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Ausstellung zum 100. des Malers Herbert Kunze in der Dresdner Villa Eschebach

Ausstellung zum 100. des Malers Herbert Kunze in der Dresdner Villa Eschebach

Der Dresdner Maler Herbert Kunze (1913-1981) war kein Mann, der um sein Künstlertum viel Wesens machte. Als Lehrer aber beeinflusste er in seiner ruhigen, leidenschaftlichen Art eine ganze Schülergeneration.

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Herbert Kunze. Weinbergkirche, o.J., Aquarell.

Quelle: Galerie

In Chemnitz geboren und in Dohna aufgewachsen, führte sein Weg nach einer Lehre als Dekorationsmaler über die Abendschule der Staatlichen Kunstgewerbeakademie Dresden an die Akademie für Bildende Künste, um bei Ferdinand Dorsch und Max Feldbauer Malerei, bei Wilhelm Rudolph und Karl Albiker konstruktives Zeichnen zu studieren. Im letzten Studienjahr 1937 nahm er für vier Monate einen Studienaufenthalt in Amsterdam, wo er sich mit van Gogh und Rembrandt, aber auch mit Werken der Zeitgenossen Constant Permeke (1886-1952) und Nicolaus de Stael (1914-1955) auseinandersetzte, die archetypisch Figürliches mit den Mitteln der Abstraktion darstellten.

Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft 1948 zurückgekehrt, sammelte Kunze pädagogische Erfahrungen als Zeichenlehrer in der Dohnaer Grundschule. Ein Jahr später trat er der Künstlergemeinschaft Das Ufer bei, die sich unter Bewahrung der künstlerischen Individualität ihrer Mitglieder um die Darstellung zeitgeschichtlicher Themen bemühte. Mit Rudolf Bergander und besonders mit Willy Wolff verband ihn seitdem eine enge Freundschaft. 1953 erhielt er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Künste im Naturstudium. In seiner Malerei orientierte er sich damals noch stark am Gegenständlichen.

Mit Werken dieser Zeit setzt die Ausstellung in der Villa Eschebach, abgesehen von einer frühen aquarellierten "Gewitterstimmung" ein: mit klar und überschaubar komponierten Holzschnitten aus der Arbeits- und Alltagswelt ("Glasbläser", 1948, "Pferde", 1949, und einem Selbstbildnis, 1957). Dazu die Ölgemälde "E.K. im Sessel", "Junge mit Fischglas", "Selbstbedienung" und "Kinderfasching" aus den fünfziger Jahren, die unpathetisch einfach und farblich delikat, mit vielen gedeckten Pastelltönen immer auch etwas melancholisch und fragend offen bleiben. Sie dürften zu Kunzes Hauptwerken aus diesem Jahrzehnt gehören, das vielleicht auch zu den unbeschwertesten Zeiten seines Schaffens gehört haben mag.

Herbert Kunze war einer der Künstler, die sich, entgegen dem zum ausschließlichen Gestaltungsprinzip erhobenen sozialistischen Realismus, weiterhin bemühten, die internationale Kunstentwicklung zu verfolgen, wie sie beispielsweise 1955 und 1959 auf der Kasseler dokumenta, der "Weltschau abstrakter Kunst", vorgestellt wurde. Für seine Schüler war er damals der einzige Maler, mit dem sie über moderne Malerei reflektieren konnten, der auch praktisch seine künstlerischen Auseinandersetzungen darlegte. Günter Hornig, der Ende der 50er Jahre bei ihm studierte, bekannte Jahrzehnte später gegenüber der Kuratorin Reinhild Tetzlaff: "Was dieser Aufbruch und Neubeginn, dieses Abstreifen der akademisch, dogmatischen Forderungen für ihn bedeutete, konnte ich durch sein aufblühendes, lebhaftes, ja begeisterndes Gespräch über die Möglichkeiten der Moderne nur erahnen." Kunzes Suchen "nach der Wesenheit der Farbe" (Rainer Zille), das experimentelle Auflösen gegenständlicher Formen und Flächen in Malerei und Collage oder mittels informellem gestischen Pinselduktus, führte er zu neuer, überzeugender Bildhaftigkeit.

