Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Belonoga brachte im Kleinen Haus Bulgarian World Folk Trance Music 2.0 auf die Bühne

Belonoga brachte im Kleinen Haus Bulgarian World Folk Trance Music 2.0 auf die Bühne

Le Mystère des Voix Bulgares? Das Geheimnis der bulgarischen Stimmen? Aber ja, da dieser Chor, bei dem gut zwei Dutzend Frauen schon ob ihrer Trachten an ein Ensemble auf einer Werbetour für die Tourismusindustrie des Balkanlandes erinnern, international aufhorchen ließ.

Voriger Artikel
Dresdner Autor Rolf Bergmann gestorben
Nächster Artikel
Das Buchmuseum der SLUB Dresden feiert sein 80-jähriges Jubiläum

Reichlich Betörungspotenzial: die Sängerin Belonoga.

Quelle: PR

Weil sich unweigerlich, nachdem die Damen begonnen hatten zu singen, beim Zuhörer Gänsehaut(-Gefühl) einstellte. Irgendwann verschwanden aber die wirklich authentischen, traditionellen Melodien. Stattdessen wurden einerseits Werke gesungen, die den zweifelhaften Charme des sozialistischen Realismus verströmen, zum anderen orientierte sich manches Arrangement plötzlich an anglo-amerikanischem Pop-Wohlklang.

Belonoga, deren bürgerlicher Name Gergana Dimitrova lautet, ist Teil von Le Mystère des Voix Bulgares, hat aber auch einige durchaus anders geartetet musikalische Projekte. Nun gab sie im Namen der Reihe "Musik zwischen den Welten" ihre Visitenkarte im Kleinen Haus ab. Beeinflusst vom primären Gesang der Pygmäen in Afrika und der Aborigines in Australien, überschreitet Belonoga in diesem Projekt als Sängerin und Komponistin sehr souverän stilistische Grenzen und präsentiert eine Musik, die so ziemlich alles vereint, selbst Drum'n'Bass und Ambient fließen nicht zu knapp ein. Da lebt eine Frau ihren Mut zu Dissonanzen, Vierteltönen, gebändigten Schreien und radikalen Stimmungswechseln voll aus. Kaum, dass da mal ein Ton mit dem Zwerchfell gestützt ist.

Es ist stimmlich ein einziges Glissandieren und Ornamentieren, ein Aufeinandertürmen aberwitzig-verwegener Akkorde - aber bis auf ein paar Ausnahmen als Gesamtpaket doch erstaunlich kontemplativ. Tonskalen aus der griechischen Antike, byzantinische Einflüsse, die Vierteltönigkeit der türkischen Musik, diaphonische Stimmführungen, die an die Frühformen der Mehrstimmigkeit im Mittelalter erinnern, oder das reiche Repertoire an asymmetrischen Rhythmen klingen an. Björk, Brendan Perry, Lisa Gerrard und natürlich entsprechend eine Band wie Dead Can Dance lassen grüßen, ohne dass diese sphärische "Bulgarian World Folk Trance Music 2.0" wie ein Abklatsch oder gar eine Kopie wirkt. Ein bisschen tänzelt Belonoga herum, ein Hauch von Oriental Dance als "Bauchtanz" liegt in der Luft, aber einer, der mit angezogener Handbremse betrieben wird.

An der Seite von Belonoga ein aus Aleks Nushev, Kostadin Genchev, Violeta Petkova sowie Vangelis Kapiris bestehendes und ungemein bestechend agierendes Quartett, bei dem schon die Auswahl an Musikinstrumenten aufhorchen lässt. Neben Percussion und (Bass-)Gitarre kommen zumindest auch exotisch anmutende Instrumente wie Duduk, Ocarina, Dvoyanka, Gadulka zum Einsatz, die Fans der Folklore vom Balkan, aber auch des Kaukasus mit der Zunge schnalzen lassen. Genchev und die Kaval, die lange endgeblasene Flöte mit zylindrischer Bohrung aus Holz, die auf dem Balkan weit verbreitet ist, sind eine Symbiose wie die Ian Andersons mit der Querflöte. Magisch. Es ist okay, wenn Le Mystère des Voix Bulgares weiterhin Klangwelten "aus einem anderen Jahrtausend" bieten, doch aktuelle Klangwelten haben auch ihren Reiz.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.05.2015

Christian Ruf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr