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Besondere Annäherung: Bachs Johannes-Passion mit dem Vocal Concert Dresden

Besondere Annäherung: Bachs Johannes-Passion mit dem Vocal Concert Dresden

Obwohl sie die erste Passionsmusik war, die Bach als Leipziger Thomaskantor komponierte, steht seine Johannes-Passion meist im dramaturgischen Schatten der Matthäus-Passion.

Dirigenten suchen dieses scheinbare Manko auszugleichen, indem der Johannes-Passion derselbe dramatische Impetus gegeben wird. Dieser Lesart widersprach jetzt Chorleiter Peter Kopp mit seinem Vocal Concert Dresden und dem Dresdner Instrumental Concert (diese "ad hoc"-Besetzung auf alten Instrumenten bleibt bemerkenswert: Musiker, die zu den raren Dresdner Konzerten hervorragend kommunizieren) in der Kreuzkirche. Dass die Kreuzkirche akustisch nicht ideal für solch klein besetzte Aufführungen ist, ist Legende, doch atmosphärisch ließ dieses Konzert trotzdem jene nachdenkliche Wirkung zu, die dem Werk innewohnt.

Das Geheimnis dabei war die Reduzierung auf klare, den einzelnen Abschnitten zugeordnete Formen, die ohne Übertreibung auskamen. Nun zählt es im Musikbetrieb nicht gerade als Stärke, den Ball flach zu halten und Konventionen zu hinterfragen. Doch es erwies sich als wohltuend, einmal wieder auch auf die theologische Dimension der Johannes-Passion gestoßen zu werden. Denn Kopp mied die übliche Dramatisierung der "Szenen", das emotionale Aufladen der Choräle oder holzschnittartige Personen. Hier begann der kontemplative Gehalt der Johannes-Passion zu wirken, der den Arien innewohnt. Genaue musikalische Charaktere also: Choräle als Bild der Gemeinde, strikt ohne kommentierende und dramatische Aufgaben. Diese blieben den Turbae-Chören vorbehalten. Doch aufführungspraktischen "Extremismus" in der Gestaltung der Chorfugen gab es nie, und emotionale Höhepunkte ordnete Kopp dem Betrachtenden der Arien ebenso unter, wie die Zeichnung der Personen. Besonders die Stufung in berichtende, kommentierende und emotionale Worte des Evangelisten unterstrich das.

Orchester und Chor waren gut ausbalanciert und auf dem reichen Bassfundament des Continuo (Cembalo, Orgel mit Pedal und Kontrafagott) entfalteten sich Stimmen und Instrumente ungewöhnlich warm und detailreich. Lothar Odinius wechselte im Ausdruck wortgenau und sang bei überlegter Einteilung die Evangelistenpartie ohne Nachlassen der Stringenz ihrer Gestaltung. Eine inhaltlich so starke Deutung des Jesus wie durch Daniel Ochoa kann man, trotz weniger Abstriche in der äußersten Tiefe, suchen, und umso bedauerlicher war, dass Clemens Heidrich in der Charakterisierung des Pilatus nicht adäquat war. Seine freundlich lyrischen Fähigkeiten kamen umso mehr den Arien zugute. Bar jeder Theatralik und dadurch wirklich berührend sangen Susanne Langner (Alt) und Deborah York (Sopran). All dies auf der Grundlage eines tadellosen Orchesters mit vorzüglichen Soli (Thomas Grosche, Viola da Gamba; Anne Schumann, Klaus Voigt, Viola d'amore; Jana Semerádová, Michaela Kourilová, Flöte; Guido Titze, Dorothea Fenton, Oboen; Hana Fleková, Violoncello). Zweifelsfrei gelang die besondere Annäherung an die Johannes-Passion, die Peter Kopp wagte: Die Konzentration der Aufführung auf das musikalisch, inhaltlich Wesentliche fand ihren Widerhall in der Aufmerksamkeit, mit der die Zuhörer folgten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.03.2012

Hartmut Schütz

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