlung Rudolf Weigang ein ganzes Konvolut von Werken „restituiert und gleichzeitig erworben“, darunter eins der Hauptwerke des Albertinums, „Segler im Gelben Meer“ von Emil Nolde. „Das Bild hätten wir verloren, konnten uns aber mit der Familie einigen.“

Der Sammlung Weigang wird das Albertinum ab 12. April eine Dokumentation zur Provenienzforschung widmen. Im Lipsiusbau startet am 13. Mai die Sonderschau „Die Vermessung des Unmenschen. Zur Ästhetik des Rasismus“. Einer der Höhepunkte des Jahres wird zweifellos die Ausstellung „Das Paradies auf Erden“, die sich ab 1. Oktober Landschaften von Bruegel bis Rubens widmet, ebenfalls im Lipsiusbau. Die Staatliche Ethnographischen Sammlungen sollen bereits ab September mit einer Ausstellungsreihe im Japanischen Palais wieder in den Fokus der Besucher rücken. Bei der seit Jahren diskutierten Palais-Sanierung hofft der Noch-Generaldirektor übrigens auf ein Mit-Engagement des Bundes.

Schaue er auf seine vierjährige Amtszeit in Dresden zurück, sei die Frage des Bauens eine ganz wichtige gewesen, sagte Fischer. „Ich kam von einer Baustelle, bin auf einer Baustelle gelandet – und werde wohl auch auf eine Baustelle weiterziehen“, meinte er mit Blick auf das Essener Folkwang Museum, von wo aus er nach Dresden wechselte, und das British Museum.

Dresdens Schloss werde weitergebaut, betonte er. „Wir können die Residenz des Wissens und der Kunst so realisieren, wie es gedacht ist“, fügte er an. Einige Teile des Schlosses würden aber in ihrem Grundzustand verbleiben, „um deutlicher sehen zu können, was über diese Stadt hinweg gegangen ist“. Für das benötigte Zentraldepot hoffe er ebenso auf eine gute Lösung wie für die Puppentheatersammlung, die im Kraftwerk Mitte ihre neue Heimstatt finden soll (DNN berichteten). Fischer stellte außerdem noch einmal das Potenzial der SKD als „eine der wenigen großen enzyklopädischen Sammlungen der Welt“ heraus. Es klang wie eine Beschreibung, die ohne weiteres auch auf sein neues Betätigungsfeld an der Themse zutrifft.

www.skd.museum

Von Torsten Klaus

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr