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Bad-Hair-Day: Die Alin Coen Band überzeugte in der Scheune

Bad-Hair-Day: Die Alin Coen Band überzeugte in der Scheune

Ein kitschiges Landschaftsbild, eine altmodische Lampe, ein durchgesessenes Sofa - und zwei wunderbare Sängerinnen. Im Rahmen der TV Noir-Konzertreihe gaben sich Alin Coen mit ihrer Band und Naima Husseini, die sich ihre eigene Band per Loop-Station einfach selber einspielte, das Mikro in die Hand.

In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre. Und während die eine Künstlerin singt, sitzt die andere auf der Couch und darf sich selber wie ein Zuschauer fühlen.

Die Alin Coen Band eröffnete den Abend mit "Wer bist du?", ein Song aus dem gleichnamigen Album von 2010, und spannte den Bogen bis hin zu aktuellen, noch unveröffentlichten Liedern wie "Alles was ich hab". "Ich war hier", der laut Alin Coen wider Erwarten als "Beziehungskiller" dienen kann, und "Festhalten" kennt fast jeder im Publikum, viele singen mit. Kontakt und Nähe zu den Zuschauern wird ab der ersten Sekunde mühelos hergestellt. Die zierliche Frau ist sympathisch, lustig und überaus gut gelaunt, trotz "Bad Hair Day", wie sie selber sagt, und Problemen mit Kabeln.

Sie bringt genau die richtige Prise Humor zwischen die meist nachdenklichen und ernsten Songs. Das Schöne dabei: Fängt sie an mit Singen, ist sie sofort wieder da, mitten im Song, mitten in seiner Geschichte. Sie fühlt jede einzelne Zeile mit, schließt die Augen oder lächelt. Mit dieser authentischen Art und Weise holt sie die Zuschauer genau da ab, wo sie stehen. Ihre Songs lassen den Zuhörer hinter die Kulissen des eigenen Handelns blicken, bringen ihn zum Nachdenken, zum Träumen.

Alin Coen singt die schweren Texte mit Leichtigkeit, vermittelt die me- lancholischen Zeilen auf so wunderbare Weise mit Poesie. Bemerkenswert sind die Vertrautheit und das Zusammenspiel innerhalb der Band. Fabian Stevens am Schlagzeug, Philipp Martin und Jan Frisch, Letz- tere wechseln sich mit E-Bass und Gitarre ab, verleihen den Titeln mit ihrem versierten Spiel den letzten Schliff. Auch wenn jeder Song von Coens Stimme getragen wird: Die Musiker sind, auch wenn sie mitunter leise im Hintergrund spielen, unverzichtbar.

Naima Husseini dagegen braucht keine Band - auch wenn sie sich für wenige Stücke die Musiker von Alin Coen ausleiht. Mithilfe einer Loop-Station nimmt sie einzelne Parts auf der Gitarre oder mit Gesang live auf, spielt sie ab und lässt sie in Schleife laufen. Damit zaubert sie ein kleines Ensemble plus Chor auf die Bühne. Kreativ arrangiert. Ein Zungenschnalzen wird zum Beat, eine Glasflasche zum Rhythmusinstrument. Songs wie "Oben ist unten" oder "Au revoir tristesse" klingen frisch und überraschend. Auch sie versprüht Sympathie, gibt sich natürlich.

Einige Songs performen die Musiker zusammen. Was so gut ankommt, dass sie mit Standing Ovations für eine Zugabe auf die Bühne zurückgeholt werden. Verständlich, dass man nach diesem persönlichen Konzert mehr von den Musikern sehen will. Und mehr hören, versteht sich.

Annette Thoma

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.09.2012

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