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Begeisternder Tango in Dresdens Altem Schlachthof

Begeisternder Tango in Dresdens Altem Schlachthof

Das erlebt man nicht so häufig, dass eine Aufführung mit deutlich unterhaltendem Charakter quasi eine Show ist, ohne vordergründig eine Show zu sein. Zumindest keine der allgegenwärtigen Art, wo zelebriert wird, was dem Publikum, etikettiert und auf der Servierplatte vorgeführt, eh schon vorschwebt und deshalb genau so erwartet wird.

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Das Herz der Compagnie: Nicole Nau und Luis Pereyra.

Quelle: PR

Und auch die Besucher im Alten Schlachthof in Dresden hatten garantiert so ihre konkreten Vorstellungen, wie sich "The Great Dance of Argentina" präsentieren würde. Doch es brauchte nicht allzu viel an Klängen und Schritten hin zum Auftauen jener Erwartungshaltungen, denen sich wohl keiner so recht entziehen kann. Die vielseitigen, verwandlungsfähigen Tänzer, Musiker, Sänger aus Argentinien haben mit ihrem "Vida"-Abend vom ersten Moment an alles gegeben, um die Besucher herauszuholen aus ihrem "Novemberblues", sorgten vehement für eine auffrischende Brise an Vitalität und berührender Gemeinsamkeit.

Was an diesem Gastspiel inmitten einer ausgedehnten Tournee gerade so besonders ist? Wohl eben diese bestens gestaltete Show professioneller Künstler, die dennoch so gänzlich frei ist von Allüren und übertriebenem Perfektionismus. In der jeder der acht Künstler sein Metier spürbar beherrscht, wo Musik, Tanz, Gesang zum Leben einfach dazu gehören. Das ist permanent zu spüren an diesem Abend, bei dem es nicht darum geht, dass Stars ihre Kunststückchen vorführen. Sie kommen auf die Bühne, weil es ihnen einfach Spaß macht, und das mag sich noch so oft allabendlich wiederholen - tief in der Seele haben sie eine Botschaft.

Sie erzählen in Bildern, Klängen und Liedern von den Menschen, den Straßen in Buenos Aires, von weiten Landschaften und dem Klang des Landes, der in die Zeit reist. Von Sehnsucht und Abschied, den Bombos und uralten Bäumen. "Schlafen können Sie woanders" heißt es in einer Reisereportage über Buenos Aires, und es ist allseits bekannt, dass hier der Tango wahrhaft zu Hause und für lange Zeit auch in Vergessenheit geraten ist. Doch nun erlebt er eine neue, weitgehend auch dem touristischen Verständnis geschuldete Blüte, und nicht selten verfälscht und "verwässert" das den argentinischen Tango in seinen Besonderheiten.

Da ist es schon sehr wichtig und wird ebenso international anerkannt, dass sich ebenso die neue "Vida"-Produktion der Nicole Nau und Luis Pereyra Company eben nicht nur dem schö- nen Schein und Abglanz vom Tango widmet, sondern immer wieder auch zu besagten Wurzeln zurückkehrt. Und dabei nicht allein nur den Tango, sondern auch andere argentinische Tänze wie beispielsweise die Chacarera in die Programme einbezieht. Der Impuls dazu kommt von der tiefen Kenntnis und steten Neugier speziell auch von Luis Pereyra, der sich schon seit seiner Kindheit mit all jenen Kultureinflüssen auseinandersetzt, die sein Land geprägt haben. Und wenn er als Gaucho die Boleadoras gleich Klanginstrumenten handhabt und dabei auch eine unglaublich rhythmische Fußarbeit leistet, dann kann man nur staunen und sich wundern.

Und versteht an diesem Abend so-fort, welche Faszination die aus Deutschland stammende Nicole Nau und der in der Kultur der argentini-schen Ureinwohner verwurzelte und in jeder Weise markante Pereyra aufeinander auszu- üben verstehen. Die beiden, die schon längst ein Paar sind, haben das gewisse Etwas, das man für eine solche Bühnenpräsenz braucht, und sie sind deutlich - wie auch alle anderen - mit Leib und Seele dabei. Und bringen - das vielleicht dann doch noch mehr als die anderen - Tiefe und Intensität in das Geschehen. Da knistert es tatsächlich, wenn sie Tango tanzen. Und wenn er für sie ein Liebeslied singt, ist das kein purer Auftritt, sondern hat etwas Beschwörendes.

Überhaupt lässt sich in dieser Aufführung nur von ungefähr ahnen, wie viel Stärke und auch welche Besessenheit es braucht, um eine so mächtig gewaltige Tour mit bald 70 Aufführungen überwiegend in Deutschland, Österreich und der Schweiz so durchzustehen, dass es auch stets dem Publikum Freude macht. Und dieses hat sich in Dresden spürbar gefangen nehmen lassen von der Künstlerschar, die so wunderbar verschiedene Charaktere aufweist. Zum Schluss tanzen die drei Tanzpaare ins Publikum hinein, eine Nähe, die das Erleben noch intensiver macht. Und man könnte schon etwas süchtig werden, aber dafür gibt es ja wenigstens eine DVD und CDs zu Mitnehmen, wenn auch das Original unersetzbar ist.

"The Great Dance of Argentina", "Vida - das Leben", beispielsweise auch in Großenhain/Kulturzentrum am 22./23. November, in der Stadthalle Chemnitz am 4. Januar 2015 und am 19. Februar im Gewandhaus Leipzig

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.11.2014

Gabriele Gorgas

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