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Ausstellungsvergütung: Altes Thema, neue Bewegung

Ausstellungsvergütung: Altes Thema, neue Bewegung

Es gab Zeiten, da hätte der Patient fast für tot erklärt werden können. Zumindest stark komatöse Züge waren nicht von der Hand zu weisen. Mittlerweile aber zeigt er mehr als nur Reaktionen auf äußere Reize.

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Sein Lebenswille erwacht.

Doch ist das nicht das Intro für eine weitere Arzt-Soap. Der zugegeben dramatisch überhöhte Einstieg sollte nur signalisieren, dass lange Zeit wenig Hoffnung bestand, wenn sich die Debatten auf das Thema Ausstellungsvergütung von Künstlern bezogen. Nun aber spüren die Befürworter wieder Rückenwind.

Grund dafür ist die gestern vorgestellte Broschüre, die auf den ersten Blick recht unscheinbar daherkommt. Die "Richtlinie zur Ausstellungsvergütung für bildende Künstler in Sachsen" fasst, basierend auf umfangreichen Recherchen, erstmals eine Art Gebührenordnung für Ausstellungen zusammen. Doch damit nicht genug, haben sich die Initiatoren vom Sächsischen Künstlerbund auch die Rückendeckung anderer Beteiligter gesichert, darunter die der sächsischen Landtagsfraktionen (freilich außer der NPD) und des Landesverbandes der freien Berufe.

Die Richtlinie will nicht mehr oder weniger sein als genau das: eine Richtlinie - und damit vor allem eine Verhandlungsbasis für bildende Künstler. Kurz gesagt: Wer ausstellt, soll dafür einen Mindestbetrag von 250 Euro bekommen, der nach oben um einiges steigen kann (bei großen Unternehmen oder auch Museen, dort gestaffelt nach Besucherzahlen), nach unten aber zwei Ausnahmen zulässt: für gemeinnützige und soziokulturelle Einrichtungen sowie für öffentliche Bildungseinrichtungen. Beide bleiben sozusagen unter Tarif.

Etwa seit zwei Jahren habe man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, sagte Detlef Schweiger gestern, einer der Mitinitiatoren. Schweiger ist Maler, Grafiker, Performancekünstler. Und er will eins: "Dass wir Künstler aus der Bittsteller-Rolle herauskommen."

Sachsen geht mit der Richtlinie jedenfalls auch bundesweit vornweg. Andere Landesverbände hätten starkes Interesse gezeigt, erzählte Priska Streit. Die Bildhauerin aus Leipzig hat sich viel mit Modellen der Ausstellungsvergütung beschäftigt, wie sie in anderen Ländern schon funktionieren. Schweden, Kanada, Australien zählt sie auf. "Unsere Richtlinie orientiert sich stark an Schweden."

Der Landesverband der freien Berufe (LFB) hat den Künstlern dabei schon im Vorfeld den Rücken gestärkt. In einer Mitteilung ließ LFB-Präsident Hans-Joachim Kraatz verlauten: "Die geforderten Vergütungen sind keineswegs zu hoch angesetzt, sondern als Minimalforderungen zu verstehen." Dieses Aussage gewinnt deshalb an Bedeutung, weil im LFB viele der Berufsgruppen organisiert sind, die Künstlern Ausstellungsfläche geben: Rechtsanwälte, Steuerberater, Ärzte und Zahnärzte zum Beispiel. Auch sie sollen künftig moderat die Ausstellungsvergütung zahlen.

Auf politischer Ebene sorgt das Thema ebenfalls wieder für Bewegung. Morgen kommt in Berlin der Kulturausschuss des Bundestages zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, wo die Problematik der Ausstellungsvergütung eingehend diskutiert werden soll. Von Bündnis90/Die Grünen und der Partei Die Linke liegen bereits entsprechende Anträge vor. Eine Reihe von Experten hat der Ausschuss ebenfalls eingela- den. Ein Name auf der Liste ist Johan Wingestad vom schwedischen nationalen Künstlerverband (Konstnärernas Riksorganisation). Vielleicht ist dieser Querverweis auf die erfolgreich praktizierte schwedische Gegenwart ein hoffnungsvoller Vorgriff auf die deutsche Zukunft. Torsten Klaus

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.12.2012

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