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Barbara Beyer leitet ab März die Opernklasse der Dresdner Musikhochschule

Barbara Beyer leitet ab März die Opernklasse der Dresdner Musikhochschule

Ihr Vertrag als neue Leiterin der Opernklasse an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden (HfM) beginnt offiziell im Sommersemester. Dennoch ist Barbara Beyer schon regelmäßig am Wettiner Platz anzutreffen.

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Barbara Beyer kommt an die Elbe.

Quelle: privat

Zwischen der Hospitationsstunde im Dramatischen Unterricht bei ihrem Kollegen Sebastian Ritschel und der Rückfahrt nach Berlin bleibt an einem Sonnabend gerade genug Zeit für ein Interview mit den Dresdner Neuesten Nachrichten.

Barbara Beyer hat es sich mit einem Becher Kaffee in der Mensa der Hochschule bequem gemacht. Die 58-Jährige strahlt nicht nur Erfahrung, sondern auch Ruhe und Freundlichkeit aus - und beginnt sofort zu schwärmen. "Ich fühle mich sehr wohl hier, es stimmt alles irgendwie", sagt sie lächelnd. Im Juli 2014 wurde sie aus knapp zehn Bewerbern für die Leitung der Opernklasse ausgewählt. Im März tritt sie nun die Nachfolge von Andreas Baumann, der die Klasse 21 Jahre lang leitete, an. "Dresden ist in der musikalischen Ausbildung ein Begriff, ich schätze das Kollegium hier sehr", begründet sie ihre Motivation für die Bewerbung an der hiesigen Hochschule.

Barbara Beyer ist im Taunus geboren, studierte Musikwissenschaft, Psychologie und Germanistik in Frankfurt und Berlin. Sie promovierte bei dem renommierten Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus über Verdi, arbeitete anschließend als Regisseurin und Dramaturgin an zahlreichen Theatern im deutschsprachigen Raum. Sie lehrte als Dozentin unter anderem an der Universität der Künste und der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin. Seit 2009 war sie Professorin in Graz. Von dort wechselt sie nun nach Dresden. Eine Wohnung an der neuen Wirkungsstätte hat sie schon, behält daneben aber ihren Hauptwohnsitz in Berlin. Schnell entspinnt sich mit Barbara Beyer in der Mensa ein sympathisches Gespräch über Opernregie, Dresden und den Hochschulbetrieb. Ein bisschen anders ausgerichtet als in Graz sei die Stelle hier. "Es geht mehr um die Ausbildung der Sänger im szenischen Unterricht als um Regie", sagt sie. "Meine Aufgabe ist es, die Studenten fit zu machen, damit sie mit verschiedenen Regiesprachen umgehen können. Ein Sänger muss eitel sein, er braucht Selbstbewusstsein, Phantasie und das Bewusstsein dafür, dass er eine Botschaft transportieren muss", erklärt Barbara Beyer weiter.

In Graz hat sie ein zweijähriges Forschungsprojekt über das Regietheater geleitet. Unter dem Motto "Oper anderes denken" hat sie dabei mit den Studenten Mozarts Oper "Cosi fan tutte" in drei verschiedenen Varianten erarbeitet. Ruth Berghaus, bei der Barbara Beyer noch gelernt hat, war der Auffassung: "Die Wahrheit liegt im Widerspruch." Heute ginge es eher darum, verschiedene Wahrheiten zuzulassen. "Es ist wichtig, Fragen zuzulassen, statt immer nach einer schnellen Lösung für die Interpretation einer Oper zu suchen", sagt sie.

Fragt man sie nach ihren eigenen Lieblingsinszenierungen, muss Barbara Beyer nicht lang überlegen. Sofort nennt sie "Die Soldaten" von Zimmermann in Basel, Mozarts "Entführung aus dem Serail" in Nürnberg, "Die verkaufte Braut" von Smetana in Bonn und "Jenufa" in Hannover. "Die waren nicht alle unbedingt erfolgreich, aber sie waren alle gut", fügt sie mit einem wissenden Lächeln hinzu - und man merkt, dass diese Frau genau weiß, was sie auf der Bühne sehen will. In Dresden und Sachsen hat sie bislang noch nie inszeniert, in Graz dafür ständig. Umso spannender wird es für das Publikum, wenn hier im Kleinen Haus im Sommer 2016 ihre erste Regiearbeit mit den Studenten der HfM und der Hochschule für Bildende Künste auf die Bühne kommt. "Es ist schon projektiert, aber wir dürfen nicht verraten, um welches Stück es sich dabei handelt", sagt sie.

In ihrem ersten Semester hier wolle sie erstmal nur unterrichten. 20 Wochenstunden in drei Jahrgängen stehen in ihrem Terminplan. Da bleibt keine Zeit für Nebenprojekte. Bislang habe sie auch noch keine Gelegenheit gehabt, das Dresdner Kulturleben richtig kennenzulernen. Die Inszenierung ihres Kollegen Frank Hilbrich von Janáceks "Das schlaue Füchslein" an der Semperoper wäre da ihre erste Wahl. "Es gibt mit den Landesbühnen, der Operette und den Theatern in der Stadt aber eine sehr reiche Kulturlandschaft", meint sie dann und man spürt, dass sie sich auch auf diese Entdeckungen in ihrem neuen Umfeld freut. Inzwischen ist der Kaffeebecher leer, die Mensa auch. Jetzt geht es erst einmal zurück nach Berlin.

Barbara Beyer...

...wurde 1956 im Taunus geboren. Sie studierte Musikwissenschaft, Psychologie und Germanistik in Frankfurt/Main und Berlin (Magisterexamen 1980) und promovierte 1983 bei dem Musikwissenschaftler Prof. Carl Dahlhaus.

Nach dem Studium war sie als Dramaturgin unter anderem am Nationaltheater Mannheim, am Staatstheater Darmstadt, bei den Kammerspielen Berlin und der Freien Volksbühne Berlin tätig. Seit 1991 arbeitet sie als Regisseurin und inszenierte seither über 40 Stücke, unter anderem in Basel, Nürnberg, Hannover und Bonn.

2004-2009 arbeitete sie als Gastprofessorin für Dramaturgie und Bühnenbild, Universität der Künste Berlin und Dozentin für Musiktheaterregie an der Musikhochschule "Hanns Eisler" Berlin.

Von 2009 bis 2014 hatte war sie Professorin an der Kunstuniversität Graz.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.02.2015

Nicole Czerwinka

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