Seit Beginn der 60er Jahre kam es zu wiederholter Kritik der Hochschulleitung an Kunzes "fehlender künstlerischer Entwicklung zum sozialistischen Realismus" und hinsichtlich seines "Versagens in ideologischer und erzieherischer Hinsicht". 1970 wurde ihm das Grundstudium endgültig entzogen. Stattdessen bekam er, ohne eigene Klasse, das Fach Technologie und Farblehre aufgetragen. Aber auch hierin konnte er den jüngeren Studierenden, die ihn nur in wenigen Stunden kennenlern- ten, Wesentliches mit auf den Weg geben. Sie erinnern sich voll Hochachtung an diesen Ausnahmelehrer, den "Toleranz, Zurückhaltung, künstlerische Empfindsamkeit und ein umfangreiches kunsthistorisches Wissen auszeichneten" (Gerda Lepke). 1975 erfolgte aus gesundheitlichen Gründen seine vorzeitige Emeritierung.

Trotz aller Repressalien und damit einhergehender Depressivität entfaltete Kunze ein reiches Spätwerk. In den verschiedensten künstlerischen Techniken erprobte er das informell gestische und das abstrakte Spiel der Flächen und Linien in Überlagerung und Schichtungen, ebenso kalligrafische Tuschpinsel- und Federzeichnung, drucktechnisches Experimentieren verbunden mit collagierten, haptisch spürbaren Materialstudien, oder auch pastose Ölmalerei. Diese späte, abstrakt expressive Phase ist in der Ausstellung, nunmehr meist ohne Titel und ohne Jahresangabe, zahlenmäßig am stärksten vertreten.

Einziges Manko der in Zusammenarbeit des Kunstfonds des Freistaates Sachsen, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Volksbank Raiffeisenbank Dresden und unterstützt von Kunsthistoriker Claudius Maximilian Noack entstandenen Ausstellung ist ein diesbezüglich lenkendes Konzept durch die vier Räume. Zwar sind einzelne Werkgruppen der mehr als 70 Arbeiten zusammengefasst, die persönliche Entwicklung ist jedoch schwer nachvollziehbar.

Für zahlreiche jüngere Künstler blieb Kunze, dessen Arbeiten damals kaum in die Öffentlichkeit gelangten, ein Geheimtipp. Eine Ausnahme öffentlicher Präsentation zu Lebzeiten war die Personalausstellung 1976 im Dresdner Leonhardi-Museum. Zur Eröffnung sprach Max Uhlig, der dazumal überhaupt als inspirierende Kraft dieses Ausstellungsortes wirkte. 1988, noch kurz vor Ende der DDR, realisierten die Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus die Schau "Herbert Kunze - Anreger und Freund". Seit 1989 sind Werke des Künstlers wiederholt in verschiedenen größeren Ausstellungen, so "Kunst in der DDR" (2003) in der Nationalgalerie oder "Gegenwelten" (2006/07) in Marburg, Halle und Dresden sowie "Ohne uns!" (2009) in Dresden, zu sehen gewesen. Es ist eine späte Gerechtigkeit, die nun auch wieder in der Villa Eschebach greift. Immerhin beherbergt der Kunstfonds 350 Arbeiten Kunzes - damit einen großen Teil des Nachlasses. Und nicht zuletzt daraus erwächst Verantwortung zur Pflege des Werks.

Bis 10. Januar, Villa Eschebach - Volksbank Raiffeisenbank Dresden, Georgenstr. 6. Mo und Mi 8.30 bis 16 Uhr, Di und Do 8.30 bis 18 Uhr sowie Fr 8.30 bis 13 Uhr. Vom 24. bis 26. Dezember sowie am 31. Dezember und 1. Januar bleibt die Villa Eschebach geschlossen.

www.skd.museum

www.ddvrb.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.12.2013

Jördis lademann, Lisa-Werner Ar

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