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Balance bis zum Kehraus: Das Moritzburger Kammermusikfestival ist vorbei

Balance bis zum Kehraus: Das Moritzburger Kammermusikfestival ist vorbei

Nach zwei Wochen Kammermusik, in denen etwa 5900 Besucher 13 Konzerte sowie öffentliche Proben, Porträtkonzerte und Komponistengespräche erlebten, ging nun dieser Festspieljahrgang noch einmal mit zwei Konzerten zu Ende, die es in sich hatten.

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Einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals: das Gala-Konzert im Palais im Großen Garten.

Quelle: Oliver Killig

Kontrastreicher hätte die Werkauswahl am Samstag nicht sein können. Noch vor dem eigentlichen Konzert veranlasste der Pianist Eldar Djangirov das zahlreiche Publikum zu Beifallsstürmen. Er spielte - neben eigenen Improvisationen - Gershwins Rhapsody in Blue so unverbraucht, unprätenziös, lebendig, dass man meinte, dieses so oft gehörte (und leider auch oft "abgenudelte") Werk zum allerersten Mal zu hören. Toll! Gleichzeitig schlug er damit den Bogen zu Darius Milhauds "La Création du Monde", eigentlich eine Ballettmusik, die 1923, also ein Jahr vor Gershwins Meisterwerk, entstand. Hier erklang die Klavierquintett-Version in der Besetzung Eldar Djangirov, Arnaud Sussmann, Mira Wang, Lise Berthaud, Eric Han. Mit welchem rhythmischen Feingefühl, Klarheit, welchem Drive sich die fünf in die stark vom Jazz beeinflusste Tonsprache Milhauds versenkten, das macht ihnen so schnell keiner nach und kam beim Publikum gut an.

Wie bei Dvorak zu Hause, hätte man zum ersten Stück sagen können. Schließlich schrieb er seine Bagatellen op. 47 für einen Hausmusikkreis. Es sind liebenswerte "Kleinigkeiten", die ihren ganz speziellen Reiz aus der Kombination Streichtrio und Harmonium erhalten. Mira Wang, Arnaud Sussmann, Jan Vogler und Adam Neimann ließen ihrer Spielfreude und ihrem Temperament freien Lauf, geheimnisten nichts hinein, verfielen nicht in Pathos - kurz, eine wohl gelungene Interpretation.

Schließlich einer der kammermusikalischen Geniestreiche überhaupt - das Streichquintett C-Dur D 956 aus Franz Schuberts letzten Lebensmonaten, das so viel von Schuberts seelischen Qualen gerade dieser Zeit in sich birgt. Kai Vogler, Karen Gomyo, Ulrich Eichenauer und die beiden Cellisten Thomas Demenga und Eric Han einte ein einziger interpretatorischer Atem und tiefes Verständnis für die Proportionen des Werkes, jeder Sentimentalität abhold. Sie bewiesen viel Sinn fürs Detail, brachten präzise Dynamik und untrügliches Gespür für Farbschattierungen ein. Interpretationen, in denen man die geheimnisvoll schwebende Aura des Schubert-Quintetts so unmittelbar spüren kann, sind wahrlich selten. Allein schon wie behutsam sich das pizzikierende 2. Cello (Eric Han) mit den zart klingenden Passagen der 1. Violine (Kai Vogler) im Adagio ergänzten - wunderbar!

Am Sonntag richtete man dann seine Gedanken noch einmal an die Komponistin in residence, Sofia Gubaidulina. Die Flötistin Sabine Kittel und der Pianist Adam Neiman brachten deren knappe Skizze "Klänge des Waldes" zu Gehör - expressiv, die filigranen Verästelungen des Stückes erhellend.

Dem diesjährigen Festivalschwerpunkt - französische Musik - ist die Aufführung von Gabriel Faurés 2. Klavierquartett g-Moll op. 45 (Neiman, Sussmann, Berthaud, Demenga) zuzurechnen. Man hörte eine ungemein spannende Auseinandersetzung, in der geschickt die Balance zwischen emphatischer Klanglichkeit und subtiler Feinarbeit gewahrt wurde. Das wunderschöne, traumselige Adagio blieb besonders im Ohr.

Kein Moritzburg-Festival ohne seine "Hymne" - das Streichoktett Es-Dur op. 20 von Felix Mendelssohn Bartholdy! Karen Gomyo bewies immense Führungsqualitäten und riss ihre MitstreiterInnen zu einem kraftvoll-großen Ton und einem vollendet homogenen Ensemblespiel mit. Von so jugendlichem Überschwang geprägt hört man auch an dieser Stelle Mendelssohn nicht jedes Jahr.

Und dann war alles wie immer - Blumen, Beifallsorkan, Getrampel und Wiederholung des Finalsatzes. Moritzburg 2012 ist vergangen, aber das 20. Jubiläum im nächsten Jahr steht ja bevor. M. Hanns

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.08.2012

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