Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 10 ° Regen

Navigation:
Google+
Ausstellungsreihe "Die Kunst geht nach Brot?" des Dresdner Kunstvereins Cynal

Ausstellungsreihe "Die Kunst geht nach Brot?" des Dresdner Kunstvereins Cynal

"Das Sicherheitspersonal war anfangs auch irritiert." Ein Satz wie in Stein gehauen. Man würde die dazugehörige Szenerie im Fußballstadion oder im offenen Vollzug vermuten.

Voriger Artikel
Die "Ressource Kultur" in Sachsen kommt samt Kulturraumgesetz planmäßig auf den Prüfstand
Nächster Artikel
Deep Purple fragt in Dresdens Messehalle "Now what?!" und gibt selbst die Antwort

Auch der öffentliche Raum wird einbezogen: Gestern war die Prager Straße Ort des sogenannten Bread Branding, einer Aktion des Künstlers Hermann Josef Hack.

Quelle: Dietrich Flechtner

Aber in Dresdens zentralem Einkaufstempel?

Doch genau dort ist alles angesiedelt. Die Centrum-Galerie bietet seit gestern Abend mehr als nur Dauer-Shopping, zumindest bis zum 22. November. Der Dresdner Kunstverein Cynal sorgt bis dahin unter der Fragestellung "Die Kunst geht nach Brot?" dafür, dass zehn Künstler oder Künstlergruppen rund 150 Quadratmeter Fläche mit rasch wechselnder Kunst bespielen.

Iven Einszehn grinst beim Erzählen. Der Hamburger ist Urheber des eingangs zitierten Satzes. Er hat noch mehr parat. "Um gute Werke zu schaffen, muss man unglaublich viel Bier trinken." Das Grinsen wird breiter. "Und sehr viel Kaffee."

Er hat gut Sprüche klopfen, denn seine Nachtschichten sind vorbei. Iven Einszehn und sein künstlerischer Compagnon Alexander Schäder haben zusammen innerhalb von vier Näch-ten rund 150 Werke geschaffen, die dem zur Galerie mutierten Laden nicht nur Leben einhauchen - sie stopfen den Raum regelrecht voll damit. "Es war für uns beide eine Art Performance, ein kreativer Fluss", erzählt Alexander Schäder, die Augen versteckt hinter einer XL-Sonnenbrille. Das Ergebnis bezeichnen beide als "Kunstexplosion". Die Werke sind dabei nicht nur Wandware, sie können auch gekauft werden. "Kunst ab 5 Euro", heißt das Motto.

Die Sicherheitsleute seien im Lauf der wenigen Tage (und vor allem Nächte) "unsere besten Freunde" geworden, versichert Iven Einszehn. Man habe sich mit den Wachleuten natürlich über die Kunst unterhalten, die da gerade live entstand. So gesehen, sei das durchaus Volksbildung gewesen, sagt er. Und grinst wieder.

Einen ganz anders gearteten, selbst gestellten Bildungsauftrag setzten gestern auch schon die Helfer des Künstlers Hermann Josef Hack um: Bread Branding. Auf der Prager Straße versahen sie gespendete Brote via Brandzeichen mit berühmten Labels. "Wir verbinden Werte heutzutage oft mit Marken", begründet Hack, der aus dem Rheinland stammt. Seine gestrige Aktion war dabei erst der Auftakt in eigener Sache: Ab Sonntag sind seine Werke zum Thema Flüchtlinge in der Centrum-Galerie zu sehen. "Das ist zwar jetzt gerade durch die Vorgänge in Lampedusa wieder aktuell geworden, aber ich beschäftige mich schon sehr lange damit."

Für die Cynal-Macher ist das Ganze jedenfalls auch ein geplanter und gewollter Angriff auf herkömmliche Galerie- und Sehgewohnheiten. "Wir wollten hier rein", macht Vereinschefin Katharina Groß klar. Sie ist dankbar für das Entgegenkommen des Managements des Einkaufscenters.

Cynal selbst ist dabei weit mehr als nur ein Organisationsforum für bildende Kunst. Groß sieht ihren Verein, der übrigens gerade seine zweite, knapp 250 Seiten starke Publikation herausgebracht hat, als "deutschlandweit einmalig", vor allem durch das Einbeziehen von Literaten, Philosophen, Soziologen, Musikern, Betriebswirtschaftlern. Kritisch wolle man sein, auch selbstkritisch. Die Frage, ob Kunst nach Brot gehe, spiegelt gleichfalls den Widerspruch von Autonomie der Kunst und den wirtschaftlichen Ansprüchen, denen sie genau wie Künstler auch ausgesetzt ist.

Einen festen Raum brauche Cynal für die Arbeit eigentlich nicht, sagt Groß. "Virtuelle Präsenz hat auch den Vorteil, dass man nicht rausgeworfen werden kann."

Oder man geht den Weg von Iven Einszehn und verbrüdert sich mit den Wachmannschaften.

ibis 22. November, ständig wechselnd, Eingang Trompeterstraße, genaue Informationen auch zum Begleitprogramm unter www.cynal.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.10.2013

Torsten Klaus

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr