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Beschwingte Aufladung: Funny van Dannens "Geile Welt" im Alten Schlachthof

Beschwingte Aufladung: Funny van Dannens "Geile Welt" im Alten Schlachthof

Er malt und schreibt und singt - und so wirkt Funny van Dannen tiefenentspannt, als er den Dresdner Alten Schlachthof am Gründonnerstag betritt. Er allein auf der riesigen, leeren Bühne, vor ihm geschätzte knapp 1500 Vornsteher und 300 Hintersitzer.

Er braucht für ein ausgewachsenes Konzert nur ein Standmikro, einen Notenständer für unzählige lose Zettel, auf denen er vermeintlich Liedtexte und/oder Noten hat, dazu einen kleinen Beistelltisch für weitere Zettel sowie die Mundharmonika für die Zugaben sowie eine Wasserflasche.

Oben an der Decke hängen je zwölf verschiedenfarbige Scheinwerfer und gelbe Leuchtstäbe, die ihn betropfen oder auch mal den Saal dezent erhellen können. Die Lichtstimmungen sind klar mit den Textambitionen verknüpft und verharren ruhig songweise, während der Athlet da vorn ein mörderisches Songstakkato, meist nur durch ein simples "Danke" unterbrochen, vorlegt. Einziges Showelement: die berühmte Nebelmaschine - einen Song lang steht der Berliner Norddeutsche limburgischer Abstammung wölkisch umrahmt da.

Dabei geht es nicht nur um die neue Scheibe "Geile Welt", seine insgesamt 13., die er erstmals mit Combo-Verstärkung einspielte. Nein, er bot nach zweieinhalbjähriger Pause ein Querbeet-Potpourri seiner Werke. Darunter auch Titel wie den "Bundesadler" oder "Ich will den Kapitalismus lieben", die nach jedem Hören mit Abstand neue Facetten gebären. Und er ist der Einzige, dessen musikalische Widmungen von Alltagsgegenständen ganze Themenalben füllen könnten, wenn er wollte.

Mittlerweile ist er auf seiner Gitarre so souverän, dass er locker rhythmisch davon galoppieren kann. Auch ist die Stimme, wenn auch immer in der selben Lage, in guter Verfassung für zornige Proklamation, die eines Hannes Wader würdig wäre. Drei Sorten von Songs zeichnen ihn aus: absurde Balladen, schöne Schlagerparodien, aber auch eigentlich eher humorlose Frauenverstehersongs. Hier, beim Dresdner Abschlusskonzert der ersten Geile-Welt-Staffel, unterbindet er das zum Glück durch enormes Tempo und recht forschen Gesang, der ganz klar bis hinten im akustisch nicht einfachen großen Schlachthofsaal ertönt.

Van Dannens kompositorisches Potenzial ist nicht so weitschöpfend - es ist eigentlich Lagerfeuermusik, bei denen man heiße oder eiskalte Mixgetränke schlürft und gerne mitsingt. Oder man reist damit guter Hoffnung in vollen Autos zu fernen Auswärtsspielen. Im Saal kommt neben der Witzigkeit noch Dynamik und Wärme hinzu, so dass eine seltene Symbiose, eine Art gefühlte Sozialität als Schutzraum entsteht. Ganz zum Schluss kamen die großen Hits wie "Nana Mouskouri", "Freundinnen" oder "Herzscheiße", so sind am Ende alle froh, dass Funny van Dannen weder Fußballprofi noch Naturforscher wurde - und dass Malerei und Schreiben ab und an vom Musikdrang übertölpelt wird. Zweieinhalb Stunden ehrliche Arbeit im Liederakkord, die dem Publikum ein beschwingt aufgeladenes Osterfest einleiteten. Mehr geht kaum.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.04.2015

Andreas Herrmann

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