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Ausstellung von Siegfried Adam und Gionni Inserra in der Galerie Beyer

Ausstellung von Siegfried Adam und Gionni Inserra in der Galerie Beyer

Die Galerie Beyer wartet zur Zeit in einer Gedächtnisausstellung für die beiden Dresdner Maler Siegfried Adam und Gionni Inserra mit ungewöhnlichen Arbeiten auf, die so bisher noch nicht zu sehen waren.

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Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Siegfried Adam und Gionni Inserra.

Quelle: Galerie

Beide starben kurz hinter einander zu Beginn des Jahres, der eine an den Folgen einer schweren Erkrankung, der andere schied freiwillig aus dem Leben. Galerist Bernd Beyer hat sich kurzfristig entschieden, eine sehr persönliche Auswahl aus dem Konvolut beider Werke zu treffen, die bewusst subjektiv angelegt, Erstaunliches zutage förderte. Bisher unbekannte Arbeiten beider zeigen die Tiefe und das Bewegtsein der Künstler, ihre Arbeit am "Zeitbild", das ganz eigene Betroffenheiten offenbart, aber auch den Zauber der Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich und dessen Mythos im Strom der Zeit. Mehrere Werke stammen aus dem Nachlass oder Privatbesitz, wie es bei Siegfried Adam der Fall ist. Gionni Inserra vernichtete den Großteil seines Werkes infolge einer chronischen Depression. Freunde haben einen kleinen Teil seines Werkes bewahrt.

Der Maler Siegfried Adam studierte von 1965-70 an der HfBK Dresden bei den Professoren Kettner, Horlbeck und Michaelis. Sein Werk, das in der Tradition der Dresdner Malschule steht, spannt sich von feinfühliger Gegenständlichkeit urbaner Motive bis zu freien Landschaften, sowie grotesken Figurationen menschlicher Gestalt. Der Dresdner Barock und das Elbsandsteingebirge fesselten ihn mit ihren kunstvollen Sandsteingebilden, hier die Figur, dort der von der Natur geformte Stein. Wie im Zauberreich erscheinen auf manchen Bildern die runden Felsen als Menschengruppen in einer seltsamen Belebung des Steins. Darunter sind Mondaufgänge in geheimnisvoll romantischer Stimmung, die an C.D. Friedrich erinnern. Ebenso thematisiert Adam die Stadt Dresden mit ihren Räumen, die von der Zerstörung berichten, Leerstellen und gewagte Architektur verbindend, wie die Düsternisse baulicher Vernachlässigung im realen Sozialismus. Seine Neustadtbilder bei Nacht sind eine Entdeckung (70/80er Jahre). Das transparente Dunkel, die Abstufungen des Schwarz, sind hier fein abgestimmt und atmen Zeit und Raum. Das Flackern kleiner Fensterlichter belebt und schafft Atmosphäre. Im kräftigen Blau-Gelb-Weiß, stark unterkühlt wie eine Landschaft aus Eis, wirken einige seiner Ölbilder von Anfang der 90er Jahre. Auseinanderbrechend wie in Holzschnitten von Wilhelm Rudolph, stehen die vom Bombardement beschädigten Häuserfronten wie Säulen und Bruchspitzen inmitten von weißem Schutt und gelber Asche. Viele spätere Arbeiten sind figurative Landschaften geworden, andere leer und nur in der Staffelung kubischer Räume, die sich von Tür und Durchgang in die Tiefe des Raumes erstrecken.

Gionni Inserras Werk von der Zeichnung über die Malerei bis zur Plastik besitzt die innere Konsequenz des Träumers. Das Gastarbeiterkind aus Sizilien studierte von 1995 bis 2002 an der HfBK Dresden Bildhauerei und Malerei bei den Professoren Bosslet und Honert. Neben den über 200 kleinformatigen Notaten eines umfangreichen Zeichenwerkes mit seinen Strichfigurinen, in denen er eigene geflügelte Worte und philosophische Sentenzen zitiert, ist vor allem ein Teil der umfangreichen Plastik erhalten geblieben. Masken und Köpfe aus Pappmaché stellen Urzustände des Menschen dar, der Kopf als Symbol des Menschlichen in seiner Tragik, Groteske und elementaren Kraft, oft in der mimischen Destruktion oder als Halbgesicht modelliert. In Grafik und Malerei äußert sich Inserra surreal, magisch und spielerisch. Seine Materialcollagen und Assemblagen wirken düster und hinfällig. Rostige Eisenblätter, in den Raum geknickt, Scharniere, Drahtgewebe und Gipsumrandungen geben Einblick in das Fühlen des Künstlers, sprechen von seinen Zweifeln und Grübeln über die dunklen Seiten des Lebens, seinem Verfall. So gibt das übrig gebliebene Werk Gionni Inserras Zeugnis von der Tragik eines mit sich ringenden Menschen, der an seiner Lebensdüsternis zerbrach.

Bis Ende Juni. Galerie Beyer, Seitenstraße 4b. Tel. 0351/ 89 96 00 75. Mi-Sa 15-20 Uhr.

www.galerie-beyer.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.06.2012

Heinz Weißflog

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