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Behutsam assoziierende Bilder: Die GöteborgsOperans Danskompani in Hellerau

Behutsam assoziierende Bilder: Die GöteborgsOperans Danskompani in Hellerau

Bereits im Januar vorigen Jahres hatte das Publikum im Festspielhaus Hellerau mit "Mirror and Music" eine Arbeit des japanischen Choreografen Saburo Teshigawara und seiner Gruppe KARAS erlebt.

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Die GöteborgsOperans Danskompani gastierte im Festspielhaus.

Quelle: Oliver Killig

Und nun war am Wochenende in zwei Aufführungen eine weitere Choreografie des international bekannten Künstlers an diesem für Tanz so wichtigen Ort zu sehen, die er als Auftragswerk mit der namhaften GöteborgsOperans Danskompani erarbeitet hat. Vereint im zweiteiligen Abend "Spirit" mit der Choreografie "Noetic" von Sidi Larbi Cherkaoui und als Gastspiel realisiert in Kooperation von Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden und den Dresdner Musikfestspielen.

Dass Teshigawara ein sehr eigenwilliger Choreograf ist, war bei der einen wie der anderen Produktion gleichermaßen zu spüren. Und wie stets bei seinen Arbeiten zeichnet er ebenso für Bühnenbild, Licht und Kostüme verantwortlich. Diese Ganzheitlichkeit prägt auch sein von Kafka inspiriertes Stück "Metamorphosis", in dem er den Tänzern deutlich viel Raum lässt, sie sowohl als Einzelne wie auch in der Gruppe gewichtet, ohne dabei das Auge mit einer Überfülle von Aktionen zu überfordern. Teshigawara arbeitet vielmehr mit Spannungen, Zeitverzögerungen, zeichnet mit Körpern behutsam assoziierende Bilder. Das sind Qualitäten, die das Publikum nicht vordergründig vereinnahmen oder beeinflussen wollen. Sie formen eher eine Art Gedankenpuzzle, das jeder für sich selbst zusammenfügen muss.

So schafft Teshigawara Metaphern für diverse Situationen von Schlaf und Erwachen, assoziiert schattenähnliche Bilder, wahrgenommen wie im Halbschlaf, verwandelt den Raum wunderbar mit Lichtstimmungen und -verschiebungen, setzt sparsame akustische Momente wie das bewusste Aufschlagen von Stäben auch für Raumveränderungen ein. So erlebt man zur eingespielten Musik von Olivier Messiaen "O Sacrum Convivium" sowie von Maurice Ravel "Soupir" in der Bearbeitung für Chor von Clytus Gottwald, die Mitglieder der schwedischen Danskompani in wahrhaft überzeugender Körpersprache, die auf sehr eigene Weise beredt ist, athletisch wie auch geschmeidig-tänzerisch, und wenn schließlich die über- große Metallspirale die Körper zu überrollen droht, lässt sich diese Gefahr auch für das nah dran sitzende Publikum assoziieren.

Eröffnet wurde der Gastspielabend des weltweit tourenden Ensembles mit "Noetic", der Arbeit des flämisch-marokkanischen Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui. Sie ist ebenso im Auftrag der GöteborgsOperans Danskompani entstanden, die (mancher erinnert sich vielleicht noch an das Gastspiel des früheren Ballettensembles aus Göteborg vor ewig langer Zeit in der Semperoper) seit 2011 von Adolphe Binder als kuratierender Direktorin geleitet wird. Dass sie sowohl auf Kontrastreiches wie auch Verbindendes setzt, ahnt man bei der Kopplung dieser beiden Auftragswerke. Wobei die von Cherkaoui für "Noetic" eingesetzte Körpersprache für die Tänzer wohl eher etwas unterfordernd ist. Und sich irgendwann als ihr eigentliches Vokabular fast gänzlich verliert, wenn sie in kosmisch-spiritueller Vision die zwar reizvollen und biegsamen, aber doch kaum tanzbaren Stahlgebilde von Antony Gormley zu händeln haben.

Kein Wunder, dass man dabei viel mehr von der Live-Musik gefangengenommen ist, zumal mit der wunderbar klar artikulierenden Sängerin Miriam Andersen und dem so vielseitigen Musiker Shogo Yoshii die Komposition von Szymon Brzoska äußerst berührende Momente zu bieten hat. Von Brzoska übrigens stammt ja auch die Musik für die mit dem Semperoper Ballett erst unlängst uraufgeführte Choreografie "Tristan + Isolde" von David Dawson (DNN berichteten).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.05.2015

Gabriele Gorgas

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