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Bemerkenswerte Einzelleistungen - DNN-Rezensent Peter Zacher blickt auf die Dresdner Saison zurück

Bemerkenswerte Einzelleistungen - DNN-Rezensent Peter Zacher blickt auf die Dresdner Saison zurück

Was war, was wird? Was war herausragend, wo konnten Erwartungen dagegen nicht erfüllt werden? Auch im Kulturbereich wird mittlerweile oft und gern nach Höhepunkten und Enttäuschungen gesucht, die eine Saison, ein Jahr, eine Spielzeit geprägt haben.

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Pianist Yefim Bronfmann.

Quelle: Dario Acosta

Eine Aufgabe, der sich nun im Sommer in lockerer Folge auch Autoren der DNN-Kulturseiten stellen. Sie fassen ihre ganz persönlichen Favoriten und Impressionen zusammen, erzählen in komprimierter Form von ihren Eindrücken zwischen Bravos und Kopfschütteln. Es ist mehr ein Rück- als ein Ausblick, und er soll subjektiv und damit streitbar sein. Vielleicht ein Anlass, auch als Leser vor diesem Hintergrund sein ganz persönliches Resümee zu ziehen - oder sich bewusst mit dem Fazit unserer Autoren auseinanderzusetzen. Heute erinnert sich Peter Zacher.

Das herausragende Ereignis

Bei der hohen Leistungsdichte des Dresdner Musiklebens ist es ausgemacht schwierig, ein bestimmtes Ereignis auszuwählen und an die Spitze zu setzen. Vielmehr sollten wir die Kontinuität der musikalischen Qualität der Ereignisse in Dresden und teilweise auch außerhalb der Stadt ins Auge fassen, um das Prädikat herausragend zu Recht vergeben zu können. Ich war davon beeindruckt, wie hochrangig die diesjährigen Musikfestspiele besetzt waren. Jan Vogler und seine Crew müssen über nahezu überirdische Kräfte verfügen, um das knappe städtische Budget mit Mitteln aus anderen Quellen so aufzubessern, dass das Interesse einheimischer und auswärtiger Besucher geweckt und schließlich auch befriedigt wird. Zu den besonders zu erwähnenden Ereignissen zählen nach wie vor die Schostakowitsch-Tage in Gohrisch, weil sie dabei helfen, diesen großen Komponisten ohne ideologische Vereinseitigung zu präsentieren, denn "von der Parteien Gunst und Hass verwirrt schwankt sein Charakterbild in der Geschichte." Einer Neubewertung erfahren auch viele Komponisten, deren Werk sich die Jüdische Kammerphilharmonie annimmt. Das zu denen auch Felix Mendelssohn mit seinen frühen Streichersinfonien gehört, ist gerade in Sachsen selbstverständlich, denn Mendelssohn (auf den zweiten Namensteil Bartholdy kann man getrost verzichten) war immerhin seit 1835 Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters.

Überraschendster Künstler

Es ist fast unmöglich, aus der Fülle der Ausführenden einige herauszufiltern und an die Spitze zu setzen. Je besser man Künstler kennt, desto höher sind die Erwartungen, so dass Überraschungen eigentlich ausbleiben - man hat es ja nicht anders erwartet. Und das ist in jeder Spielzeit das gleiche Phänomen. Trotzdem gab es natürlich einige Konzerte, die man in ihrer jeweiligen Qualität nicht erwartet hätte. Das waren hauptsächlich solche, die von nichtprofessionellen Musikern ausgeführt wurden. Dazu gehören das Konzert des Ensembles "medicanti" mit Werken von Brahms und Mahler, die Ensembles der TU mit erfreulich ungewöhnlichen Werken und die Jüdische Kammerphilharmonie mit der Aufarbeitung von Werken, die sonst vergessen würden. Auch das Preisträgerkonzert des Klavierwettbewerbs Anton Rubinstein gehört dazu. Für bemerkenswerte Einzelleistungen innerhalb der Musikfestspiele sorgten der Pianist Yefim Bronfman, der Cellist Jan Vogler und der Dirigent Hartmut Haenchen, wobei die beiden letztgenannten eigentlich nicht in die Kategorie der überraschenden Künstler gehören. Man sollte der Antwort auf diese Frage übrigens nicht zu viel Gewicht beimessen, denn die Fülle der Angebote kann immer nur punktuell wahrgenommen werden. Auch wer mit Leib und Seele Rezensent ist, kann nicht alles wahrnehmen.

Enttäuschte Erwartungen

Hier müssen wir die Ebene der Musik verlassen und in die Kulturpolitik wechseln. Durch administrative Probleme und Streit um den rechten Weg der Finanzierung war der Umbau des Kulturpalasts lange in der Schwebe. Hinzu kam der Zeitverzug durch den Rechtsstreit, den Wolfgang Hänsch um die Wahrung seiner Urheberschaft angestrengt hat. Das ist ausgestanden, hat aber den Beginn des Umbaus heftig verzögert. Auch ein weiteres Problem ist administrativer Natur: Es fehlt ein Kalendarium, das eine relativ sichere Planung für den Zeitraum von wenigstens einem Jahr erlaubt und dafür sorgt, dass sich nicht zu viele Veranstaltungen zeitlich überschneiden.

Was fehlte in der Saison?

Schon wieder landen wir jenseits des eigentlich Musikalischen. Der Tod der kreativen Opernintendantin Ulrike Hessler und der bevorstehende Weggang des Intendanten der Philharmonie Anselm Rose führen zu einer Planungsunsicherheit, die sich auf Künstler und Publikum auswirkt, wenngleich in unterschiedlichen Dimensionen. Hinzu kommt, das die beiden Chefdirigenten Michael Sanderling und Christian Thielemann ihre Dresdner Ämter erst relativ kurze Zeit innehaben und auf die Planung der derzeit zu Ende gehenden Saison nur wenig Einfluss gehabt haben dürften. Nachfolger für die Positionen der beiden Intendanten sind bisher nicht in Sicht; zumindest sind keine Namen öffentlich genannt worden. Und welchen Einfluss sie dann auf die Planung der kommenden Spielzeiten nehmen und das Bild der Institutionen bestimmen können, ist noch viel weniger bekannt. An Spekulationen sollte man sich nicht beteiligen.

Worauf ist dieVorfreude groß?

Ein Goethe-Zitat könnte weiterhelfen: "Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein." Die Pläne der großen Institute verheißen viel Gutes. Vor allem wird 2014 die Wagner-Orgie zu Ende sein. Verdi als der andere Jubilar ist ziemlich schlecht weggekommen und dass 2013 auch ein Jahr Benjamin Brittens ist, spiegelt sich in den Plänen fast überhaupt nicht wider. Vorfreude sollte nicht von Skepsis angefressen sein. Dass der Kon-zertsaal und im Kraftwerk Mitte ein neues Kulturzentrum entstehen, ist nach derzeitiger Planung wohl sicher. Aber richtig daran glauben werde ich erst dann, wenn die ersten Premieren stattfinden. Dann und nur dann wird sich erweisen, ob die Vorfreude berechtigt war.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.08.2013

Peter Zacher

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