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Ausstellung widmet sich städtischem Garten- und Lebensraum

Ausstellung widmet sich städtischem Garten- und Lebensraum

Gegenwärtig beräumen Bagger und Bulldozer die alte Brache hinter dem Kunsthaus Raskolnikow. Der Blick weitet sich ungewohnt unheimlich und gibt die Sicht frei auf einen riesigen Einheitsgroßbau.

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Ein Hauch von Frühling: eine Rauminsel mit böhmischen Erdbeeren.

Quelle: Weißflog

Dort, wo man fleißig dabei ist, wichtige Spuren der Vergangenheit zu tilgen, befanden sich die alten Gebäude des Dresdner Fuhrwesens und auch der alte "Böhmische Garten", der seit dem 18. Jahrhundert infolge religiöser und wirtschaftlicher Gründe Gärtner aus dem nahen Böhmen anlockte, die zur Stadtkultivierung beitrugen.

Wer weiß schon, dass es viele Jahrzehnte dauert, bis ein Gartenboden fruchtbar wird? Jetzt, wo der Boom um das Bauland die Bodenpreise in die Höhe treibt, wird der wahre Schatz des Bodens sträflich unterschätzt. Eine Gruppe von vier Künstler/innen hat sich vor kurzem unter dem Namen GAP Group "Lückenglück" neu gegründet, um auf die "Lückenkultur" im öffentlichen Raum aufmerksam zu machen. Räume und Freiräume gehören zusammen, wo der öffentliche Park, der Kleingarten, die Grünfläche hinter dem Haus und oder auch nur ein Baum ökologische und soziale Wirkungen zeitigt, nicht nur unter dem Aspekt des wirtschaftlichen (Nahrungsmittel und Rohstoffe) und pekuniären Nutzens.

Ulrike Gärtner, bildende Künstlerin, hat die Fäden des Projektes in der Hand. Sie beschäftigt sich schon seit einigen Jahren intensiv mit gärtnerischen Themen und stellt sie in den Kontext engagierter Stadtkulturarbeit, in der es für sie vor allem um ein soziales Miteinander und den vorsichtigen Umgang mit historisch gewachsenen Strukturen geht.

Nicht Tilgung von Spuren, sondern ihre Suche und Bewahrung sind ihr wichtig, um auch an künftige Generationen wertvolles Kulturgut weitergeben zu können, wozu auch die Dresdner Gartenkultur gehört. Annette Nickel sichtet und erforscht als Zivilisationsarchäologin zusammen mit Jan Minack (Student der HTW Dresden) und Felix Liebig (Kulturingenieur) die von modernem Vandalismus betroffenen Areale, darunter neben dem Böhmischen Garten auch Herzogin Garten im Stadtzentrum, sowie sensible Gebiete im Stadtraum, die einer "gärtnerischen Aufwertung" bedürfen. Auf ihren Feldforschungen (Streifzüge durch die besagten Areale) fanden sie interessante Artefakte menschlicher und natürlicher Schöpferkraft, die nun in einer poesievollen, aber auch skurrilen Ausstellung im Kunsthaus Raskolnikow zusammentreffen.

Zur Ausstellung: Ausgangspunkt ist das Quadrat, aus dem heraus sich alle Elemente der Präsentation logisch entwickeln. Der "Garten" (etymologisch von Haag, Gehege, Hecke, Zaun, Mauer) ist mit dem Leitmotiv der Ausstellung, dem Quadrat als Grundriss verwandt.

Im Gartenbau spielt der Quadratmeter eine besondere Rolle bei der Berechnung von Pflanzenkulturen, ausgebrachter Erde, sowie Bepflanzungsdichte und Bepflanzungsraum. Durch originelle unterschiedliche Eintopfung von böhmischen Erdbeeren und einer Holunderpflanze, die auf einem weißen Küchenstuhl präsentiert werden, wird der Wert eines Quadratmeters Gartenerde demonstriert, der ungleich höher ist als ein Quadratmeter Bauland. Den zentralen Ausstellungsraum bestimmen drei Sichtachsen (Inseln), die auf die drei untersuchten Orte anspielen und auf ihm gefundene Pflanzen und Gegenstände hinweisen. Mistel, Waldrebe und Holunder sind an der Decke des Raumes angebracht und verweisen nach unten auf die Vermessungspunkte und das aus Fliesen ausgelegte Quadrat, die von einem Raum des Neustädter Fuhrwesens stammen.

An den Zweigen der Sträucher hängen gesammelte und selbst geschossene Fotos von besagten Orten. Die anderen Räume werden durch bemooste Zaunslatten und Fundstücke aus den Arealen ergänzt und mit Tand, Spielzeug, Schmuck und Zivilisationsplunder versehen. Sie erzählen wahre oder sagenumwobene Geschichten, wie von den in den Kellern verschütteten Hochzeitskutschen der ehemaligen Fuhrgesellschaft (im Flur steht eine Holzkiste, ein staubiges Original mit der Aufschrift "Dresdner Fuhrwagengesellschaft, Bautzner Straße 37/266") oder von "Schneeglückchen" und den "Kurfürstlichen Traubenhyazinthen" aus dem Herzogin Garten.

Authentizität und Fiktion treiben so miteinander ein geschickt inszeniertes Spiel, das zum Nachdenken anregt. Die vier Macher der Ausstellung (gefördert durch das Engagement von Iduna Böhning, Galeristin von Raskolnikow) wenden sich an alle Natur-und Gartenfreunde und solche, die das Leben in ihrer Stadt aktiv mitgestalten wollen und bitten sie um Fotos, Objekte und die damit verbundenen Geschichten für eine demnächst geplante Publikation.

Heinz Weißflog

ibis 12. April, Kunsthaus Raskolnikow, Böhmische Straße 34, Dresden, Infos unter Ruf 804 57 08, geöffnet: Di-Fr 10-16, Sa 11-14 Uhr. Die GAP Group führt durch die Ausstellung: heute und am 11. April, jeweils 17 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.04.2013

Heinz Weißflog

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