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Barock trifft Klassik: 8. Symphoniekonzert der Staatskapelle Dresden

Barock trifft Klassik: 8. Symphoniekonzert der Staatskapelle Dresden

Die heilige Cäcilia, die "Himmelslilie", war eine römische Märtyrerin und gilt ob ihres in einer Legende überlieferten Schicksals als Schutzpatronin der Musik und aller Musiker.

So ist es auch kein Wunder, dass ihr zu Ehren Oden und Lobgesänge komponiert wurden. Eine davon entsprang 1739 in festlicher Pracht Händels Feder. Mozart hat sich der Ode später angenommen und sie vor allem durch eine farbenfrohe Instrumentierung für seine Zeitgenossen interessant gemacht, sie sozusagen ins klassische Gewand gehüllt. In dieser Form erklang die Ode nun in der Semperoper im Palmsonntagskonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter Reinhard Goebel, einem Spezialisten für Alte Musik.

Genüsslich vertieften sich die Ausführenden ebenso akribisch genau wie lebendig in die instrumentale Farbpalette, die Händel bzw. Mozart für ihren lautmalerischen Lobpreis der Musik vorgesehen hatten. Da ließ nicht nur die Kapelle insgesamt die Hörer an einen wahren Ohrenschmaus teilhaben, sondern vor allem auch die solistisch eingesetzten Instrumente - herrlich der warme Celloton von Simon Kalbhenn oder die sanft klagende Flötenlinie von Sabine Kittel. Der ein wenig schwer wirkende Sopran von Sibylla Rubens (aber welch bombensichere Höhe!) und der mit einem federnden, schönen Tenor ausgestattete Daniel Johannsen erwiesen sich genauso als perfekte Solobesetzung wie Georg Zeppenfeld mit seinem kraftvollen Bass. Dazu kam der Dresdner Kammerchor (Vorbereitung: Michael Käppler), dem man die Freude an dieser Händel/Mozart-Interpretation anhörte, dem "selbstverständlich" keine Intonationsmängel anzulasten waren und der mit seinem beweglichen Klangbild überzeugte. Einziges Problem: Reinhard Goebel ließ die klangliche Balance zwischen Chor und Orchester immer wieder einmal in den Hintergrund treten.

Auch Bachs "Opus magnum", die Messe in h-Moll BWV 232, hat einen Vorgänger, nämlich eine kleine nur aus Kyrie und Gloria bestehende Missa. Sie entstand 1733, zum Teil als Trauermusik für den verstorbenen Kurfürsten (Kyrie), zum anderen als absichtsvolle Huldigung für den neuen Landesherrn, Friedrich August II. Bachs Wunsch, damit "sächsischer Hoff Componist" zu werden, ging in Erfüllung. Mit einigen Umarbeitungen versehen, gingen beide Teile später in die h-Moll-Messe ein.

Reinhard Goebel ist dafür bekannt, dass er sich den von ihm ausgewählten Werken, auch den sattsam bekannten, völlig unvoreingenommen und mit großer Entdeckerlust nähert. Das wiederum schließt auch das Ausschreiten extremer Tempogrenzen ein. Hier nun geriet das Unterfangen viel zu sehr in hektisch überzogene Bereiche, fehlte der Ansatz von Verinnerlichung, etwa im zweiten "Kyrie" oder beim "Et in terra pax". Spannung ja, aber nicht um jeden Preis.

Orchester, Chor und Solisten folgten Goebel bei diesem Interpretationsansatz auf bewundernswerte, disziplinierte Weise, flexibel und auf der Basis betörender Klangschönheit. Diese strahlend schöne Trompetenpracht im "Gloria in excelsis", das filigrane Violinsolo Kai Voglers in der Altarie "Laudamus te" (völlig problemlos und souverän Anke Vondung), die sensible Oboenlinie von Sebastian Römisch im "Qui sedes" - die Reihe ließe sich fortsetzen. Und auch hier gab es an der vokalen Kompetenz des Dresdner Kammerchores nichts zu deuteln. Mit einer klangprächtigen Wiedergabe der "Cum Sancto Spiritu"-Fuge setzte der Chor einen beeindruckenden Schlusspunkt unter seine faszinierende Leitung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.04.2015

Mareile Hanns

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