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Barocke Planetenfeste und aktuelle Sternenbilder im Kupferstich-Kabinett Dresden zu sehen

Barocke Planetenfeste und aktuelle Sternenbilder im Kupferstich-Kabinett Dresden zu sehen

Das Kupferstich-Kabinett greift, um die Worte Hartwig Fischers, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, aufzugreifen, "nach den Sternen", widmet es doch seit Donnerstag den Planetenfesten Augusts des Starken eine Ausstellung.

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Thomas Ruff. Cassini 13, 2009. C-Print. Thomas Ruff und Johnen Galerie Berlin.

Quelle: VG Bild-Kunst

Anlass für die Festivität war die Vermählung seines Sohnes Kurprinz Friedrich August mit der Erzherzogin Maria Josepha von Österreich im September 1719, ihr Motto "CONSTELLATIO FELIX" - dieses meint eine glückliche, momentane Sternenkonstellation. Die aufwendige, über vier Wochen sich hinziehende Festlichkeit hatte dabei wie wohl (fast) alles, was der sächsische Herrscher tat, eine zutiefst dynastische Bedeutung, verband er mit der Hochzeit doch die Hoffnung auf die Erlangung der Kaiserkrone für sein Haus. Dass die Gegenseite das Ganze wohl niedriger "hängte", zeigt die Abschiedsfestivität in Wien: Da gab es, wie Kuratorin Claudia Schnitzer schilderte, nur eine Theatervorstellung und ein Festessen.

August der Starke freilich ließ nicht nur eine "CONSTELLATIO FELIX" veranstalten, sondern sorgte auch dafür, dass das Geschehen für die Nachwelt lebendig blieb. Vorbereitung und Festverlauf dokumentierten Künstler und Baumeister wie Johann Friedrich Wentzel, Carl-Heinrich Jacob Fehling, Raymond Leplat und Andrea Zucchi. Freilich geriet auch dieser Auftrag, wie so oft, zu groß. Bei Augusts Tod war der Festbericht noch keineswegs vollendet. Alles aber, was entstanden war - Zeichnungen und Grafiken etwa -, wird seitdem im Kupferstich-Kabinett verwahrt, so dass es möglich ist, dem Zeitgenossen anhand von teils imponierend großformatigen grafischen Blättern ein Bild der Ereignisse zu vermitteln.

Wohl auch weil das Fest so ausgedehnt und vielgestaltig war, reicht der Platz des Kupferstich-Kabinetts für die Ausstellung nicht aus. So beginnt alles - und dazu gehört auch die Einbeziehung hochästhetischer "Sternenbilder" des aus der Becher-Schule stammenden Fotografen Thomas Ruff (Jg. 1958) - im Neuen Grünen Gewölbe, in und um dessen Sponselraum. Eine Folge von Kupferstichen macht den Besucher hier mit der aus Anlass der Hochzeit neu, barock, gestalteten Paradesuite im bis dahin noch stark von der Renaissance geprägten Schloss und den dort stattgefundenen Aktivitäten vertraut. Auch zwei hier gezeigte originale Hochzeitstruhen Maria Josephas gehören zu den insgesamt 130 Exponaten der Schau.

Nicht unerwähnt bleiben soll der Hinweis, dass die hier gezeigten Blätter für die Wiederherstellung der Paradesuite wegweisend sind. Zu hoffen ist, dass die bei der Gelegenheit von Hartwig Fischer geäußerte Vorstellung wahr wird, dass 2019 - zum 300. Jahrestag des Hochzeits-Ereignisses - die Räume wieder das Flair des Augusteischen Zeitalters ausstrahlen.

Bei der Fortsetzung der Ausstellungsrunde im Kupferstich-Kabinett selbst wird man möglicherweise von einer fast sphärisch anmutenden Klanginstallation empfangen, die Barock und Geräusche aus dem All verbindet. Und auf dunklen, Weltraum suggerierenden Wänden ziehen Bilder mit aus NASA-Aufnahmen abgeleiteten Motiven des noch heute mit Sehnsüchten nach Unendlichkeit befrachteten Sternenhimmels sowie einzelner Planeten den Blick an. Die teils großformatigen Arbeiten Ruffs ergänzen die den sich steigernden Planetenfesten folgenden Ausstellungskapitel.

Das Feuerwerk des Apoll - es handelte sich um eine ganze Inszenierung - bildete gewissermaßen das Entrée des Festmonats. Es folgten ein Mars gewidmetes Ross- und Fußturnier auf dem Altmarkt. Ein weiteres Kapitel bildete das Karussell der vier Elemente des Jupiter. Ebenso erlebte die Hochzeitsgesellschaft eine Wasserjagd der Göttin Diana auf der Elbe und Merkurs Nationenwirtschaft mit Jahrmarkt im Zwinger. Natürlich wurde auch Venus gedacht. Ihr galt das Damenfest im Großen Garten. Den grandiosen Abschluss bildete im Plauenschen Grund schließlich das Bergwerksfest des Saturn. Die entsprechenden Kupferstiche versetzen den Menschen von heute in eine Welt zum Staunen und ebenso der grandiosen Budgetüberschreitungen: Statt 125000 Talern kostete das Hochzeitsfest 6 Millionen Taler.

Bis 9. Juni, täglich 10-18 Uhr, Di geschlossen; Bestandskatalog 38 Euro (Buchhandel 68 Euro)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.03.2014

Lisa Werner-Art

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