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Ausstellung zu 100 Jahren Festspielhaus Hellerau

Ausstellung zu 100 Jahren Festspielhaus Hellerau

Der Neue Sächsische Kunstverein, seit einigen Jahren im Festspielhaus Hellerau ansässig, meldet sich derzeit zu dessen 100. Jubiläum zu Wort - selbstverständlich mit einer Ausstellung am Ort.

Petra Kasten, Boot/3-teilig, Öl, 2011. Repro: Kasten

"Dope Mios" lautet der nur auf den ersten Blick geheimnisvolle Titel, der nichts mit "Dope" oder dergleichen zu tun hat - es sei denn man betrachtete die gezeigten, vor allem aus den letzten zehn Jahren stammenden Bilder als solches. Vielmehr ist das Ausstellungsmotto von den ersten beiden Buchstaben der Vornamen der vier beteiligten Künstler geprägt, die seit ihrem Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden in den späten 70er/frühen 80er Jahren freundschaftlich verbunden sind: Dorit Bearach (Jg. 1958), Petra Kasten (Jg. 1955), die auch die Schau kuratierte, Michael Hengst (Jg. Jg. 1953) und Osmarosten (Jg. 1959). Teilen sich die beiden Männer die üblicherweise genutzten Räumlichkeiten des Ostflügels, sind die Damen im Westflügel zu finden. Typisch für alle vier sind reduzierte, gut miteinander harmonierende, im einzelnen freilich ganz unterschiedliche Handschriften, die teils gegenständliche Elemente zurückgreifen.

Osmarostens hintersinnige Bilder zaubern wohl jedem ein Lächeln ins Gesicht. Dabei ist auf den mitunter wie aus Restbeständen, auch mal ein Stück Keilrahmen unbedeckt lassenden, vor Ort sich oft in Graublau oder anderen zurückhaltenden Tönen zeigenden Arbeiten "fast nichts" drauf. Gleichwohl: das Zusammenspiel von angedeuteten Gegenständen, Figuren. Tieren und eingekratzten schriftlichen Kurzkommentaren, respektive Bildtiteln gibt Ostens Bildern jene gut bekannte Würze. Beispiel: "Alle wollen hoch, alle wollen runter" - eine kleine Serie mit auf- und absteigenden Ballons. Das Bildmotto freilich kann für manches andere des "Hoch und Runter" gelten. Oder "Uran-Bar"!

Die Reduziertheit seiner Malerei verträgt sich ihrerseits gut mit den auf andere Weise, eher informell erscheinenden Mischtechniken von Michael Hengst. Dessen teils großformatige Bilder auf Papier mit auffallenden, strukturierten Oberflächen, in die verschiedentlich skripturale Elemente eingebracht sind, zeigen sich in vor allem naturhafter Farbigkeit. Ihre Titel weisen gleichermaßen auf Anregungen aus der Natur ("Nebelbank", "Vereist") wie auf solche aus der Literatur ("Hyperion") oder asiatischer Geistigkeit ("Shangri-la", "Shiva").

Fast eine Art Neubegegnung bietet der Westflügel. Dorit Bearach hat sich seit 18 Jahren nicht mehr in Dresden vorgestellt. Ihre nahezu wie Farbkörper wirkenden Bilder sind eine überzeugende Stimme in diesem Quartett. Sie sind aus dicken Schichten, meist dunkelfarbiger Pigmente aufgebaut, die ineinander zu verschwimmen scheinen und aus denen verschiedentlich ein Farbton herausleuchtet wie aus jener Arbeit, die Königsblau zum Strahlen bringt und die Bearach "Hinter den Bergen, hinter das Licht" nannte. Bemerkenswert leicht und durchscheinend zeigen sich verschiedene Arbeiten auf Papier, die die Künstlerin um das Thema "Fächer" kreisen lässt.

Petra Kasten präsentiert sich mit zahlreichen, ihrer in assoziativer, reduzierter Gegenständlichkeit angelegten Arbeiten, die malerisch durchaus im Kontrast zu Bearach stehen. Ihre oft nahezu zeichnerisch wirkenden Bilder, die etwa ein "Gehäuse", ein "Kleid" oder einen "Faltenwurf" andeuten, sind - man sollte sich ob der vereinfachten Formen nicht täuschen lassen - vielfach geschichtet. Besonders schön nachvollziehen lässt sich das am letztgenannten Bild, dessen malerische Fassung täuschend stofflich Falten hervortreten lässt. In einem der oberen Studios kann sich das in Blau und rötlich-gelbe Töne gekleidete Triptychon ausbreiten, das ein großes, eher altertümliches Schiff zeigt, das zudem von zeilenartig angelegter "Schrift" umgeben ist, als würde hier ein Reisebericht gegeben. Angesichts der Schiffsform könnte man denken, er gelte der Zeit der großen Entdeckungen.

Bis 8. Juli, Mi.-Fr. 13-17 Uhr, Sa./So. 11-17 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.06.2012

Lisa Werner-Art

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