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Beherrschen und beherrscht werden - die 15. Sommerakademie des Dresdner riesa efau

Beherrschen und beherrscht werden - die 15. Sommerakademie des Dresdner riesa efau

Schon von Weitem fliegt einem das Kreischen einer Kreissäge entgegen. Doch auch wenn es auf dem Areal der Motorenhalle des riesa efau dieser Tage schwer nach Arbeit klingt - hier wird nicht gebaut oder saniert, hier wird Kunst gemacht.

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Arbeitet zum ersten Mal mit Holz: Künstlerin Sherlann Peters aus Trinidad and Tobago.

Quelle: Dietrich Flechtner

Zum 15. Mal bereits hat der Verein, seit vielen Jahren das kulturelle Herzstück des Viertels, zu seiner Sommerakademie eingeladen, und auch dieses Mal hat die künstlerische Leiterin Susanne Altmann wieder eine interessante Mischung internationaler Dozenten an die Elbe gelockt.

Seit drei Jahren hat die Kunsthistorikerin die künstlerische Leitung der Akademie inne. Dem riesa efau ist sie aber schon seit den wilden Anfangstagen eng verbunden. Damals, im Wendejahr 1989, war sie mit dabei, als eine Gruppe junger Ambitionierter das heutige Stammhaus in der Adlergasse 14 besetzte, um es vorm Abriss zu retten und eine Anlaufstelle für junge Dresdner Künstler zu bilden. Im März 1990 folgte die offizielle Gründung des riesa efau, nur acht Jahre später, 1998, wurde die Sommerakademie aus der Taufe gehoben. "Wir fingen damals mit vier oder fünf Kursen und rund 40 Teilnehmern an", lässt Altmann die Geburtsstunde des Projektes aufleben.

In den Folgejahren stiegen sowohl Kurs- als auch Teilnehmerzahlen gewaltig an. Heute betreuen 14 Dozenten rund 200 Kursanten in verschiedensten Genres, von Malerei und Zeichnen über Fotografie und Grafik bis hin zu Holz- und Steinbildhauerei. Die Räume des riesa efau reichen längst nicht mehr aus, und so finden Kurse unter anderem in der "Prager Spitze", in der Neustadt sowie in diversen Galerien und Kunsträumen statt. 2500 Kunstbegeisterte ließen sich in den vergangenen 15 Jahren auf das Abenteuer ein - viele kamen immer wieder.

Christoph Winkler zum Beispiel. Der Restaurator aus Gütersloh ist der Sohn des Dresdner Künstlers Woldemar Winkler (1902-2004) und hält der Akademie schon seit neun Jahren die Treue. In den hiesigen Bildhauerkursen kam er das erste Mal mit dem Material Stein in Berührung - "Seither hat's mich nicht mehr losgelassen", erklärt er lachend. In diesem Jahr arbeitet er im Kurs von Roger Bischoff, der eigens aus New Jersey (USA) angereist ist. Sein "Zwiegespräch" sieht schon ziemlich vollständig aus, eine weitere Skulptur steht schon fertig auf einem Podest. Zweieinhalb Tage braucht er für so ein Stück.

Die Arbeit mit dem Stein, so Roger Bischoff, lehre Demut. "Man beherrscht, wird aber auch beherrscht, denn Stein ist ein uraltes Material, das viel vorgibt." Mit seinen elf Kursanten fuhr er als Erstes in einen nahe gelegenen Steinbruch, damit sie sich ihr Material selbst aussuchten. Die Niveaus der Teilnehmer variieren erheblich.Bischoff war auch schon bei der Salzburger Sommerakademie unterwegs. "Das sind ganz andere Dimensionen", verrät er fast schon schuldbewusst. Denn die Dresdner Sommerakademie, setzt er sofort hinzu, glänze mit einer hervorragenden Organisation, und die Stadt sei "von einem einzigartigen Lebensgefühl" erfüllt.

"Wir legen Wert darauf, dass möglichst jedes Jahr andere Dozenten zu uns kommen", so Susanne Altmann. Möglich machen das vor allem ihre zahlreichen Kontakte in die Künstlerszene. Die kleine, aber feine Dresdner Sommerakademie hat sich herumgesprochen. Dass es sie nach wie vor gibt, ist vor allem dem Improvisationstalent der Organisatoren geschuldet, denn finanzielle Unterstützung gibt es nur in sehr geringem Maße vom städtischen Kulturamt und von der Woldemar-Winkler-Stiftung in Gütersloh. "Das Event trägt sich hauptsächlich über die Kursgebühren." So aber könne man den Dozenten nicht das zahlen, was man gerne wöllte.

Im Hof der Motorenhalle fliegen derweil die Späne. Hier wird im Holzbildhauerkurs von Herwig Kemmerich gehobelt, was das Zeug hält. Die eingangs vernommene Kreissäge entpuppt sich als Kettensäge, mit der Kemmerich für seine Schüler grobe Baumstumpen vorbereitet. Der Bremer ist zum ersten Mal mit an Bord. Dresden kennt er aber schon, von der Ostrale, wie er sagt. Da stellt er auch in diesem Jahr wieder aus. "Mit Holz kann man sehr vielfältig arbeiten, das hat mich immer gereizt", so der gelernte Holzbildhauer. Auch seine sieben Schützlinge sind den Kinderschuhen meist schon entstiegen, haben fast alle schon mit Holz gearbeitet.

Außer Sherlann und Alexis. In ihrer Heimat Trinidad and Tobago sind beide gefragte Künstler. Sherlann Peters fertigt sonst Skulpturen aus Ton, Holz ist für sie Neuland - genau wie übrigens das eher durchwachsene mitteleuropäische Wetter, das ihr erst mal eine Erkältung beschert hat. Wie alle Teilnehmer hofft auch sie darauf, am Samstag ein eigenes Stück für die Kursantenausstellung beisteuern zu können, die dann zwei Wochen lang in der Motorenhalle zu sehen sein wird. Damit endet am 4. August auch die 15. Sommerakademie mit einem Abschlussfest.

Vernissage Teilnehmerausstellung und Abschlussfest, Samstag, 4.8., ab 18 Uhr, Motorenhalle, Wachsbleichstraße 4c.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.08.2012

Jane Jannke

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