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Bachtage in Dresden: „Die Stadt soll brummen“

Noch zwei Wochen Bachtage in Dresden: „Die Stadt soll brummen“

In wenigen Tagen wird das Plakat überall in der Stadt präsent sein, wird das Crescendo anheben im Ruf um Aufmerksamkeit für jenen Komponisten, den Menschen in aller Welt für den wichtigsten unter den deutschen Musikern halten – Johann Sebastian Bach. In zwei Wochen beginnt das Bachfest Dresden.

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Quelle: dpa

Dresden. In wenigen Tagen wird das Plakat überall in der Stadt präsent sein, wird das Crescendo anheben im Ruf um Aufmerksamkeit für jenen Komponisten, den Menschen in aller Welt für den wichtigsten unter den deutschen Musikern halten – Johann Sebastian Bach. In zwei Wochen beginnt das Bachfest Dresden, das nunmehr 91. der von der Neuen Bachgesellschaft e.V. (NBG) veranstalteten Feste. Zwölf Tage lang soll Dresden ganz im Zeichen Bachs und seiner Musik stehen, soll jeder, der in der Stadt unterwegs ist – so will es deren Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch –(LINKE) „einen Hauch Bach im Ohr haben“.

Es sei dies eine „Krönung“ des hiesigen Musiklebens so Klepsch. Und ein wichtiger Schritt „auf dem Weg zur Kulturhauptstadt 2025“. Weshalb Kreuzkantor Roderich Kreile als einer der Initiatoren der Gastgeberschaft Dresdens und als Verantwortlicher für die künstlerische Konzeption auch auf der zweiten Pressekonferenz zum Programm nicht umhin kam, an das zähe Ringen zu erinnern, das voranging. Das Bachfest Dresden stand vor dem Aus, weil eine vom damaligen Stadtrat zunächst beschlossene Förderung im Doppelhaushalt 2015/16 nicht umgesetzt wurde. „Eine Absage hätte die Positionierung Dresdens in Sachen Kulturhauptstadt sehr erschwert“, verweist Kreile auf den Ausgangspunkt der Initiative, das Fest für Dresden zu retten.

Gerettet hat es ein Gemeinschaftsakt Dresdner Kulturschaffender, die ihre Ideen und ihr Geld in den Ring warfen und in der Mehrheit nun selbst als Veranstalter auftreten. Dazu kommen eingeworbene Gelder von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Stiftung Kunst und Musik für Dresden. Die Stadt, versucht sich Annekatrin Klepsch in Ehrenrettung, leiste sich schon überdurchschnittlich viel Kultur, und am Bachfest beteilige sie sich ja über die Finanzierung ihrer im Festprogramm vertretenen Kulturinstitutionen und mit der Bereitstellung von Räumen, Kommunikation und Koordination (das Amt für Kultur und Denkmalschutz ist Kooperationspartner, d.A.). „Mit viel Geld losgehen kann jeder, Dresden zeigt, dass es auch anders geht“, lautet Klepschs Auslegung der Dinge. Auf die im Auditorium geäußerten Bedenken, dass das auch als falsches Signal in Sachen städtischer Kulturförderung missverstanden werden könne, lenkt sie ein, dass dies „natürlich kein Modell für die Zukunft“ sein könne.

Der Kraftakt der Eigeninitiative also hat nach 48 Jahren das jährlich seinen Veranstaltungsort wechselnde Bachfest wieder nach Dresden geholt und ein Programm generiert von nunmehr 76 Veranstaltungen, dargeboten von 28 Akteuren an 22 Orten. Orchester und Chöre, Gesangssolisten und Theatergruppen, Kantoreien und Musikschuleleven, Tänzer und Instrumentalisten, namhafte Vertreter ihres Genres und noch Studierende, institutionell verankerte Künstler und Freischaffende repräsentieren in tatsächlich seltener Gemeinschaftlichkeit Dresdner Kulturschaffen.

Und natürlich ihre individuelle Sicht auf Bach, den Roderich Kreile DEN großen Inspirator nennt, dessen Wirkmächtigkeit bis heute noch nicht ausgeschöpft ist. Das werden zahlreiche Aufführungen zentraler Werke ebenso zeigen wie die Darbietungen zeitgenössischer Bearbeitungen, die Auseinandersetzungen mit Themen und Motiven, die Gegenüberstellung mit anderen Genres, die Einbindung in Performances, das Aufgreifen in Improvisationen.

Jeder Tag im Veranstaltungszeitraum bietet mehrere Programme, Familienkonzerte sind ebenso vertreten wie Jazzlounges und Orgelmusik. Kirchgemeinden lassen ihre Gottesdienste von Bachs Musik prägen, die Stiftung Frauenkirche bringt ihre prominenten Konzertveranstaltungen der von ihr veranstalteten Frauenkirchen-Bachtage mit Größen wie dem Geiger Daniel Hope und dem Schauspieler Joachim Król ein.

„Die Stadt soll brummen, die Menschen sich den Bachtagen kaum entziehen können“, erhofft sich Kreile und meint damit beiweitem nicht nur das tägliche Turmblasen 20.30 Uhr vom Turm der Kreuzkirche. Die Dresdner können sich die Musik sogar nach Hause holen: Eine Bach-Börse, über die sich interessierte Musikliebhaber professionelle Musiker in die eigenen vier Wände einladen können, will daran erinnern, dass zu Bachs Zeiten an Musikkonsum mittels Konserve nicht zu denken und Hausmusik gang und gäbe war.

Das überaus vielfältige Angebot, das die hehre Semperoper ebenso einbezieht wie die kleine Loschwitzer Kirche, die Hochschule für Musik ebenso wie das Kabarett Breschke & Schuch, das Albertinum wie die Tonne, das Lange Nächte bietet und kurze Andachten, ist in einer Programmbroschüre und im Internet im Einzelnen nachzulesen.

Aufgrund der Vereinzelung der Veranstalter ruht auch der Ticketverkauf auf vielen Schultern, jedoch ist eine Vielzahl an Veranstaltungen bei Reservix buchbar und vertreibt Saxticket auf der Königsbrücker Straße gute alte Papiertickets für tatsächlich alle eintrittspflichtigen Programmpunkte. Natürlich gibt es an allen Orten auch eine Abendkasse, da es jedoch auch Veranstaltungen mit begrenzter Zuhörerzahl gibt, sollte man sich vielleicht nicht in jedem Fall darauf verlassen. Isolde Matkey von tristan production, beim Bachfest zuständig für PR und Marketing, berichtet auch von vielen bereits eingegangenen auswärtigen Anfragen; die NBG wird ihre Mitgliederversammlung während des Festes in Dresden abhalten. Nun ist es an den Dresdnern, sich auf die Bach-Lesarten „ihrer“ Kulturschaffenden einzulassen und damit letztlich auch deren Engagement zu würdigen. Denn darauf ruhen nun die Hoffnungen der Künstler: Dass das Bachfest ein Signal an Dresden sei, ein Fingerzeig auf die reiche kulturelle Landschaft mit hoffentlich positiven Auswirkungen hinsichtlich künftiger Förderung derselben durch Stadt und Wirtschaft, formuliert es stellvertretend für sicher viele die Sopranistin Dorothea Wagner, die mit der Serkowitzer Volksoper im musikalischen Reigen vertreten sein wird.

www.bachfest-dresden.de

Von Sybille Graf

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